Iran als persönlicher Prüfstein für Trumps Machtverständnis

„Regime Change – Inside the Imperial Presidency of Donald Trump“ heißt ein Ende Juni erschienenes Buch der beiden New York Times- Journalist*innen Maggie Haberman und Jonathan Swan. Reza Sabati fasst im Juni 2026. auf der Webseite von BBC Persian die Iran betreffenden Passagen des Buches zusammen. Demnach zeigt sich Trumps Regierungsstil nach Einschätzung der Autor*innen im Fall Irans besonders deutlich: Entscheidungen von großer Tragweite würden stark von persönlichen Einschätzungen, Loyalitäten und Rivalitäten sowie von Trumps Selbstbild geprägt. Das Iran Journal fasst Sabatis Beitrag hier zusammen. 

Iran als persönliches Feindbild

Haberman und Swan zufolge unterscheide sich Trumps Blick auf die Islamische Republik von dem auf viele andere außenpolitische Themen, schreibt der Journalist Reza Sabeti in seinem Beitrag für BBC Persian. Eine zentrale Rolle dabei spiele nach ihrer Auffassung die Tötung von Qassem Soleimani im Januar 2020. Soleimani war Kommandeur der Quds-Einheit der iranischen Revolutionsgarden und galt als einer der wichtigsten Architekten der iranischen Regionalpolitik. Er wurde bei einem US-Drohnenangriff in Bagdad getötet, den Trump in seiner ersten Amtszeit angeordnet hatte.

Nach diesem Angriff hätten US-Behörden mögliche iranische Drohungen gegen Trump und frühere Regierungsmitglieder verfolgt. Besonders verschärft habe sich Trumps Haltung im Wahlkampf 2024, als US-Stellen Iran Pläne für ein Attentat auf ihn zugeschrieben hätten. BBC Persian betont dabei, dass die geschilderten Details aus dem Buch stammten und nicht alle unabhängig bestätigt werden könnten.

Sabeti verweist außerdem auf den Fall Asif Merchants, eines pakistanischen Staatsbürgers, dem Verbindungen zur iranischen Revolutionsgarde vorgeworfen wurden. Der Fall wurde ungefähr zur selben Zeit öffentlich wie das Attentat auf Trump in Butler im US-Bundesstaat Pennsylvania. Bei diesem Angriff während einer Wahlkampfveranstaltung wurde Trump verletzt. US-Behörden erklärten später, der Täter habe keine Verbindung zu Iran gehabt. Nach der Darstellung im Buch hat die zeitliche Nähe und der Verdacht gegen Iran im Umfeld Trumps beide Ereignisse dennoch miteinander verbunden.

Wenige Wochen später soll Trump bei einem Treffen mit Israels Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu in Mar-a-Lago signalisiert haben, im Fall einer Rückkehr ins Weiße Haus eine härtere militärische Linie gegenüber Iran verfolgen zu wollen.

Der Kampf um die Deutung des Krieges

Buchcover: „Regime Change – Inside the Imperial Presidency of Donald Trump“Nach der US-Operation „Midnight Hammer“ gegen iranische Nuklearanlagen im Juni 2025 habe Trump laut Haberman und Swan darauf bestanden, den Angriff als vollständige Zerstörung des iranischen Atomprogramms darzustellen, schreibt Sabati. Bei „Midnight Hammer“ handelte es sich um einen amerikanischen Militärschlag gegen iranische Atomanlagen in der Endphase des sogenannten zwölftägigen Krieges, der militärischen Konfrontation zwischen Israel und Iran im Juni 2025, in deren Verlauf Israel iranische Ziele angriff und die USA später ebenfalls militärisch eingriffen. 

Dabei  soll es dem US-Präsidenten nicht nur um eine militärische Bewertung gegangen sein. Vielmehr habe er kontrollieren wollen, wie der Angriff politisch und historisch verstanden wird, so Sabeti. Die Autor*innen beschrieben dies als Beispiel dafür, dass Trump technische Einschätzungen weniger wichtig gewesen seien als die Durchsetzung einer klaren Botschaft: Der Angriff sollte als eindeutiger Sieg erscheinen.

Im Buch werden auch die Spannungen mit Vizepräsident J. D. Vance beschrieben. Dieser habe eine vorsichtigere Sprache bevorzugt und auf noch ausstehende geheimdienstliche Bewertungen verwiesen. Trump habe dagegen auf einer einheitlichen Formulierung bestanden und erwartet, dass Regierungsvertreter seine Wortwahl übernehmen.

Zu Beginn des zwölftägigen Krieges zwischen Iran und Israel habe Trump zunächst versucht habe, Distanz zu den israelischen Angriffen zu wahren. Nachdem die ersten Angriffe jedoch als erfolgreich wahrgenommen worden seien, habe Trump seine Rolle zunehmend stärker betont. Die Autoren des Buches deuten dies Sabeti zufolge als Teil eines Musters: Sobald Trump ein Ereignis als historischen Erfolg begreife, wolle er nicht nur Beobachter sein, sondern im Zentrum der Erzählung stehen.

Warnungen, Zweifel — und Trumps Entscheidung

Im letzten Teil der Iran-Passagen geht es laut Sabeti um eine vertrauliche Sitzung im Situation Room des Weißen Hauses am 11. Februar 2026. Netanjahu und sein Team hätten dort eine optimistische Einschätzung der Folgen eines erneuten Angriffs auf Iran präsentiert. Sie hätten argumentiert, Iran sei verwundbar, seine Raketenfähigkeit könne stark geschwächt werden, eine Blockade der Straße von Hormus sei unwahrscheinlich und innere Unzufriedenheit könne politische Veränderungen begünstigen.

Die Straße von Hormus ist eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt, weil ein erheblicher Teil der globalen Öltransporte durch diese Meerenge zwischen Iran und der Arabischen Halbinsel führt. Eine Eskalation dort hätte daher nicht nur militärische, sondern auch erhebliche wirtschaftliche Folgen.

CIA-Direktor John Ratcliffe habe Trump vor mehreren möglichen Folgen eines Militärschlags gewarnt, so die Buchautor*innen Swan und Haberman. Als besonders wahrscheinliches und gefährliches Szenario soll ein Machtgewinn harter Kräfte innerhalb der Revolutionsgarden genannt worden sein, während ein Volksaufstand mit einem Sturz des Systems als am wenigsten wahrscheinlich gegolten habe.

Trotz dieser Warnungen habe Trump weiter Sympathie für einen Angriff gezeigt. Das Buch beschreibt ihn demnach Sabeti zufolge als überzeugt, dass Iran schwächer sei, als die Geheimdienste annahmen. Irans begrenzte Reaktion auf frühere Angriffe habe diese Wahrnehmung offenbar verstärkt. Für Trump sei die Aussicht attraktiv gewesen, als der Präsident in die Geschichte einzugehen, der nach mehr als vier Jahrzehnten die Voraussetzungen für einen Regierungswechsel in Iran geschaffen habe.

Seit März dieses Jahres berichten internationale Medien immer wieder, dass es vor der Entscheidung zum Angriff weitere Warnungen aus dem militärischen und politischen Umfeld gegeben habe: vor Munitionsengpässen, möglichen amerikanischen Verlusten, iranischen Reaktionen in der Straße von Hormus und politischen Schäden für Trumps eigene Anhängerschaft. In einer Sitzung am 26. Februar 2026 habe auch J. D. Vance Bedenken erkennen lassen, Trump aber seine Unterstützung zugesagt, falls dieser sich für den Angriff entscheide.

Am Ende soll die Entscheidung vor allem auf Grundlage von Trumps persönlicher Einschätzung gefallen sein. Er habe den Angriff für notwendig gehalten, um Iran am Bau einer Atomwaffe zu hindern und die Raketenfähigkeit der Islamischen Republik zu brechen. Für Haberman und Swan steht diese Episode exemplarisch für die Machtkonzentration in Trumps zweiter Amtszeit: Trotz geheimdienstlicher Warnungen, militärischer Zweifel und politischer Risiken habe sich Trump letztlich auf sein eigenes Urteil, seine Wahrnehmung iranischer Schwäche und seine Vorstellung historischer Stärke gestützt.

Übertragen aus dem Persischen und überarbeitet von Farhad Fatemi

Artikelbild: KI-generiert