Tausende gedenken am 40. Tag der Januar-Proteste in Iran der Getöteten

Am 40. Tag nach den brutal niedergeschlagenen Januar-Protesten haben sich in zahlreichen Städten Irans Tausende Menschen an den Gräbern der dabei Getöteten versammelt. Berichten und Videos zufolge gedachten sie der Opfer der Proteste, legten Blumen nieder und skandierten regierungskritische Parolen. Parallel dazu organisierten staatliche Stellen in Teheran und anderen Städten offizielle Gedenkveranstaltungen, an denen Regierungsvertreter und ausgewählte Teilnehmer teilnahmen.

Die genauen Opferzahlen bleiben währenddessen umstritten. Während die Regierung von Präsident Massoud Pezeshkian von rund 3.100 Toten spricht, berichten Menschenrechtsorganisationen von bis zu 30.000 Getöteten. Das Regime macht „terroristische Gruppen“ für die hohe Zahl an Opfern verantwortlich. Die in den USA ansässige Menschenrechtsorganisation HRANA spricht von mehr als 7.000 dokumentierten Todesopfern und warnt, die tatsächliche Zahl könnte deutlich höher liegen. Zudem seien über 53.500 Menschen festgenommen worden.

Die Januar-Proteste hatten zunächst mit Demonstrationen von Händlern im Teheraner Basar gegen den drastischen Verfall der Landeswährung und die wirtschaftliche Krise begonnen. Innerhalb weniger Tage weiteten sie sich aus und nahmen eine deutlich politische Stoßrichtung an. Am 8. und 9. Januar erreichten sie ihren Höhepunkt.

Nach der gewaltsamen Niederschlagung durch bewaffnete Sicherheitskräfte ebbten die Straßenproteste ab. In den vergangenen Tagen kam es jedoch erneut zu nächtlichen Sprechchören aus Fenstern und von Hausdächern, die sich gegen die Führung der Islamischen Republik, insbesondere gegen Ali Khamenei, richteten.

Gedenken in mehreren Städten

In der westiranischen Stadt Abdanan in der Provinz Ilam versammelten sich am 17. Februar zahlreiche Menschen am Grab des 16-jährigen Alireza Seidi, der am 9. Januar in Teheran durch einen Schuss getötet worden war. Teilnehmer*innen trugen Blumen und Fotos und riefen „Tod Khamenei“. Ein weiteres Video aus der Stadt zeigt Menschen, die nach Schussgeräuschen in Panik auseinanderlaufen.

In Mashhad skandierten Demonstrierende: „Wenn einer getötet wird, stehen tausend hinter ihm.“ Auch aus Najafabad im zentralen Iran wurde eine große Menschenansammlung am Grab des bei den Protesten getöteten Mohammad Goli gemeldet. Augenzeugenberichten zufolge hatte der Feuerwehrmann am 9. Februar mit einem Feuerwehrfahrzeug vor einer Polizeistation Stellung bezogen, um Demonstrierende zu schützen, bevor er durch Schüsse getötet wurde.

Am Grab von Raha Bahloulipour, die 23 Studentin, die am 8. Januar in Teheran erschossen wurde, sangen die Teilnehmenden ein Lied.

Im Dorf Masdeh im nordiranischen Chalus fand eine Gedenkveranstaltung für den 17-jährigen Amirali Darabi statt, der am 8. Januar durch Schüsse ums Leben kam. Teilnehmer*innen sangen die Hymne „Ey Iran“ und begleiteten das Gedenken mit regionaler Musik.

Auch in Teheran, unter anderem auf dem großen Behescht-e Zahra-Friedhof, versammelten sich Menschen zum Gedenken an Sepahr Shokri, der ebenfalls am 8. Januar erschossen wurde. In einem Video bittet sein Vater die Anwesenden, trotz der Trauer „glücklich zu sein“. Shokris Tod hatte große Aufmerksamkeit erregt, nachdem ein Video verbreitet worden war, das seinen Vater in der Gerichtsmedizin auf der Suche nach dem Leichnam seines Sohnes zeigt.

In Bushehr gedachten Menschen unter anderem der getöteten Zohreh Fazeli sowie des jungen Nima Jouzaei, die beide am 9. Januar durch direkte Schüsse starben.

Staatliche Gedenkveranstaltungen

Bei einer offiziellen Veranstaltung am 17. Februar in Teheran trugen Teilnehmende Flaggen der Islamischen Republik und Porträts der Getöteten. Im großen Mosalla-Komplex wurden Parolen wie „Tod Amerika“ und „Tod Israel“ gerufen. Zu den Anwesenden zählten unter anderem Vizepräsident Mohammadreza Aref und der Kommandeur der Quds-Einheit der Revolutionsgarden, Esmail Qaani. Qaani erklärte, Unterstützer „von Aufrührern und Terroristen“ würden die Konsequenzen ihres Handelns sehen. Auch Präsident Pezeshkian nahm an einer ähnlichen Veranstaltung in Mashhad teil.

Mehr zu den Protesten:

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