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Deutsch-iranische BeziehungenGewachsenes Vertrauen

Die diplomatischen Beziehungen zwischen dem Iran und Deutschland haben Bestand – trotz Höhen und Tiefen. Gerade der aktuelle deutsche Botschafter hat viele Freunde – und wohl deshalb auch viele Feinde im Iran. Ein historischer Überblick. mehr »

Die diplomatischen Beziehungen zwischen dem Iran und Deutschland waren allerdings nicht permanent von guten Geistern beflügelt. Die von manchen Autoren gar als „Liebe“ bezeichnete Beziehung zwischen den beiden Ländern hatte immer wieder mit Krisen zu kämpfen – und überwand sie.

Die ersten ernsthaften Missklänge entstanden 1928, als iranische Oppositionelle in Berlin gegen Reza Schah agierten. Die Beziehungen normalisierten sich, nachdem Farrokhi, einer der mutmaßlichen Herausgeber der oppositionellen Zeitschrift Nehzat, in den Iran abgeschoben wurde. Er wurde dort zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt und starb 1936 im Gefängnis.

Auch während der Herrschaft von Mohammad Reza Schah kam es zu diplomatischen Missstimmungen – unter anderem 1953 aufgrund der Aufführung eines Düsseldorfer Kabaretts, in der vom „wackelnden Thron“ des Schahs gesprochen wurde, 1967 wegen der Demonstrationen gegen den Schah-Besuch in Deutschland.

Nach der Revolution gab es mehrere diplomatische Krisen – etwa 1989 wegen der Fatwa Ayatollah Ruhollah Khomeinis gegen den britisch-indischen Schriftsteller Salman Rushdi wegen dessen Romans „Satanische Verse“, in den 90er Jahren wegen des vom iranischen Staat beauftragten Attentats gegen Exil-Oppositionelle im Berliner Restaurant Mykonos.

Die politischen und diplomatischen Vertreter Deutschlands

Es sind 133 Jahre vergangen, seit der erste preußische Botschafter Ernst von Braunschweig seine Arbeit in Teheran aufnahm. Doch erinnern sich die Iraner und ihre Medien an kaum einen anderen deutschen Diplomaten als Waßmuß.

Ernst von Braunschweig, war von 1884 bis April 1886 der erste Gesandte des deutschen Reichs im Iran

Ernst von Braunschweig war von 1884 bis 1886 der erste Gesandte des deutschen Reichs im Iran

Über den Botschafter Paul von Maltzahn berichteten die Medien erst, als er 2006 die iranische Fußballmannschaft, die es zur Endrunde der Weltmeisterschaft in Deutschland geschafft hatte, zum Essen einlud. Botschafter Herbert Honsowitz brachte es zu negativen Schlagzeilen. Ihm wurde wegen eines Treffens mit Reformpolitikern der inzwischen verbotenen Partei „Partizipationsfront des islamischen Iran“ im Frühjahr 2008 Einmischung in die inneren Angelegenheiten des Iran vorgeworfen.

Während der Amtszeit von Botschafter Michael Freiherr von Ungern-Sternberg, die bis 2016 dauerte, gewann die kulturelle Diplomatie an Bedeutung. Moderne Kunst aus Deutschland sollte im Iran ausgestellt werden und die international zum Teil einzigartigen Werke des iranischen Museums für zeitgenössische Kunst sollten in Berlin zu sehen sein. Der kulturelle Austausch scheiterte jedoch am Ende an politischen Hürden innerhalb der Islamischen Republik.

„Der Botschafter des Volkes“

Kein deutscher Botschafter im Iran aber hat in den vergangenen Jahren die sozialen Medien und die Nähe zu den Menschen so intensiv genutzt wie Michael Klor-Berchtold es tut – um mit der iranischen Gesellschaft in unmittelbare Kommunikation zutreten.

Obwohl die Deutschen im Iran meist als kühl, ernst und nicht sentimental eingeschätzt werden, ist Klor-Berchtold für seine Herzlichkeit und Demut bekannt. Die iranischen Medien berichten regelmäßig über ihn. Er selber teilt ebenso gerne Bilder und Geschichten über seine Begegnungen mit den Menschen auf Instagram oder Twitter. Er besucht die Nomaden in ihren einfachen Zelten, schenkt den Sportlern, Frauen, Arbeitern oder den einfachen Leuten aus den ärmeren Stadtvierteln Teherans Aufmerksamkeit und fährt gelegentlich lieber als Beifahrer auf dem Motorrad als mit dem Diplomatenauto.

Klor-Berchtold kauft auf dem Teheraner Basar bei einem Gemüsehändler ein und besucht iranische Kochkurse. Seine Bilder, die ihn in alltäglicher Kleidung an Kochtöpfen, im Bus, auf der Ladefläche eines Pickups oder auf der Bank einer Teestube zeigen, entzücken viele Menschen im Iran. Auf seinen Reisen setzt er sich zum Schäfer, zum Teppichknüpfer oder Töpfer, oder besucht eine Schule für afghanische Kinder.

Michael Klor-Berchtold zu Besuch bei armen Menschen in Teheran

Michael Klor-Berchtold zu Besuch bei armen Menschen in Teheran

 

Die Medien der Konservativen und Hardliner bezeichnen das als „verdächtiges Hausieren“ und warnen das Außenministerium. „Der deutsche Botschafter versucht sich als kulturelle und soziale Persönlichkeit zu zeigen. Seine Anwesenheit unter Händlern, in Bildungsstätten, unter Herstellern und Fahrern ist jedoch bemerkenswert. Ein auffälliger Punkt war seine Anwesenheit bei den Fernfahrern, kurz bevor ihre Proteste anfingen“, stellt etwa die Nachrichtenagentur Fars, die der Revolutionsgarde gehört, fest.

Während der Amtszeit von Wilhelm Waßmuß litt der Iran unter den Folgen des Ersten Weltkriegs. Eine Hungersnot kostete Millionen von Menschen das Leben, bewaffnete Auseinandersetzungen gegen die Russen im Norden und die Briten im Süden des Landes waren im vollen Gange.

Michael Klor-Berchtold befindet sich zu einem Zeitpunkt im Iran, in dem die internationalen Sanktionen die Wirtschaft des Landes in den Abgrund treiben, Millionen von Menschen gegen die politische Haltung des Islamischen Regimes sind und viele Beobachter soziale Unruhen kommen sehen.

Vielleicht misstrauen die Linientreuen dem Botschafter deshalb. Sie fürchten, dass er wie ein zweiter Waßmuß dem Widerstand zum Sturz des Regimes verhelfen könnte.

Der deutsche Botschafter selbst ist der Meinung, dass die Diplomatie im Dienste des Menschen stehen solle. Er gehe der Frage nach, ob die Menschen noch an Diplomatie glauben oder ihre Hoffnung auf ein friedliches Miteinander bereits verloren haben. In einem Interview erklärte Michael Klor-Berchtold, dass er sich durch Kontakt zu einfachen Menschen und durch seine Reisen durch das Land ein realistischeres und präziseres Bild des Iran und der Iraner verschaffen könne – das „bunten und fulminanten Mosaiks“, wie er es selbst beschreibt. „Die Menschen im Iran glauben daran, dass Deutschland nie eine heimliche Politik betrieben hat, und beide Seiten vertrauen sich“, fasst er seine Sicht in einem anderen Interview zusammen.♦

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