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Auto fahren nur ohne Tattoo

Fahrschüler*innen im Iran wundern sich: Wer tätowiert ist, wird vor der Prüfung psychologisch untersucht. Die Behörden werten Tattoos als Selbstverletzungen, die auf eine Fahruntüchtigkeit hindeuten könnten. mehr »

Von Nasrin Bassiri

Trägst Du ein Tattoo? Dann bekommst Du keine Fahrerlaubnis!“ Mit dieser Aussage beschäftigen sich die Aktivist*innen der sozialen Medien im Iran seit Mitte Juli.

Ist Tätowierung denn eine Krankheit? Das fragen sich viele junge Iraner*innen, die einen Führerschein erhalten wollen. In dem neuen Antrag, den sie dafür ausfüllen müssen, stehe nämlich diese Frage, berichtet das iranische Nachrichtenportal „Der Club junger Journalist*innen“.

Ein Tattoo sichtbar zu tragen, lasse sich eben nicht mit einer Fahrerlaubnis vereinbaren, erklärte dazu Anfang August Moslem Mousavipanah, der Schulungsleiter der Teheraner Verkehrspolizei, laut der Nachrichtenagentur ISNA. Es sei nämlich Zeichen einer Selbstverletzung, der vermutlich eine seelische Störung zugrunde liege, die das Fahrverhalten beeinträchtigen könne. Tätowierte Antragsteller*innen würden deshalb zunächst von einem Psychologen begutachtet. Nur wenn diese Untersuchung positiv verlaufe, werde eine Fahrerlaubnis erteilt. Eltern sollten ihrer Aufsichtspflicht nachkommen und verhindern, dass Jugendliche sich tätowieren ließen, so Mousavipanah.

Auch der Chef der Verkehrspolizei in der Provinz Hamadan, Ali Fekri, hatte Anfang August erklärt, dass dort die Handgelenke der Antragsteller*innen kontrolliert würden. Würden dabei Anzeichen von Tattoos oder Selbstverletzungen entdeckt, dürfe die betroffene Person erst dann die Führerscheinprüfung ablegen, wenn eine Klinik ihre Fahrtauglichkeit überprüft und bestätigt hätte.

Die Sportfunktionäre des Iran haben lange Zeit versucht, Sportler mit Tattoos zum Verstecken ihrer Tätowierung zu zwingen - vergeblich! (Foto: iran-varzeshi.com)

Die Sportfunktionäre des Iran haben lange Zeit versucht, Sportler mit Tattoos zum Verstecken ihrer Tätowierung zu zwingen – vergeblich! (Foto: iran-varzeshi.com)

 

Weniger Führerscheine

Dies habe zu einem 50-prozentigen Rückgang der Ausstellung von Führerscheinen in den ersten vier Monaten des Jahres geführt, so der Polizist. Statt 29.000 wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres seien in diesem Jahr erst knapp 14.000 Fahrerlaubnisse bewilligt worden.

Laut einem Vertrauensarzt der Verkehrspolizei, der in Medienberichten zitiert wird, steht die entscheidende Frage nach den Tattoos allerdings nicht auf Formularen für die Antragsteller*innen, sondern lediglich auf Formblättern für die Ärztinnen und Ärzte, die die Fahrschüler*innen auf Fahrtauglichkeit untersuchen sollen. Einen Zusammenhang zur Fahrtüchtigkeit ergebe sich daraus, dass Menschen, die sich Selbstverletzungen zugefügt hätten, diese mit Tattoos zu überdecken versuchten, so die Erklärung des Arztes.

Im vergangenen Winter hatte Mashregh News über Klagen von Fahrschüler*innen berichtet, die nach einer bestandenen Prüfung über zwei Monate auf die Ausstellung ihres Führerscheins warten mussten. Gerüchten zufolge lagen die Gründe dafür in Papierknappheit. Ein Mitarbeiter der Polizei sagte damals allerdings dem Magazin gegenüber, nicht Papiermangel, sondern hohe Druckkosten seien der Grund.

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