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Top-Regisseur sorgt für Eklat

Der iranische Starregisseur Jafar Panahi widersetzt sich erfolgreich der Instrumentalisierung durch das iranische Regime. Einem verstorbenen Regisseur und einem Komponisten werden besondere Ehren zuteil und die iranische Computerspieleindustrie darf sich in Köln präsentieren. Kulturnachrichten aus der Islamischen Republik. mehr »

Das Verhalten des iranisches Regisseurs Jafar Panahi bei der Verleihung der Iranischen FilmkritikerInnen- und DrehbuchautorInnen-Awards sorgt seit einer Woche für heiße Debatten in der persischsprachigen Internet-Community. Während er von einer großen Mehrheit dafür gelobt wird, kritisieren ihn die Anhänger des islamischen Regimes scharf. Der populäre regimekritische Filmemacher war eingeladen worden, um zusammen mit seinen KollegInnen Rakhshan Bani-E’temad und Mohsen Amir Yousefi den Preis für die beste Regie an Hamid Nematollah zu übergeben. Als Panahi realisierte, dass er unabgesprochen zudem dafür vorgesehen war, dem Filmemacher Hossein Mahdavian einen Ehrenpreis zu überreichen, verließ er trotz aller Überredungsversuche der OrganisatorInnen die Bühne.

Mahdavians Film „Midday Adventure“ handelt vom blutigen Konflikt des iranischen Regimes mit der umstrittenen Oppositionsgruppierung der Volksmudschahedin im Sommer 1982. Reza Seifollahi, damals einer der führenden Köpfe der ultrakonservativen Revolutionsgarden, der für den Tod eines bekannten Volksmudschahedins verantwortlich war, wird in dem Film als Held dargestellt. KritikerInnen werfen dem von der Revolutionsgarde finanzierten und vom geistlichen Führer des Iran, Ayatollah Ali Khamenei, hoch gelobten Streifen vor, ein Propagandamachwerk zu sein, das die systematische Auslöschung der Opposition und Massenexekutionen in der noch jungen Islamischen Republik rechtfertige.

Panahi kehrte nach seiner Weigerung für eine kurze Rede auf die Bühne zurück: Er wolle nicht darüber bestimmen, wer Filme drehen oder finanzieren darf und wer nicht, erklärte der Regisseur. „Aber in einer Zeit, in der einige ausgewählte Filme mit Megabudgets und Alleinverkaufsrechten für alle Top-Kinos des Landes bedacht werden, bitten wir darum, dass auch wir unsere Filme in einigen Kinos zeigen dürfen“, so Panahi.

Szenenfoto: Jafar Panahi in seinem Dokufiktion "Taxi Teheran" - Gewinner des Goldnen Bären auf der 65. Berlinale

Szenenfoto: Jafar Panahi in seinem Dokufiktion „Taxi Teheran“ – Gewinner des Goldnen Bären auf der 65. Berlinale

Der Regieveteran, der sowohl national als auch international mehrfach für seine Filme ausgezeichnet wurde – zuletzt erhielt er 2015 bei der Berlinale für seinen Film „Taxi Teheran“ den Goldenen Bären – wurde aufgrund seiner Unterstützung für die oppositionelle Grüne Bewegung im Jahr 2009 zu einer sechsjährigen Gefängnisstrafe verurteilt. Nach einem Hungerstreik wurde er 2010 auf Kaution freigelassen. Zwar darf Pahani weiterhin Low-Budget-Filme drehen. Diese dürfen im Iran jedoch nicht gezeigt werden.

Ehrenplakette für Kiarostami

Ehre wird dem im vergangenen Jahr verstorbenen Star-Regisseur Abbas Kiarostami zuteil. Die dem iranischen Kulturministerium unterstellte Organisation für Kulturerbe, Handwerk und Tourismus brachte Mitte August eine Ehrenplakette am Haus des hochgeschätzten Filmemachers an. Kiarostami ist damit der siebte Iraner, dessen Haus posthum mit einer Ehrenplakette versehen wird.

Die Organisation für Kulturerbe, Handwerk und Tourismus möchte mit der Plakette an das Lebenswerk besonders verdienstvoller iranischer KünsterInnen und Geistlicher erinnern und darüber hinaus zum Schutz der Häuser, in denen diese zu ihren Lebzeiten wohnten, beitragen. Die Idee dazu entwickelte die Organisation im Mai 2017.

Ehrenplakette für Abbas Kiarostami

Ehrenplakette für Abbas Kiarostami

Der renommierte Filmemacher zählte in den 60er Jahren zur sogenannten Neuen Welle im iranischen Kino. Nach der Revolution 1979 blieb er zwar im Iran, arbeitete aber immer wieder auch im Ausland. 1997 wurde sein Film „Der Geschmack der Kirsche“ beim Filmfestival in Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnet. Zwei Jahre später erhielt er bei den Filmfestspielen von Venedig verschiedene Auszeichnungen für seinen Film „Der Wind wird uns tragen“. 2014 wurde Kiarostami mit dem Österreichischen Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst bedacht.

Komponist für Lebenswerk ausgezeichnet

Der iranische Starkomponist und Oboist Majid Entezami ist in Teheran von der Organisation für die Verbreitung Islamischer Ideologie (Art Bureau) für sein Lebenswerk ausgezeichnet worden. Vor zahlreichen geladenen CineastInnen, MusikerInnen und Kulturverantwortlichen bedankte sich Entezami für die Ehre. Gleichzeitig beklagte er den Umgang mit iranischen Musikerinnen. „Wir haben in letzter Zeit eine Reihe großartiger KünstlerInnen verloren, ohne dass irgend jemand auch nur ein Wort des Bedauerns darüber geäußert hätte“, so Entezami. Dies sei für ihn ein Zeichen dafür, dass man den Wert der Musik nicht hoch genug schätze, sagte der Maestro weiter.

Abgeschlossen wurde die Veranstaltung mit der Vorführung eines Dokumentarfilms über den Komponisten. Der 70-jährige Majid Entezami ist der Sohn des ehemaligen iranischen Filmstars Ezzatollah Entezami. Majid steuerte für über 80 iranische Filme, darunter zahlreiche preisgekrönte, die Filmmusik bei.

Majid Entezami. ausgezeichnet für sein Lebenswerk

Majid Entezami. ausgezeichnet für sein Lebenswerk


Iranische Computerspieleentwickler auf der Gamescom in Köln

Erstmal waren auf der Computerspielemesse Gamescom in Köln, die vom 22. bis zum 26. August stattfand, auch iranische Computerspieleentwickler vertreten. Gleich neun Unternehmen waren von der iranischen Nationalen Stiftung für Computerspiele (NFCG) auserkoren worden, das Land bei der weltweit größten Computerspielemesse zu repräsentieren. Ziel der Teilnahme sei es, auf iranische Computerspiele aufmerksam zu machen und ausländische InvestorInnen in den Iran zu locken. Außerdem wolle man für die erst im April dieses Jahres neu ins Leben gerufene iranische Computerspielemesse Tehran Game Convention werben, sagte der Vize-Chef der NFCG der iranischen Nachrichtenagentur Mehr.

Die Gamescom ist eine der beliebtesten Messen für interaktive Unterhaltungselektronik und insbesondere Video- und Computerspiele. Zahlreiche Hersteller aus aller Welt präsentieren dort neue Soft- und Hardware. Sie besteht aus einem öffentlichen Bereich für das allgemeine Publikum und einem geschlossenen Teil für Fachbesucher.

Laut Mehrdad Ashtiani, einem Vertreter der Tehran Game Convention, war die Präsenz des Iran auf der Gamescom von Erfolg gekrönt. Man habe mit mehreren internationalen Spieleentwicklern über eine mögliche künftige Zusammenarbeit gesprochen. Die nächste Gelegenheit, den Iran auf internationalem Parkett zu vertreten, hat die NFGC übrigens im Herbst dieses Jahres in Paris. Dort findet Anfang November die Games Connection statt.

  JASHAR ERFANIAN

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