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Der lange Arm der iranischen Zensurbehörde

Der Film „Eradatmand, Nazanin, Bahareh, Tina“ durfte auf einem kleinen Filmfestival in Toronto nicht gezeigt werden. Dafür sorgte der Regisseur selbst, unter dem Druck des iranischen Kulturministeriums. Der Film handelt von drei Frauen, die in Teheran auf der Suche nach aufregenden Erlebnissen mit Männern sind. mehr »

Im Iran einen Film zu drehen, bedarf der Genehmigung des Kulturministeriums. Man reicht ein Exposé von drei bis vier Seiten ein und wartet – manchmal jahrelang. Ist die Genehmigung erteilt, kann der Film gedreht werden, doch das ist noch keine Garantie dafür, dass er nach der Fertigstellung auch öffentlich gezeigt werden kann. Dafür braucht man eine weitere Genehmigung. Die erteilt der Shoraye Namayesh, der iranische Präsentationsrat. Das Gremium besteht aus Geistlichen, systemkonformen Regisseuren und „Filmexperten“.

Und selbst wenn dieser Rat eine Vorführgenehmigung erteilt, kann ein Film immer noch durch die Großayatollahs oder andere mächtige Organe wie die Revolutionsgarde oder die Hisbollah von der Leinwand genommen werden. Die Gründe dafür müssen nicht plausibel sein. Der Vorwurf der Amoralität oder der „Verletzung der religiösen Gefühle des Volkes“ reicht aus, um einen Film ins Archiv der Zensurbehörde zu verbannen.

Eine kurze Szene des Films: 

Ein „unmoralisches“ Beispiel

Der Regisseur Abdolreza Kahani hatte die erste Hürde überwunden. Sein Exposé wurde angenommen, die Dreharbeiten verliefen reibungslos. Sein Film mit dem Titel Eradatmand, Nazanin, Bahareh, Tina wurde dem Präsentationsrat vorgelegt. Doch eine Vorführgenehmigung bekam er nicht. Gründe wurden offiziell nicht genannt. Auf die Nachfrage des Produzenten, ob man „problematische“ Szenen herausnehmen sollte, wurde mitgeteilt, dass der Film insgesamt für öffentliche Darbietungen nicht geeignet sei.

Ziaoddin Dori, regimetreuer Regisseur und Mitglied des Präsentationsrates, sagte in einem Interview, dieser Film sei „so unmoralisch“, dass man ihn Familien nicht zumuten könne. Kahani schade damit dem iranischen Kino und der Film gehöre verboten.

Später musste Dori gestehen, dass er den Film gar nicht gesehen, sondern sich dem Urteil anderer Ratsmitglieder angeschlossen habe. Wie viele Ratsmitglieder den Film gesichtet haben, wurde nicht bekannt.

Regisseur Kahani (in rot) bei Bildkontrolle

Regisseur Kahani (in rot) bei Bildkontrolle

 

Der lange Arme der Zensur

Das alles geschah vor zwei Jahren.

Mitte November dieses Jahres sollte Eradatmand, Nazanin, Bahareh, Tina nun auf dem Cine Iran Festival in Toronto gezeigt werde. Doch regierungsnahe Internetportale im Iran dementierten die Nachricht – und tatsächlich wurde der Film auch dort nicht gezeigt.

Am 15. Dezember veröffentlichte die Nachrichtenseite des Center for Human Rights in Iran einen Bericht, der die Hintergründe der Nachricht vom November beleuchtet. Kahani sei vom iranischen Kulturministerium unter Druck gesetzt worden, den Film aus dem Programm des kanadischen Festivals nehmen zu lassen – sonst würde auch sein neuer Film keine Vorführgenehmigung bekommen, zitiert die renommierte Nachrichtenseite eine „gut informierte Quelle“: „Dem Regisseur blieb nichts anderes übrig, als sich beim Festival und den Menschen, die schon ein Ticket für die Vorführung gekauft hatten, zu entschuldigen.“

Weiter heißt es in dem Bericht: Nachdem Kahani und die Produzenten über ein Jahr auf die Vorführgenehmigung gewartet hatten, hätten sie beschlossen, den Film im Ausland zu zeigen, um einen Teil der Produktionskosten einzuspielen. Geplant waren Vorführungen in Kanada, Deutschland, England, der Tschechischen Republik, Frankreich und Australien. Danach wollten sie den Film an Netflix verkaufen.

Abdolreza Kahani hat bisher zehn Spielfilme realisiert. Einer wurde verboten, zwei warten seit Jahren auf die Vorführgenehmigung, vier Filme durften öffentlich gezeigt werden, nachdem sie stark zensiert worden waren.

Kahani lebt seit 2013 in Frankreich und produzierte dort seinen Spielfilm On a Le Temps ohne Zensurdruck.

  FARHAD PAYAR

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