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„Lesen ist leben“ lockt IranerInnen in Buchläden

Im Iran nahmen diesen Monat viele Menschen an Veranstaltungen rund um das Thema Literatur und Lesen teil. Große Resonanz erwarten auch die Macher des Films „Ich bin nicht Salvador“. Doch die Ausstrahlung der Komödie lässt auf sich warten. Besser läuft es für Regisseur Majid Majidi, der in Polen ausgezeichnet wurde. Kulturspiegel aus der Islamischen Republik.     mehr »

Der Iran hat vom 14. bis zum 19. November unter dem Motto „Lesen ist leben“ die 23. Nationale Bücherwoche begangen. In Teheran wurden dafür Hunderte Großflächenplakate angebracht. Anscheinend hat der Erfolg der Kampagne die Stadtverwaltung motiviert, die Plakate mit Bildern berühmter nationaler und internationaler literarischer Werke und SchriftstellerInnen nicht abzunehmen. Auch zehn Tage nach dem Ende der Bücherwoche sollen sie die IranerInnen zum Lesen animieren.

Landesweit fanden im Rahmen der Bücherwoche zahlreiche Buchmessen, Lesungen, Verkaufspremieren und Konferenzen statt. Zu den Highlights der Kampagne gehörte die Inbetriebnahme von Zügen, die mit eigenen Bibliotheken mit jeweils 500 Büchern ausgestattet sind.

Abgeschlossen wurde die Bücherwoche durch eine vom Teheraner Stadtratsvorsitzenden und Reformpolitiker Ahmad Masjed-Jamei initiierte und von prominenten Kunst- und Kulturschaffenden mitgetragene Kampagne mit dem Namen „Ketabgardi“ („Bücher-Tour“). Die IranerInnen wurden dazu aufgerufen, an diesem Tag Bücher zu kaufen. „Geringe Absätze in Buchläden haben nicht nur für die Buchhändler negative Konsequenzen, sondern für das ganze Land“, zitiert TASNIM NEWS den ehemaligen Kulturminister Majed-Jamei. Studien legten nahe, „dass trotz des technologischen Fortschritts und des Aufkommens neuer Medien das Lesen von Büchern für die Entwicklung einer Gesellschaft von unschätzbarer Bedeutung ist“. Iranischen Medien zufolge stieß die Kampagne auf große Resonanz.

Sadeghi erhält Auszeichnung für Lebenswerk

Ein Bild von Ali Akbar Sadeghi

Ein Gemälde von Ali Akbar Sadeghi

Das Forum iranischer Künstler zeichnete vergangene Woche in Teheran den iranischen Trickfilmzeichner und Maler Ali Akbar Sadeghi für sein Lebenswerk aus. An der Zeremonie, die an seinem 78. Geburtstag stattfand, nahmen neben Freunden Sadeghis auch KünstlerkollegInnen sowie Angehörige des Kulturministeriums teil, berichtete die Nachrichtenagentur ISNA. Filmproduzent Harun Yashayai bezeichnete seinen langjährigen Freund Sadeghi in der Laudatio als „einen der großen Kulturschätze des Iran“. Sadeghis Werk vermittele stets menschliche Werte und spiegele den Charakter des Künstlers wider. „Er ist die Verkörperung von Ehrlichkeit und Anstand, und ich hoffe, dass jüngere Generationen von diesem Meister etwas lernen können“, so Yashayai. Auch der Filmregisseur Ebrahim Foruzesh lobte Sadeghi: „Seine Kunst ist voll von Liebe, Frieden und Freundschaft.“

Ali Akbar Sadeghi zählt zu den renommiertesten und erfolgreichsten Künstlern des Iran. Für seine Zeichentrickfilme wurde er vielfach auf internationalen Festivals ausgezeichnet. Auch für die Zeichnungen in seinen Kinderbüchern wurde der Iraner international mehrfach geehrt.   

Filmemacher kritisieren Kinos

Der iranische Regisseur Manouchehr Hadi hat sich diese Woche bei einer Pressekonferenz in Teheran wegen der sich hinauszögernden Kinopremiere seines jüngsten Films „Ich bin nicht Salvador“ verbittert gezeigt. Er habe in seinem hauptsächlich in Brasilien gedrehten Film bereits zahlreiche Veränderungen vorgenommen, um die Ausstrahlungsgenehmigung des Kulturministeriums zu erhalten. „Obwohl das Ministerium vor drei Monaten grünes Licht gegeben hat, ist völlig unklar, wann der Film in den Kinos anlaufen wird“, so Hadi. Das sei sehr bedauerlich.

Habib Esmaili, der Hadis Film vertreibt, ist der Überzeugung, dass „Ich bin nicht Salvador“ das Potential zu einem Kassenhit habe. Der Film laufe nicht an, „weil manche Kinobesitzer mit bestimmten Regisseuren und Filmvertrieben enge Beziehungen pflegen und es ihnen ermöglichen, dass Filme, selbst wenn sie schlecht gemacht sind und beim Publikum durchfallen, lange in den Kinos laufen“, zitieren iranische Medien ihn. Ein weiteres Problem stelle die geringe Anzahl von Kinos in kleineren Städten dar: „Deswegen brauchen viele gute Filme wie unserer sehr lange, um endlich in den Kinos gezeigt zu werden“, so Esmaili.

Auszeichnung für Majidi und Storaro

Vielerorts in der iranischen Hauptstadt Teheran sieht man derzeit überdimensionale Plakate für den Film!

Werbeplaktat für den Film „Mohammad …“ in Teheran

Der iranische Filmemacher Majid Majidi und der italienische Kameramann und mehrfache Oscar-Preisträger Vittorio Storaro sind beim 23. Camerimage International Film Festival in der polnischen Stadt Bydgoszcz für ihren Film „Mohammad, the Messenger of God“ mit dem „Herausragendes-Duo-Award“ ausgezeichnet worden. „Die vielen Jahre der Kooperation zwischen Majidi und Storaro erreichen ihren Höhepunkt in einem Film, der sowohl mit epischen Schlachtszenen zu überzeugen weiß als auch viele besinnliche Momente enthält, die den ZuschauerInnen die Essenz der islamischen Spiritualität näher bringen, indem die wichtigsten Momente des Lebens des Protagonisten und der Menschen, die ihn umgaben, gezeigt werden“, so die Begründung der Jury für die Ehrung der beiden. Majidi und Storaro seien „Legenden des Weltkinos“, die bekannt seien für „die Liebe zu ihrer Arbeit und den Mut zu ästhetischen Wagnissen“.

Das Camerimage-Filmfestival wurde gegründet, um die Kunst der Kameraführung zu ehren. Es ist weltweit das einzige Filmfestival, das Kameraarbeit zum Thema hat. Neben Kameraleuten werden auch Regisseure und Cutter für ihre Arbeit ausgezeichnet. Hauptpreis des Festivals ist der Goldene Frosch.

  JASHAR ERFANIAN

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