„Weder Krieg noch Verhandlungen“ – und doch im Krieg gestorben

„So sprach Gott der Allmächtige. Es war meine Sprache, es war das Wort Gottes.“ Dies waren die Worte von Seyyed Ali Khamenei vor genau zwei Jahren. Seine Wahnvorstellung über seine Macht kostete ihn schließlich das Leben. Jetzt ist diese Gottesstimme, die eine neue islamische Zivilisation schaffen wollte, verstummt. In seiner 37-jährigen Herrschaft ließ Khamenei sich oft bejubeln. Nun ist die Mehrheit der Iraner froh, dass er nicht mehr da ist und viele jubeln auf den Straßen über seinen Tod.

In der Provinz Fars rief ein junger Mann: „Träume ich? Hallo, neue Welt!“ Für viele Iraner symbolisiert Khameneis Tod den Beginn einer neuen Ära; einer Ära, in der sich das Fenster für eine bessere Zukunft öffnen könnte. Doch gewiss ist das nicht. Seine Ideologie, sein krankhafter Israelhass, für den er in den fast vier Dekaden seiner Herrschaft alle Ressourcen des Landes einsetzte, wirkt offenbar. Die Hoffnung, dass mit seinem Verschwinden auch seine Zerstörungspolitik ein Ende findet, bleibt zunächst Wunschdenken. 

In seiner letzten Ansprache bezeichnete Khamenei die Demonstranten als „amerikanische Infanterie“ und „ausgebildete Terroristen“. Damit rechtfertigte er die Tötung von Zigtausend Menschen durch seine Sicherheitskräfte. Er wird Generationen lang als einer der brutalsten Herrscher der iranischen Geschichte in Erinnerung bleiben, der alle Versuche verhindert hat, die seiner Republik ein menschliches Antlitz verleihen wollten. Khamenei propagierte seine islamische Zivilisation, und am Ende hatte die Mehrheit der Iraner den Islam satt.

Indirekt wurde er in den offiziellen Medien als نظام , die Ordnung, tituliert. Er verkörperte das gesamte System, und jene, die nun in seinem Namen die Geschicke seiner „Republik“ in ihrer Hand haben, wollen offenbar seinen Weg fortsetzen – jedenfalls nach allem, was sie in den ersten Stunden nach seinem Tod sagen beziehungsweise tun. Und dies bedeutet nicht nur die Fortsetzung des Kriegs und der Zerstörung. Sie gefährden den Bestand des Iran als ein Land mit zahlreichen Ethnien.

Ali Khamenei lebte in eigenen Welt von Illusionen, einer Wahnvorstellung. Er überschätzte seine Macht und Möglichkeiten. Seine Fehleinschätzungen, sei es über sein Atomprogramm oder seine Stellvertretermilizen, wurden letztlich zu seinem Verhängnis. „Weder Krieg noch Verhandlungen“ lautete seine Maxime, die er lange durchhielt. Doch am Ende war er gezwungen, zu verhandeln, und fand den Tod in einem selbst verschuldeten Krieg.

Die Iraner werden Jahrzehnte brauchen, um wieder in einer gewissen Normalität leben zu können. Doch die territoriale Integrität ihres Landes ist gefährdeter denn je.