Khameneis Sohn wird zum neuen Obersten Führer der Islamischen Republik

Der Expertenrat der Islamischen Republik hat Mojtaba Khamenei zum neuen Obersten Führer Irans ernannt. Das teilte das Sekretariat des Gremiums in den frühen Morgenstunden des Montags, 9. März, Ortszeit in einer Erklärung mit. Der 56-Jährige ist der zweite Sohn des bisherigen Führers Ali Khamenei, der am 28. Februar bei den Angriffen auf den Iran durch die USA und Israel getötet worden war. 

Demnach trat der Expertenrat unmittelbar nach Bekanntwerden des Todes von Ali Khamenei, dem bisherigen Obersten Führer, zu einer außerordentlichen Sitzung zusammen und wählte mit der Mehrheit der Stimmen Seyyed Mojtaba Hosseini Khamenei zu dessen Nachfolger.

In der Erklärung heißt es, das Gremium habe trotz der Kriegslage und der Angriffe auf seine Gebäude den Prozess der Wahl „ohne Unterbrechung“ durchgeführt, „damit das Land nicht in ein Führungsvakuum gerät“. Zugleich rief der Expertenrat die Bevölkerung dazu auf, dem neuen Obersten Führer ihre Loyalität zu bekunden.

Sitzung trotz Angriffe und Kriegsbedingungen

Nach Angaben des Sekretariats fand die Entscheidung unter außergewöhnlichen Umständen statt. In der Erklärung ist von „akuten Kriegsbedingungen und direkten Bedrohungen durch feindliche Kräfte“ die Rede. Zudem seien Büros des Expertenrats bombardiert worden, wobei mehrere Mitarbeiter sowie Mitglieder des Sicherheitsteams des Gremiums getötet worden seien.

Internationale Reaktionen und Drohungen

Die Ernennung des 56-jährigen Mojtaba Khamenei erfolgte angesichts scharfer internationaler Reaktionen und Drohungen während der Wahl. US-Präsident Donald Trump hatte am Sonntag in einem Interview mit ABC News erklärt, ein neuer iranischer Führer müsse die Zustimmung der Vereinigten Staaten erhalten: „Wenn er sie nicht bekommt, wird er nicht lange bestehen“, so Trump. Ziel sei es, zu verhindern, dass sich die Situation „alle zehn Jahre wiederholt“.

Die israelische Armee erklärte, sie werde nicht zögern, auch den Nachfolger von Ali Khamenei ins Visier zu nehmen. Dies gelte ebenso für Mitglieder des Expertenrats.

Einflussreiche, aber kaum öffentliche Figur

Mojtaba Khamenei galt seit Jahren als einflussreiche, jedoch öffentlich kaum sichtbare Figur innerhalb des Machtapparats der Islamischen Republik. Beobachter beschreiben ihn als wichtigen Akteur im Umfeld des Büros des Obersten Führers sowie in den Beziehungen zu Sicherheitsorganen und den Revolutionsgarden.

Offizielle Regierungsämter hatte er bislang nicht inne. Auch öffentliche Auftritte oder bekannte Reden von ihm sind äußerst selten.

Mit seiner Ernennung wird er zum dritten Obersten Führer seit der Gründung der Islamischen Republik im Jahr 1979.