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Von der Möglichkeit eines Krieges gegen den Iran

Der ehemalige Leiter der Nah- und Mittelostabteilung des iranischen Außenministeriums, Ghasem Mohebali, sprach Anfang Oktober mit dem Webportal Zeitoon über die Möglichkeit eines neuen Krieges in der Region. Seiner Beobachtung nach sind die regionalen Mächte mehr damit beschäftigt, den aufflammenden Konflikt zu managen, als Kriegspläne zu schmieden. Iran Journal veröffentlicht Auszüge des Interviews. mehr »

Es sollte bedacht werden, dass der Präsident der USA trotz seiner vielen Befugnisse solche Entscheidungen nicht allein und ohne die Zustimmung anderer Machtinstanzen und Regierungsexperten treffen kann. Das System unterwirft sich nicht einer einzigen Person, auch wenn sie der Präsident ist. In dem unwahrscheinlichen Fall, dass Trump es trotzdem tun sollte, wäre nicht sicher, dass er dadurch die Wahlen gewinnt. Ein Krieg mit dem Iran wird nicht von kurzer Dauer sein. Es wäre wahrscheinlich, dass ein solcher Krieg ihn sogar zu Fall bringt – so wie Bush Senior, der nach dem Krieg mit dem Irak die Wahlen verloren hat.

Präsident Rouhani hat einen Friedensplan vorgelegt, den sogenannten „Hormuzer Friedensplan“. Glauben Sie, dass die arabischen Länder der Region dieses Projekt begrüßen würden?

Das ist eher unwahrscheinlich. Angesichts der angespannten Beziehungen des Iran zu Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten besteht keine Möglichkeit einer Zusammenarbeit in der Region. Auch die USA und die europäischen Länder haben Interessen in der Region. Sie werden kein Abkommen zulassen, durch das die größeren Mächte der Region wie der Iran und Saudi-Arabien kleinere Staaten verschlingen würden. Das heißt, das Kräfteverhältnis in der Region muss ebenfalls berücksichtigt werden. Wenn Katar keinen Verteidigungsvertrag mit den Vereinigten Staaten hätte, hätte Saudi-Arabien längst versucht, sich Katar einzuverleiben, wie Saddam Hussein es mit Kuwait versucht hatte. In den 1980er Jahren hatte das Schah-Regime einen ähnlichen Plan zur Bildung einer regionalen Union vorgelegt, den die Nachbarländer jedoch nicht akzeptierten. Denn die Kleineren wollten – sprichwörtlich gesagt – ihre Eier nicht in die Körbe der Größeren legen.

Will die iranische Regierung, dass Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate aus der US-Marine-Allianz austreten und sich dem Iran anschließen?

Ja. Aber dieser Plan hat auch im Iran Gegner. Es gibt innerhalb mancher politischer Lager Andeutungen, die darauf hinweisen, dass die Realisierung dieses Plans auch innerhalb des Iran mit Schwierigkeiten verbunden sein wird. Und es gibt viele Länder und Kräfte in der Region, die von den dortigen Spannungen profitieren. Saudi-Arabien etwa ist damit zufrieden, da sie den Iran und die USA daran hindern, ihre Beziehungen zu verbessern. Auch Bahrain profitiert von der aktuell angespannten Lage. Gäbe es diese nicht, hätte die bahrainische Regierung die Folgen der unmenschlichen Behandlung der schiitischen Mehrheit dort zu spüren bekommen. Und auch Israel profitiert: Würde der Iran Israel nicht bedrohen, würden die Gegensätze innerhalb der israelischen Gesellschaft stärker zutage treten.

Die Drohnenangriffe auf Saudi Arabiens Erdölanlagen haben gezeigt, wie verletzlich das Land mit den modernsten Waffensystemen ist

Die Drohnenangriffe auf Saudi Arabiens Erdölanlagen haben gezeigt, wie verletzlich das Land mit den modernsten Waffensystemen ist

 

Außerdem liegt es nicht im israelischen Interesse, dass sich die Beziehungen des Iran zu den arabischen Ländern in der Region verbessern. Denn in diesem Fall müsste Israel besorgt sein über die Bildung einer iranisch-arabischen Koalition gegen sich. Und schlussendlich profitieren auch der IS und Al-Qaida von den regionalen Streitigkeiten. Sie erhalten Hilfe von Saudi-Arabien, den Emiraten und Pakistan Es gibt Kräfte in Syrien, die Hilfe aus der Türkei bekommen. Die Taliban in Afghanistan werden vom Iran und Russland unterstützt. Insgesamt gibt es mehrere Agitatoren in der Region, die, sobald es dort Anzeichen von Frieden und Stabilität gibt, dagegen agieren. Unter bestimmten Umständen kann jeder die Kontrolle über die Situation verlieren. Momentan scheinen der Iran, die USA, Saudi-Arabien und sogar Israel sich damit zu beschäftigen, die Krise zu managen. Das jüngste Vorgehen Israels im Konflikt mit der Hizbollah im Libanon bestätigt dies. Das heißt, die militärische Reaktion Israels war so, dass nicht alles außer Kontrolle gerät.

Wie geht es Ihrer Meinung nach weiter?

Was die regionalen Probleme angeht, gibt es unterschiedliche Herangehensweisen. Die beliebteste ist, die gegenwärtigen Krisen kontrolliert fortzusetzen, ohne in den Krieg ziehen zu müssen. Diesen Ansatz verfolgen offensichtlich die USA. Saudi-Arabien zögert auch, sich auf einen heißen Krieg einzulassen, da dessen Kosten für alle hoch sein werden. Saudi-Arabien wird ohne die Zustimmung der USA nicht in einen Krieg eintreten. Das Land ist nicht in der Lage, sich dem Iran zu stellen. Die Saudis verfügen weder über die notwendige strategische Tiefe noch über die militärischen Fähigkeiten. Moderne Waffen allein weisen nicht unbedingt auf die militärischen Fähigkeiten eines Landes hin. Aber natürlich kann ein unvorhergesehener Vorfall einen Krieg verursachen. Auch der Erste Weltkrieg begann mit einem Schuss.♦

Übertragen aus dem Persischen und überarbeitet von Farhad Payar

Quelle: Zeitoon

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