Iran richtet weiteren Januar-Protestierenden hin
Die iranische Justiz hat die Hinrichtung eines weiteren Teilnehmers der Proteste im Januar 2026 bestätigt. Wie die zur Justiz gehörende Nachrichtenagentur Mizan berichtete, wurde Amirali Mirjafari am Dienstagmorgen, dem 21. April, hingerichtet. Er war im Zuge der landesweiten Proteste festgenommen worden.
Nach Angaben der Justiz wurde Mirjafari unter anderem beschuldigt, eine Moschee im Teheraner Stadtteil Qolhak in Brand gesetzt zu haben. Zudem soll er nach den Angaben der Justiz eine „führende Rolle bei sicherheitsgefährdenden Aktivitäten eines mit dem Mossad verbundenen Netzwerks“ gespielt haben. Die Behörde erklärte, das Todesurteil sei nach einem „ordnungsgemäßen Verfahren“ und der Bestätigung durch den Obersten Gerichtshof vollstreckt worden.
Unklar bleiben zentrale Aspekte des Verfahrens. Weder zu Zeitpunkt und Ablauf der Gerichtsverhandlung noch zum Zugang des Angeklagten zu einem Anwalt wurden Informationen veröffentlicht. Auch das genaue Alter Mirjafaris ist nicht bekannt.
Mizan berichtete zudem, Mirjafari habe gestanden, Müllcontainer und ein Motorrad angezündet sowie Sicherheitskräfte angegriffen zu haben. Ein Geständnis zur angeblichen Brandstiftung an der Moschee wird in dem Bericht hingegen nicht erwähnt.
Zunahme der Hinrichtungen
In den vergangenen Wochen hat die iranische Justiz die Vollstreckung von Hinrichtungen von im Zusammenhang mit den Januar-Protesten festgenommenen Personen deutlich beschleunigt. Nach offiziellen Angaben wurden seit Anfang März mehr als zehn Menschen hingerichtet.
Die UN-Sonderberichterstatterin für die Menschenrechtslage im Iran, Mai Sato, hatte zuvor erklärt, die jüngsten Hinrichtungen seien „Teil eines langjährigen Musters“, bei dem die Todesstrafe zur Unterdrückung abweichender Meinungen eingesetzt werde.
Auch die Menschenrechtsorganisation Iran Human Rights warnte vor einer neuen Welle von Exekutionen und äußerte „ernste Sorge über mögliche Massenhinrichtungen von Demonstrierenden und politischen Gefangenen im Schatten des Krieges“.
Bereits vor Beginn der Proteste und insbesondere nach dem 12-Tage-Krieg im Sommer 2025 hatte sich die Zahl der Hinrichtungen im Land erhöht. Menschenrechtsorganisationen befürchten, dass die tatsächliche Dimension der Anzahl von Exekutionen aufgrund eingeschränkten Internetzugangs und strenger staatlicher Zensur schwer zu erfassen ist.
