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Iran - USADer vierte November – ein Gottestag

Für die Bekanntgabe der neuen Sanktionen gegen den Iran hat sich US-Präsident Donald Trump einen symbolträchtigen Tag ausgesucht. Der 4. November ist der Jahrestag der Besetzung der US-Botschaft in Teheran vor fast 40 Jahren. In diesem Jahr soll der Tag der Beginn einer neuen Strategie gegen den Iran sein. Im neuen kalten Krieg nimmt der Gottesstaat den Platz der untergegangenen Sowjetunion ein. Doch auch die Mächtigen in Teheran haben ihre Strategie. mehr »

Von Ali Sadrzadeh

Wie kann ein Staat den „Schwarzhandel“ effektiv organisieren? Eine merkwürdige Frage, möchte man meinen: Der Staat ist doch gerade dafür da, Schmuggel und Schieberei zu bekämpfen – nicht zu organisieren.

Abnorme Zeiten

Aber der Einwand ist nur im Prinzip richtig, denn es gibt Ausnahmen und Sonderfälle. Ein Staat, der Schwarzhandel bekämpfen will, muss selbst ein halbwegs normaler Staat sein; außerdem muss die Zeit, in der er agiert, ebenfalls eine normale, will heißen, eine Friedenszeit sein. Und genau diese Ausnahmen sind es, die uns zum Iran und zu seinem Erdöl führen.

Die Islamische Republik Iran ist kein normaler Staat. Sie ist jedenfalls keine Republik im herkömmlichen Sinne. Und dieser besondere Staat befindet sich zur Zeit in einer Art Kriegszustand. Deshalb sieht er sich gezwungen, Schwarzhandel zu betreiben, anstatt ihn bekämpfen. Denn der „Gottesstaat“ sucht in diesen sonderbaren Zeiten dringend Wege und Methoden, um dem Präsidenten der Vereinigten Staaten, Donald Trump, ein Schnippchen zu schlagen. Und er glaubt, fündig geworden zu sein.

„Schmerzhafte Sanktionen“

Trump will am 4. November eine neue Sanktionsrunde gegen den Iran ankündigen. „Schmerzhafte Sanktionen“ würden das sein, wiederholt Trump, seit er an der Macht ist. So will er etwa die Bankverbindungen des Iran zur Außenwelt kappen, den Verkauf bestimmter Güter an den Iran verbieten und den Kauf iranischen Erdöls unter Strafe stellen.

Doch die Machthaber in Teheran haben sich einiges einfallen lassen, um ihr wichtigstes Exportgut weiterhin an den Kunden bringen zu können.

Infolge der internationalen Sanktionen ist die iranische Erdölindustrie veraltet

Infolge der internationalen Sanktionen ist die iranische Erdölindustrie veraltet

 

Die merkwürdigste Börse der Welt

Mitte Oktober eröffnete der iranische Vizepräsident Ishagh Jahangiri in Teheran eine Börse, die in ihrer Art einmalig in der Welt sein dürfte. Sie nennt sich Energiebörse. Der Staat tritt dort als Verkäufer auf und bietet Erdöl an: zu verschiffen am Persischen Golf und pro Barrel bis zu fünf Dollar billiger als der Tagespreis auf dem Weltmarkt. Der Käufer bleibt anonym, damit die USA ihn nicht bestrafen können. Er muss allerdings kleine wendige Tankschiffe zur Verfügung haben. Das Schiff wird höchsten 37.000 Tonnen Öl laden und ohne Navigation auf den Weltmeeren unterwegs sein, damit man es nicht orten kann. Der Käufer zahlt im voraus 20 Prozent des Preises in iranischer Währung, den Rest nach dem Weiterverkauf des Öls in US-Dollar oder Euro.

Alles bleibe geheim, verspricht die Regierung: nicht nur der Name des Käufer, sondern auch der des Endabnehmers. Auch wo der Öltanker herkommt und unter welcher Flagge er unterwegs ist, werde nicht verraten. Damit glaubt die Regierung in Teheran einen Weg gefunden zu haben, um mindestens eine Million Barrel Öl pro Tag verkaufen zu können.

 Offene Türen für Korruption

Ein Wagnis mit vielen Ungewissheiten. Ob der Staat durch diesen illegalen Handel tatsächlich den vollen Preis für sein Öl erhält, ist ungewiss. Außerdem sind sich alle Beobachter einig, dass dieser undurchsichtige Weg des Ölverkaufs der Korruption Tür und Tor öffnet.

Denn schon einmal beschritt die Islamische Republik diesen verhängnisvollen Weg. Es war 2008 und Ahmadinedschad Irans Präsident. Auch er musste damals den Erdölverkauf dubiosen Zwischenhändlern überlassen, um internationale Embargos zu umgehen. Das lukrative Erdölgeschäft übernahmen seine Vertrauten. Acht Jahre lang blühte der illegale Handel mit dem schwarzen Gold. Am Ende gab es zahlreiche unglaubliche Korruptionsskandale, über die man Romane schreiben oder Kino-Thriller drehen könnte. Der Chef der Nationalbank setzte sich mit Milliarden nach Kanada ab, eine andere schillernde Figur, einst Fahrer eines wichtigen Funktionärs, wurde über Nacht Multimillionär, er steht derzeit vor Gericht. Man wirft ihm vor, Milliarden Dollar aus dem Ölverkauf unterschlagen zu haben.

Doch trotz oder gerade wegen des „Schwarzhandels“ und der Schiebereien erreichte Ahmadinedschad einen nie dagewesenen Rekord. In den acht Jahren seiner Präsidentschaft verkaufte er Erdöl im Wert von 800 Milliarden Dollar – mehr als alles, was der Iran seit Entdeckung seines Erdöls erzielt hatte.

 Trump hat vorgesorgt
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