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„Staatliche Geiselnahme“ von Angehörigen einer Frauenaktivistin

Laut der als unerbittliche Kämpferin gegen den Schleierzwang im Iran bekannten Frauenrechtsaktivistin Masih Alinejad sind am Dienstag drei ihrer Familienmitglieder im Iran verhaftet worden. Dies bestätigten auch Menschenrechtsorganisationen, darunter Amnesty International.

Masih Alinejad lebt in den USA und ist die Initiatorin zweier Kampagnen gegen den Schleierzwang im Iran – „Heimliche Freiheiten“ und „Weiße Mittwoche“. Sie fanden in den vergangenen Jahren große Zustimmung bei Frauen in der Islamischen Republik. Das Ausmaß der Unterstützung war so groß, dass die iranische Justiz kürzlich damit drohte, Alinejads Anhängerinnen mit bis zu zehn Jahren Haft zu bestrafen.

Wie die Frauenrechtlerin der persischsprachigen Redaktion der Deutschen Welle (DW) mitteilte, haben die iranischen Sicherheitsbehörden ihren Bruder Alireza Alinejad in Teheran und zwei weitere Familienmitglieder in der Stadt Babol als Geisel genommen, um damit sie zum Schweigen zu bringen. Sie werde aber demnächst noch lauter als bisher gegen die islamischen Kleidervorschriften protestieren, kündigte Alinejad an.

„Diese Festnahmen sind ein offensichtlicher Versuch der iranischen Behörden, Masih Alinejad für ihre friedliche Arbeit zur Verteidigung der Rechte von Frauen zu bestrafen“, sagte Philip Luther, Direktor für Forschung und Anwaltschaft von Amnesty International für den Nahen Osten und Nordafrika. Die Angehörigen einer Aktivistin zu verhaften, um diese zum Schweigen zu bringen, sei „ein verabscheuungswürdiger und feiger Schachzug“, so Luther.

Unbestätigten Nachrichten aus dem Iran zufolge soll einer der Verhafteten am Donnerstag freigekommen sein. Wo die Sicherheitsbehörden Alireza Alinejad festhalten, wurde bisher nicht bekannt gegeben.

Seit Monaten haben die iranischen Behörden den Druck auf Frauenrechtlerinnen vehement erhöht. Zuletzt wurden im Juli und August Saba Kord-Afshari zu 24 Jahren, Mojgan Keshavarz zu 23 Jahren und Yasaman Ariani und ihre Mutter Monireh Arabshahi zu je 16 Jahren Haft verurteilt.

Alinejad forderte im Gespräch mit der DW deutsche und europäische PolitikerInnen auf, ihre Beziehungen zu den Machtzentren im Iran für die Verbesserung der Lage der iranischen Frauen zu nutzen. (fp)

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