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Heilig, steuerfrei und konkurrenzlos –
Die Radikalen bemächtigen sich eines Wirtschaftsimperiums

  Die „heilige“ Razavi-Stiftung ist das mächtige Unternehmenskonglomerat des Iran. Ihm gehören im und außerhalb des Landes Banken, Fabriken, Firmen, Hotels, Shopping Malls, Museen, Bibliotheken und Universitäten. Vor zwei Wochen übernahm Ibrahim Raisi, einer der radikalsten Wortführer der Hardliner, die Führung dieses Wirtschaftsimperiums. Was das für den Machtkampf zwischen den moderaten Kräften um den Präsidenten und den Erzkonservativen um den Revolutionsführer bedeutet, beschreibt Ali Sadrzadeh. mehr »

„Von Hühnermilch bis Menschenleben“ – mit diesem persischen Sprichwort beschreibt der Volksmund die Bandbreite der Angebote der Stiftung. Das ist zwar imaginär, sagt aber trotzdem viel über das aus, was die heilige Einrichtung im Iran und in der Region tut. „Sie war einst eine karitative religiöse Institution, die Spenden und Opfergaben von Gläubigen sammelte. Doch heute ist sie so mächtig, dass keine Firma, keine Person, nicht einmal eine Regierung ihr widerstehen kann“, sagt Hamid Mafi, einer der besten Kenner der Stiftung, der eine ausführliche Studie über sie erstellt hat.

Wanderer zwischen den Flügeln

Mit der eigenartigen Totenmesse in Maschhad wurde nicht nur Tabassi zu Grabe getragen, sondern auch seine politische Gratwanderung. Denn gestützt auf seine wirtschaftliche Macht konnte der Ayatollah sich Zeit seines Lebens eine gewisse Unabhängigkeit erlauben. Nicht alles machte er mit, was Revolutionsführer Khamenei sich wünschte. Seine Freundschaft mit dem einst mächtigen und heute weitgehend entmachteten Ayatollah Rafsandjani stellte Tabassi demonstrativ zur Schau. Das mochte Khamenei nicht gefallen, doch immer, wenn sich Rafsandjani nach Maschad begab, wurde er dort vom „Imperator“ herzlich empfangen. Nun sind mit Tabassi auch die Zeiten solcher Uneindeutigkeiten beerdigt worden. Nicht einmal bei der Trauerfeier seines Freundes durfte Rafsandjani dabei sein.

Der gnadenlose Richter

Ali Khamenei und sein Vertrauter Ibrahim Raissi

Ali Khamenei und sein Vertrauter Ibrahim Raissi

Der Leichnam Tabassis war nur wenige Stunden unter der Erde, da bestimmte Khamenei Ibrahim Raissi zum neuen Leiter der Razavi-Stiftung. Der 56-jährige Geistliche ist Generalstaatsanwalt des Landes und gehört zu den engsten Vertrauten des Revolutionsführers. Als Khomeini vor 37 Jahren die Islamische Republik ins Leben rief, war Raissi gerade 18 Jahre alt. Trotzdem gehörte er schon in den Stunden der Revolution den Revolutionsgerichten an. Schnell stieg er in der neu geschaffenen Justiz auf; mit nur 20 Jahren war er Staatsanwalt in der Millionenstadt Karadj und zugleich Sonderstaatsanwalt für jene Großstädte, in denen es politische Unruhen gab.

Er ist auch Chefankläger beim so genannten „Gericht der Geistlichkeit“. Denn die Mullahs besitzen im Iran ihre eigene Justiz: Ein normales Gericht kann und darf sich nicht anmaßen, einen Geistlichen anzuklagen. Raissi gehörte 1988, gerade 26 Jahre alt, einem Triumvirat an, das binnen weniger Wochen annähernd 5.000 politische Gefangene zum Tode verurteilte. Als einer der mächtigsten Männer der Justiz hat er stets makabere Strafen wie Steinigung für Ehebrecher oder Verstümmelung nach dem Grundsatz Auge um Auge, Zahn um Zahn verteidigt.

2008, als es im Laufe der „Grünen Bewegung“ glaubhafte Berichte und Zeugen dafür gab, dass Verhaftete im Gefängnis vergewaltigt worden waren, wurde Raissi vom Revolutionsführer zum Untersuchungsrichter für diese Vorfälle ernannt. Das Ergebnis seiner Untersuchung, die Raissi bereits nach zwei Tagen vorlegte, war eine Klage gegen den damals unterlegenen Präsidentschaftskandidaten Mehdi Karroubi, weil er solche Gerüchte in die Welt gesetzt hätte.

Harte Zeiten für Rouhani

Raissi stand fest an der Seite Ahmadinedschads, und heute vergeht kaum eine Woche, in der er sich nicht mit Kritik an Rouhanis Regierung zu Wort meldet. Neben seinen mächtigen Posten in der Justiz steht ihm nun ein weit vernetzter Konzern zur Verfügung – steuerfrei, heilig und konkurrenzlos. Raissi sitzt außerdem im so genannten Expertenrat, jenem Gremium, das im Falle des Falles den künftigen Revolutionsführer bestimmt. Zudem ist er Mitglied des Direktoriums der „kämpfenden Geistlichkeit“, einer Organisation, der all jene Mullahs angehören, die ohne Wenn und Aber hinter Revolutionsführer Khamenei stehen. Was er mit dieser Machtfülle innen- und außenpolitisch anstellen wird, darüber spekulieren seit zwei Wochen viele Experten.

Über eines sind sich dabei alle einig: Rouhani wird sich künftig noch mehr in Acht nehmen müssen.

  ALI SADRZADEH

Quellen:

www.dw.com/p/1I8t8

www.aryanews.com/News.aspx?code=20160308114232611&svc=11

de.wikipedia.org/wiki/Imam-Reza-Schrein

de.wikipedia.org/wiki/%CA%BFAl%C4%AB_ibn_M%C5%ABs%C4%81_ar-Rid%C4%81

globe.aqr.ir/de

www.bbc.com/persian/iran/2016/03/160306_l26_l45_astan_ghods_razavi_chart_business_activities

www.khabaronline.ir/detail/517757/weblog/jafarian

www.bbc.com/persian/iran/2016/03/160307_l51_raissi_astan_qods_appointment

www.darsahn.org/1394/05/profile-khobregan-ebrahim-reaisi/

www.bbc.com/persian/iran/2016/03/160307_ebrahim_raissi_astan_qods_profihhhhhle

news.gooya.com/politics/archives/2016/03/209494.php

www.radiozamaneh.com/202027

www.bbc.com/persian/iran/2016/03/160306_l26_l45_astan_ghods_razavi_chart_business_

ir.voanews.com/media/video/last_page/3136925.html?z=0&zp=1

www.radiozamaneh.com/20202

www.radiofarda.com/content/f35_raeisi_astan_qods_chairman_afshari/27607296.html


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