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Zeitgenössische Kunst – Werke von Mahdyar Jamshidi

  • Mahdyar Jamshidi (1982), ein in Teheran lebender Künstler, hat vor wenigen Jahren ein Projekt begonnen, das sich um den Begriff des Zentrums ansiedelt - ‚I am Here‘. Bezeichnenderweise zielt ‚I am Here‘ nicht darauf, ein abgeschlossenes Werk hervorzubringen.

    Mahdyar Jamshidi (1982), ein in Teheran lebender Künstler, hat vor wenigen Jahren ein Projekt begonnen, das sich um den Begriff des Zentrums ansiedelt - ‚I am Here‘. Bezeichnenderweise zielt ‚I am Here‘ nicht darauf, ein abgeschlossenes Werk hervorzubringen.

  • Selbst der Begriff der Autorenschaft verflüssigt sich. Jamshidi spielt in diesem Projekt eine spezifische Rolle, die sich darin bündeln ließe, ihn als Initiator bezeichnen zu können. Er bringt sich dabei immer aus dem Zentrum, indem er das Projekt dahin bewegt, es als Forschungsvorhaben in diskursive Momente zu überführen.

    Selbst der Begriff der Autorenschaft verflüssigt sich. Jamshidi spielt in diesem Projekt eine spezifische Rolle, die sich darin bündeln ließe, ihn als Initiator bezeichnen zu können. Er bringt sich dabei immer aus dem Zentrum, indem er das Projekt dahin bewegt, es als Forschungsvorhaben in diskursive Momente zu überführen.

  • Aus dieser Bewegung sind verschiedene Veranstaltungen hervorgegangen. Die erste ergab sich aus der Fragestellung - Jamshidi studierte damals in Sydney -, welche Wege und Verbindungen er in den Iran über Google-Earth herstellen könne. Bei der Eingabe des Begriffes ‚Iran‘ leuchtete ein roter Ballon mit einer Zuspitzung nach unten in der Mitte des Iran auf.

    Aus dieser Bewegung sind verschiedene Veranstaltungen hervorgegangen. Die erste ergab sich aus der Fragestellung - Jamshidi studierte damals in Sydney -, welche Wege und Verbindungen er in den Iran über Google-Earth herstellen könne. Bei der Eingabe des Begriffes ‚Iran‘ leuchtete ein roter Ballon mit einer Zuspitzung nach unten in der Mitte des Iran auf.

  • Damit war eine geografische Ermittlung des Zentrums des Iran gegeben - in der Wüste etwas außerhalb der Stadt Aghda, unweit von Ardakan-e Yazd. Jamshidi organisierte ein Verfahren, dieses Zentrum zu kennzeichnen; ein rundes Loch wurde gegraben, eineinhalb Meter tief mit einem Durchmesser von zweieinhalb Metern. Auf dessen Boden installierte er einen runden Spiegel, den äußeren Rand des Loches markierte er mit rotem Neonlicht.

    Damit war eine geografische Ermittlung des Zentrums des Iran gegeben - in der Wüste etwas außerhalb der Stadt Aghda, unweit von Ardakan-e Yazd. Jamshidi organisierte ein Verfahren, dieses Zentrum zu kennzeichnen; ein rundes Loch wurde gegraben, eineinhalb Meter tief mit einem Durchmesser von zweieinhalb Metern. Auf dessen Boden installierte er einen runden Spiegel, den äußeren Rand des Loches markierte er mit rotem Neonlicht.

  • Die zweite Veranstaltung beruhte auf Einladungen und einer kollektiven Reise zum Zentrum des Iran. In den dabei entstandenen Diskussionen war es die Suche nach entsprechenden Definitionen, die sich um das Projekt verteilten. Die Suche zielte mehr und mehr darauf ab, dass die Bedeutung des Zentrums in seiner Umkehrung interessant ist - im Dezentralen.

    Die zweite Veranstaltung beruhte auf Einladungen und einer kollektiven Reise zum Zentrum des Iran. In den dabei entstandenen Diskussionen war es die Suche nach entsprechenden Definitionen, die sich um das Projekt verteilten. Die Suche zielte mehr und mehr darauf ab, dass die Bedeutung des Zentrums in seiner Umkehrung interessant ist - im Dezentralen.

  • Die dritte und bisher letzte Veranstaltung bündelte sich in einer Ausstellung der AG-Gallery (2016) - I am Here. In dieser Ausstellung wurden die Überlegungen, die Ergebnisse der Entdeckung, wie Erforschung, Dokumentationen, Fotografien, Strukturmodelle, auch die Bedingungen von Markierungen etc. zusammengetragen. Es wurde damit begonnen, der Frage nachzugehen, welche Konzepte es seien, die über die Zeiten dahin transformiert sind, ein Zentrum auszubilden, und was es für Konzepte sein könnten, die auf Dezentrierungen zielen.

    Die dritte und bisher letzte Veranstaltung bündelte sich in einer Ausstellung der AG-Gallery (2016) - I am Here. In dieser Ausstellung wurden die Überlegungen, die Ergebnisse der Entdeckung, wie Erforschung, Dokumentationen, Fotografien, Strukturmodelle, auch die Bedingungen von Markierungen etc. zusammengetragen. Es wurde damit begonnen, der Frage nachzugehen, welche Konzepte es seien, die über die Zeiten dahin transformiert sind, ein Zentrum auszubilden, und was es für Konzepte sein könnten, die auf Dezentrierungen zielen.

  • Im Ganzen gesehen sind solche experimentellen Anordnungen von erstaunlichem Erkenntniswert, dies zumal das Bedürfnis, ein Zentrum zu konstruieren, von der Sehnsucht gesteuert scheint, etwas Unhintergehbares aufzufinden.

    Im Ganzen gesehen sind solche experimentellen Anordnungen von erstaunlichem Erkenntniswert, dies zumal das Bedürfnis, ein Zentrum zu konstruieren, von der Sehnsucht gesteuert scheint, etwas Unhintergehbares aufzufinden.

  • Jamshidis digitale Wegermittlungen waren in erster Linie der Versuch, über Ausschlussverfahren Verbindungen zu optimieren, die durch die Eingabe von Suchbegriffen spezifische Zentren ermitteln. Die Umsetzung und Markierung eines solchen Zentrums ergibt dann, schaut man in der Mitte dieser Wüste in den Spiegel, der sich auf dem Grund des Loches befindet, den Ausblick in die unendliche Welt der Sterne. Vielleicht ließe sich von hier aus ein Rückschluss auf die Formen der Beschreibung machen: ‚Eine globale Beschreibung fasst alle Phänomene um ein Zentrum zusammen - Prinzip, Bedeutung, Geist, Weltsicht, Gesamtform -, eine allgemeine Beschreibung würde im Gegenteil den Raum der Streuung entfalten‘ (Foucault, AdW, S 20).

    Jamshidis digitale Wegermittlungen waren in erster Linie der Versuch, über Ausschlussverfahren Verbindungen zu optimieren, die durch die Eingabe von Suchbegriffen spezifische Zentren ermitteln. Die Umsetzung und Markierung eines solchen Zentrums ergibt dann, schaut man in der Mitte dieser Wüste in den Spiegel, der sich auf dem Grund des Loches befindet, den Ausblick in die unendliche Welt der Sterne. Vielleicht ließe sich von hier aus ein Rückschluss auf die Formen der Beschreibung machen: ‚Eine globale Beschreibung fasst alle Phänomene um ein Zentrum zusammen - Prinzip, Bedeutung, Geist, Weltsicht, Gesamtform -, eine allgemeine Beschreibung würde im Gegenteil den Raum der Streuung entfalten‘ (Foucault, AdW, S 20).

  • Dass sich diese allgemeinere Konstruktion mit der Konsequenz eines weiterlaufenden und nie endenden Projektes ergeben hat, ist aus einer Annäherung an seine Umkehrung entstanden.

    Dass sich diese allgemeinere Konstruktion mit der Konsequenz eines weiterlaufenden und nie endenden Projektes ergeben hat, ist aus einer Annäherung an seine Umkehrung entstanden.

  • Eine weitere bemerkenswerte Arbeit von Mahdyar Jamshidi ist ‚Trace of lost moments‘ von 2012 (Sazmanab, Platform for contemporary art, Tehran).

    Eine weitere bemerkenswerte Arbeit von Mahdyar Jamshidi ist ‚Trace of lost moments‘ von 2012 (Sazmanab, Platform for contemporary art, Tehran).

  • Jamshidi löste aus dem Fotoalbum seiner Familie einige Fotos, auf denen er in seiner Kindheit zu sehen ist.

    Jamshidi löste aus dem Fotoalbum seiner Familie einige Fotos, auf denen er in seiner Kindheit zu sehen ist.

  • Diese Fotos plazierte er in seiner Wohnung, um sie dann, mitten in der Nacht bei absoluter Dunkelheit, mit einer Nachtsichtkamera erneut und in anderem Kontext, dem seiner eignen Gegenwart, aufzunehmen.

    Diese Fotos plazierte er in seiner Wohnung, um sie dann, mitten in der Nacht bei absoluter Dunkelheit, mit einer Nachtsichtkamera erneut und in anderem Kontext, dem seiner eignen Gegenwart, aufzunehmen.

  • Mit diesen Fotos schreibt er seine eigene Vergangenheit in einer Art erweiterter Erinnerungsschicht in seinen Alltag ein.

    Mit diesen Fotos schreibt er seine eigene Vergangenheit in einer Art erweiterter Erinnerungsschicht in seinen Alltag ein.

  • Geprägt ist diese Vergangenheit durch den Krieg, Raketenangriffe auf Teheran, der Stadt, in der Jamshidi aufgewachsen ist.

    Geprägt ist diese Vergangenheit durch den Krieg, Raketenangriffe auf Teheran, der Stadt, in der Jamshidi aufgewachsen ist.

  • Das Vorgehen, mit dem er den Fotos, auf denen der Krieg selbst nicht zu sehen ist, Präsenz verschafft, der grüne Schimmer und die vernebelte Unschärfe seines technischen Ansatzes, macht diese Vergangenheit, deren traumatische Einschreibungen für manche Generationen nicht unterzuestimieren ist, wieder zugänglich.

    Das Vorgehen, mit dem er den Fotos, auf denen der Krieg selbst nicht zu sehen ist, Präsenz verschafft, der grüne Schimmer und die vernebelte Unschärfe seines technischen Ansatzes, macht diese Vergangenheit, deren traumatische Einschreibungen für manche Generationen nicht unterzuestimieren ist, wieder zugänglich.

  • Jenseits eines abstrakten Geschichtsnarrativs sind die Fotos, die private Zeugnisse aus der Vergangenheit hervorziehen, selbst Zeugnis einer persönlichen Auseinandersetzung.Mahdyar Jamshidis Homepage: http://www.mahdyarjamshidi.com/en_US/Pages/HomeAuswahl und Text: Christoph Sehl - sehl@iranjournal.org

    Jenseits eines abstrakten Geschichtsnarrativs sind die Fotos, die private Zeugnisse aus der Vergangenheit hervorziehen, selbst Zeugnis einer persönlichen Auseinandersetzung.
    Mahdyar Jamshidis Homepage: http://www.mahdyarjamshidi.com/en_US/Pages/Home
    Auswahl und Text: Christoph Sehl - sehl@iranjournal.org

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