Prozess in London: 19-Jähriger sollte für iranisches Netzwerk einen Auftragsmord begehen
Ein Geschworenengericht am Central Criminal Court in London hat den 19-jährigen Norweger Johannes Kongsnes Natland am Mittwoch wegen Verschwörung zum Mord schuldig gesprochen. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft sollte er im Auftrag eines international agierenden Verbrechernetzwerks, das bereits mehrfach von iranischen Sicherheitsorganen für Anschläge genutzt worden sein soll, eine bislang unbekannte Zielperson erschießen. Der Fall gilt als weiteres Beispiel dafür, wie Teheran nach Einschätzung westlicher Sicherheitsbehörden organisierte Kriminalität für Operationen im Ausland nutzt.
Natland war im März 2025 nach Großbritannien gereist, um nach eigenen Angaben für 25.000 Euro den Auftragsmord zu verüben. Bereits zwei Tage nach seiner Ankunft wurde er in einem Hotel im nordenglischen Huddersfield festgenommen. Die Polizei stellte dort zwei Schusswaffen und Munition sicher.
Ermittlungen der Metropolitan Police zufolge war Natland vom schwedischen Verbrechernetzwerk „Foxtrot“ rekrutiert worden. Dessen Anführer, der international wegen schweren Drogenhandels gesuchte Rawa Majid, soll enge Verbindungen zur iranischen Führung unterhalten. Recherchen des schwedischen Fernsehsenders SVT schreiben dem Netzwerk in den vergangenen drei Jahren rund 30 Tötungsdelikte zu, darunter mindestens 16 Fälle, bei denen Unbeteiligte getötet wurden. Nach Einschätzung des schwedischen Inlandsgeheimdienstes SAPO setzt die Islamische Republik solche kriminellen Strukturen gezielt ein, um israelische und jüdische Einrichtungen sowie iranische Regimegegner in Europa anzugreifen.
Laut Anklage war Natland von einem inzwischen ebenfalls verurteilten 17-Jährigen angeworben worden. Gegen einen weiteren, heute 16-jährigen mutmaßlichen Beteiligten läuft in Norwegen noch ein Verfahren. Kurz vor seiner Festnahme schrieb Natland seiner Freundin von einer „verrückten Mission“ und schickte ihr ein Selfie mit einer Schusswaffe.
Großbritannien belegte das Foxtrot-Netzwerk und Rawa Majid bereits im vergangenen Jahr mit Sanktionen. Die britische Regierung wirft der Gruppe vor, im Auftrag Teherans an Anschlagsplänen gegen israelische und jüdische Ziele in Europa beteiligt gewesen zu sein.
Der Londoner Prozess reiht sich in eine Serie ähnlicher Fälle ein. Erst im Januar verurteilte ein US-Gericht den Auftragsmörder Carlyle Rivera zu 15 Jahren Haft, weil er an einem von der iranischen Führung beauftragten Mordkomplott gegen die iranisch-amerikanische Journalistin Masih Alinejad beteiligt gewesen war. Nach Angaben der US-Justiz war der Anschlag von hochrangigen Offizieren der Revolutionsgarden angeordnet worden.
Bereits im Mai 2024 hatte der schwedische Inlandsgeheimdienst SAPO öffentlich erklärt, die Islamische Republik setze kriminelle Banden als Stellvertreter ein, um in Europa gegen israelische Interessen sowie gegen iranische Oppositionelle vorzugehen. Sicherheitsbehörden in mehreren westlichen Staaten sehen darin inzwischen ein wiederkehrendes Muster iranischer Auslandsoperationen. Das Urteil gegen Natland soll im Oktober verkündet werden. (yk)
(Artikelfoto: KI-generiert)
