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41. Jahrestag der iranischen Revolution  „Ayatollah BBC“

Radio und Revolution: Für Iraner*innen bleiben diese zwei Vokabeln für immer unzertrennlich. Die Rede ist dabei von einer besonderen Welle: dem BBC Persian Service. Niemand, kein Historiker, kein Journalist, aber auch kein Zeitzeuge, kommt an ihm vorbei, wenn er über die islamische Revolution schreibt oder spricht. mehr »

Von Ali Sadrzadeh

War der persische Dienst der BBC im Revolutionsjahr 1979 ein Propagandaapparat der Revolutionäre, ein Sprachrohr Khomeinis sozusagen, oder arbeitete er wie ein unabhängiges Informationsmedium, das zufällig aus London sendete?

Einundvierzig Jahre sind seither vergangen, und man streitet immer noch unerbittlich darüber. Je nachdem, wie man diese Frage beantwortet, sagt man damit unweigerlich auch etwas über die Politik Großbritanniens im Iran.

Der Rolle der BBC während der iranischen Revolution widmeten Uniabsolventen ihre Diplom- oder Doktorarbeiten, Dutzende Filmemacher ihre Dokumentarserien, unzählige Journalisten ihre Beiträge. Und der Disput findet kein Ende.

Er ist auch keineswegs ein akademisches Thema aus der fernen Vergangenheit. Im Gegenteil: Was macht der BBC Persian Service heute? In diesen dramatischen Tage, in denen die Welt wieder ein-mal auf den Iran schaut, fragen sich viele, wo dieser Sender steht, der inzwischen auch ein sehr erfolgreiches TV-Programm in persischer Sprache ausstrahlt. BBC TV hat in den iranischen Großstädten mehr Zuschauer als das staatliche Fernsehen, das zeigt jedenfalls die letzte Erhebung des Senders.

Woher kommt diese Akzeptanz? Hat es mit der Art ihrer Berichterstattung zu tun? Macht die BBC zu viel Kompromisse gegenüber den Mächtigen in Teheran, wie manche Oppositionelle behaupten, oder ist es gerade umgekehrt: Ist der persischsprachige Service nichts als der verlängerte Arm der britischen Kolonialpolitik und zugleich Tribüne für allerlei „Konterrevolutionäre“, wie die Machthaber in Teheran behaupten?

Wie unterschiedlich und wie differenziert die Antworten auf diese Fragen auch sein sollten, wie das Urteil eines neutralen Programmbeobachters auch lauten mag: Der Volksglaube ist und bleibt jedenfalls unerschütterlich.

Unüberhörbar

Buchcover: "Die iranische Revolution nach der Lesart von Radio BBC" - von Abdolrze Houshang Mahdavi

Buchcover: „Die iranische Revolution nach der Lesart von Radio BBC“ – von Abdolrze Houshang Mahdavi

Seit Generationen ist man im Iran der festen Überzeugung, die BBC sei an allen politischen Umwälzungen im Land entscheidend beteiligt gewesen und so werde es auch in der Zukunft sein. Die BBC war, ist und bleibt konstanter Bestandteil und einflussreiches Instrument der britisch-iranischen Beziehungen.

Der „Service“ ist deshalb in vieler Hinsicht unüberhör- bzw. -sehbar, für die Mächtigen ebenso wie für ihre Untertanen. BBC Persian hat in der iranischen Medienlandschaft eine besondere, historisch gewachsene Rolle, die ihr kein anderer Sender streitig machen kann.

Das persische Wort im Radio war am Anfang bei der BBC. Im Iran gab es noch keinen Radiosender, als 1940 der BBC Persian Service zur Verbreitung britischer Kriegspropaganda das Licht der Welt erblickte. Seitdem halten viele Iraner*innen ihn für die Stimme der britischen Großmachtpolitik in der Region.

Und hinter allem, was in dieser Region geschah oder künftig geschieht, stehen ja bekanntlich die Briten.

Feind Nr. 1

Man betrachtet BBC Persian tatsächlich als einen markanten Wegweiser an allen historisch wichtigen Meilensteinen der iranischen Geschichte.

Für den letzten Schah war der persische Dienst der „Feind Nummer eins“. Auch die Royalisten von heute glauben, BBC Persian habe vor vierzig Jahren die islamische Revolution kräftig befeuert und stehe heute an der Seite der Mullahs.

Der letzte Botschafter des Schah in London hat über die Rolle der BBC im Schicksalsjahr 1979 ein wertvolles Dokument hinterlassen – ein Tagebuch, das man jedem Journalisten als Lektüre empfehlen möchte: „In the Service of the Peacock Throne: The Diaries of the Shah’s Last Ambassador to London“.

In diesem sehr aufschlussreichen Journal berichtet der Gesandte minutiös über seine Aktivitäten im Revolutionsjahr. Sehr kurz gefasst: Seine Hauptbeschäftigung bestand darin, den BBC Persian Service zum Schweigen zu bringen.

BBC als Wegweiser
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