Schriftliche Botschaft statt traditioneller Ansprache zu Khomeinis Todestag
Zum ersten Mal seit 36 Jahren wurde am diesjährigen Jahrestag des Todes von Revolutionsführer Ayatollah Ruhollah Khomeini keine Rede vom amtierenden iranischen Staatsoberhaupt gehalten. Stattdessen wurde bei der Gedenkveranstaltung am 4. Juni lediglich eine schriftliche Botschaft des neuen iranischen Führers Mojtaba Khamenei verlesen. Vorgetragen wurde sie vom Teheraner Freitagsimam Mohammad Javad Haj Ali Akbari.
In seiner Botschaft erklärte Mojtaba Khamenei, die USA und Israel hätten im Krieg gegen Iran eine Niederlage erlitten und einen „entscheidenden Schlag“ hinnehmen müssen. Die Gegner der Islamischen Republik würden nun eine „bedeutungsvolle und tiefe Demütigung“ erleben.
Diese Äußerungen fallen in eine Phase, in der sowohl die Zukunft der Verhandlungen zwischen Iran und den USA als auch die Folgen des jüngsten Krieges weiterhin unklar sind. US-Präsident Donald Trump erklärte erneut, die Gespräche verliefen aus seiner Sicht sehr gut. Irans Außenminister Abbas Araghchi hatte hingegen am Mittwoch betont, dass bislang „keine greifbaren Fortschritte“ bei den Verhandlungen zur Beendigung des Konflikts im Nahen Osten erzielt worden seien.
In der Botschaft erklärte Mojtaba Khamenei weiter, das wichtigste Instrument des „Feindes“ sei die Schaffung von Misstrauen und Spaltung innerhalb der Gesellschaft. Er rief die Bevölkerung dazu auf, durch Standhaftigkeit, Einheit und gegenseitiges Vertrauen die Pläne der Gegner Irans zu vereiteln. Jede Handlung, die zu Enttäuschung oder Misstrauen in der Bevölkerung führe, komme einer Unterstützung der Feinde des Landes gleich.
Mojtaba Khamenei wurde nach dem Tod seines Vaters Ali Khamenei zum neuen Oberhaupt der Islamischen Republik ernannt. Dieser war am 28. Februar bei einem amerikanisch-israelischen Angriff auf seine Residenz im Zentrum Teherans getötet worden.
Seit seiner Ernennung ist Mojtaba Khamenei nicht öffentlich aufgetreten. Weder gab es öffentliche Reden noch Audio- oder Videoaufnahmen von ihm. Bislang wurden lediglich mehrere schriftliche Botschaften zu verschiedenen Anlässen veröffentlicht.
Die diesjährige Gedenkveranstaltung unterschied sich deutlich von den Zeremonien der vergangenen Jahrzehnte. Der Jahrestag des Todes von Ruhollah Khomeini zählt traditionell zu den wichtigsten politischen Veranstaltungen der Islamischen Republik. In den vergangenen Jahren nahmen regelmäßig Hunderte ausländische Gäste daran teil. Bereits im Vorfeld war in diesem Jahr jedoch bekanntgegeben worden, dass keine internationalen Delegationen eingeladen würden.
Von den Spitzen der drei Staatsgewalten nahm lediglich Justizchef Gholamhossein Mohseni-Ejei an der Veranstaltung teil. Präsident Masoud Pezeshkian und Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf blieben der Zeremonie fern.
Anwesend war dagegen Hassan Khomeini, der einflussreichste Enkel des Gründers der Islamischen Republik. Anders als in den Vorjahren hielt auch er jedoch keine Rede. Neben ihm nahmen weitere Enkel Khomeinis, zwei Vizepräsidenten sowie einige Kommandeure der Revolutionsgarden an der Veranstaltung teil.
