Lebensmittelkosten verschlingen bis zu 85 Prozent der Arbeitereinkommen

Die stark gestiegenen Lebensmittelpreise in Iran setzen Haushalte zunehmend unter Druck. Einer am 18. April veröffentlichten Analyse des Wirtschaftsmagazins Donya-ye Eqtesad zufolge belaufen sich die Kosten für den Warenkorb an Grundnahrungsmitteln inzwischen auf rund 85 Prozent des Mindesteinkommens eines verheirateten Arbeiters mit zwei Kindern.

Die am 18. April veröffentlichte Auswertung basiert auf Daten aus Online-Einzelhandelsplattformen. Demnach sind die durchschnittlichen Preise für Lebensmittel in den vergangenen vier Monaten um 68 Prozent gestiegen. Demgegenüber belaufen sich die monatlichen Einnahmen des Vergleichshaushalts laut Berechnung auf rund 29,6 Millionen Toman (etwa 163 Euro), während der Standard-Warenkorb für eine vierköpfige Familie bereits 25,2 Millionen Toman (etwa 140 Euro) kostet.

Existenzminimum unter Druck

Damit bleibt für Ausgaben wie Miete, Bildung oder Gesundheitsversorgung kaum Spielraum. Viele Familien sind gezwungen, Lebensmittel aus ihrem Warenkorb zu streichen. Besonders betroffen sind Grundnahrungsmittel wie Fleisch, Reis, Hülsenfrüchte, Zucker und Öl, die zusammen bereits den Großteil des Einkommens beanspruchen.

Einige Produkte verzeichneten besonders drastische Preissteigerungen. So verteuerte sich Sonnenblumenöl vom November 2025 auf März 2026 um 366 Prozent, Hühnerfleisch um 75 Prozent, Rindfleisch um 68 Prozent, Käse um 51 Prozent. Geringere, aber dennoch deutliche Preiszuwächse gab es bei Nudeln um 24 Prozent, Reis um 31 Prozent und Hülsenfrüchten um 37 Prozent. 

Krieg, Internet-Ausfall und wirtschaftlicher Stillstand

Die wirtschaftliche Lage hat sich durch den Krieg der USA und Israels gegen Iran weiter verschärft. Rund 50 Tage nach Beginn der Angriffe ist der Internetzugang für große Teile der Bevölkerung trotz der Waffenruhe weiterhin massiv eingeschränkt. Viele Online-Geschäfte bleiben geschlossen.

Zudem wurden zahlreiche Industrieanlagen und Infrastrukturen beschädigt oder zerstört, wodurch viele Beschäftigte ihre Einkommensquelle verloren haben.

Hohe Inflation bereits vor Kriegsbeginn

Bereits vor Beginn der militärischen Auseinandersetzungen hatte sich die Inflation stark beschleunigt. Nach Angaben des Statistischen Amt Irans lag der Verbraucherpreisindex im Februar 2026 bei 513,6 Punkten. Haushalte mussten im Jahresvergleich durchschnittlich 68,1 Prozent mehr ausgeben.

Die monatliche Inflation betrug 9,4 Prozent, die jährliche Inflationsrate 47,5 Prozent. Diese Zahlen wurden kurz vor Beginn des Krieges veröffentlicht – zu einem Zeitpunkt, als bereits neue Proteste, ausgelöst durch die wirtschaftliche Krise, das Land erschütterten.