Iran richtet zwei weitere Protestteilnehmer aus Isfahan hin

Alireza Sepahi stand im Juli schon am Galgen. Damals brach er vor der Hinrichtung zusammen. Nun wurde das Todesurteil vollstreckt.

Die Islamische Republik Iran hat am Montagmorgen zwei Männer hingerichtet, die bei den Protesten im Januar festgenommen worden waren. Alireza Sepahi und Alireza Raisi wurden im Zentralgefängnis Dastgerd in Isfahan erhängt. Das bestätigten die Justiz sowie die Menschenrechtsorganisationen Hengaw und HRANA. Beide Männer waren Anfang 20.

Sie gehörten zu den Angeklagten im sogenannten Fall „Ali-Khani-Platz“. Dort war es am 8. Januar zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften gekommen. Staatliche Medien berichten von vier getöteten Angehörigen der Sicherheitskräfte. Menschenrechtsorganisationen werfen den Einsatzkräften vor, direkt auf Demonstranten geschossen zu haben. Zwölf Angeklagte wurden zum Tode verurteilt, sieben von ihnen sind inzwischen hingerichtet worden.

Die Justiz warf Sepahi und Raisi unter anderem Mitgliedschaft in einer bewaffneten Aufstandsgruppe, „Krieg gegen Gott“ und „Verderben auf Erden“ vor. Das Oberste Gericht habe die Urteile bestätigt, meldete die Justiznachrichtenagentur Mizan.

Sepahi sollte bereits in der Nacht zum 28. Juli hingerichtet werden. Auf dem Ali-Khani-Platz war die öffentliche Hinrichtung von drei Männern vorbereitet worden. Nach Angaben der UN-Sonderberichterstatterin Mai Sato versammelten sich Hunderte Menschen, um die Exekutionen zu verhindern, und blieben bis zum Morgengrauen.

Zwei der Männer, Abolfazl Sepahi Badjani und Amirhossein Safari, wurden dennoch öffentlich hingerichtet. Alireza Sepahi brach vor seiner Überführung zusammen. Berichten zufolge erlitt er einen Herzinfarkt oder Schlaganfall, wurde ins Krankenhaus gebracht und anschließend in die Haft zurückgebracht.

Sato schrieb nach seiner nun erfolgten Hinrichtung, Sepahi sei damals „nicht hingerichtet, aber keineswegs gerettet“ worden. Öffentliche Hinrichtungen machten den Tod zum Spektakel und setzten die gesamte Gesellschaft staatlicher Gewalt aus.

Nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen hatte das Oberste Gericht eine Wiederaufnahme des Verfahrens zugelassen. Ein anderer Zweig des Revolutionsgerichts in Isfahan habe den Antrag jedoch ohne Anhörung abgelehnt, erklärte Sepahis Anwältin. Sie wollte weitere rechtliche Schritte einleiten.

Sepahi und weitere Angeklagte sollen während und nach ihrer Festnahme schwer misshandelt worden sein. Berichten zufolge wurde auch seine Mutter vor seinen Augen gefoltert. Diese Angaben lassen sich unabhängig nicht überprüfen; die Behörden äußerten sich dazu bislang nicht öffentlich.

In der Nacht vor seiner Hinrichtung heiratete Sepahi laut der Organisation Hana im Gefängnis die ebenfalls inhaftierte Mahshad Kashani. Sie war im selben Verfahren zu fünf Jahren Haft verurteilt worden.

Weitere Angeklagte im Fall „Ali-Khani-Platz“ sind nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen weiterhin von der Hinrichtung bedroht.