Erfundene Journalisten: Netzwerk mit Iran-Bezug
OpenAI* hat ein Netzwerk mit Verbindung zum Iran gesperrt. Das gab das US-Unternehmen am 8. Oktober bekannt. Es wurde demnach genutzt, um Journalist*innen zu erfinden und deren Artikel in Online-Zeitungen unterzubringen. OpenAI nennt die Operation „Bogus Bylines“, auf Deutsch etwa: falsche Autorennamen.
So gingen die Betreiber vor: Sie ließen von ChatGPT Artikel prüfen und überarbeiten. Auch die Begleitbriefe an die Redaktionen schrieb das Programm. Die Texte boten sie kleinen und mittelgroßen Online-Medien in aller Welt an. Ihre Aufträge an das Programm tippten sie auf Persisch ein. Die fertigen Texte entstanden auf Persisch und Englisch. Ihren tatsächlichen Aufenthaltsort verbargen die Betreiber mit VPN-Diensten, die den Standort im Internet verschleiern.
Sieben erfundene Autorennamen standen unter den Artikeln, darunter „Ervin B. Hoskins“, „Sophia Gonzalez“ und „Michael Harrison“. Meist gaben deren Biografien die USA als Heimat an. Dazu legten die Betreiber Konten bei Facebook, Instagram, X und anderen Netzwerken an. Der Name „Michael Harrison“ war schon im März aufgefallen. Damals stoppte der Facebook-Konzern Meta eine iranische Kampagne, die die öffentliche Meinung beeinflussen sollte.
Fast 100 Artikel fand OpenAI in rund einem Dutzend Medien. Der früheste erschien im Juli 2025, der jüngste im Oktober 2026. Es ging um Weltpolitik, den Nahen Osten und den Streit zwischen den USA und dem Iran. Einige Medien teilten die Texte in ihren eigenen Netzwerken. Eines hatte im August fast zwei Millionen Abonnenten auf Facebook. Texte in echten Medien erreichen laut OpenAI meist mehr Menschen als bloße Beiträge in sozialen Netzwerken.
Zusätzlich schrieben die Konten Kommentare auf Persisch und Englisch, oft nur Minuten nacheinander. Mehr als zwei Dutzend Serien feindseliger Antworten auf Persisch galten Beiträgen von Iran International, einem persischsprachigen Fernsehsender mit Sitz in Großbritannien. Die Kommentare fanden wenig Beachtung: Meist gab es nur ein paar „Gefällt mir“-Angaben, viele davon stammten von Konten der Operation selbst.
Intern ließ das Netzwerk das Programm Zahlen zu Berichten aufbereiten. Als Erfolg zählte, wie oft die Beiträge angesehen wurden, unter denen es kommentierte, nicht die eigenen Kommentare. OpenAI nennt das irreführend. Wer hinter der Aktion steckt, kann OpenAI nicht sagen. Sie ähnele dem Vorgehen von Unternehmen, die gegen Bezahlung Meinungskampagnen betreiben. Das Unternehmen gab Informationen über das Netzwerk an die zuständigen Behörden weiter. Bis August 2026 waren alle Konten gesperrt. OpenAI stuft die Reichweite solcher Kampagnen auf einer Skala mit sechs Stufen ein. Die Artikel erhalten Stufe 4, die Kommentare Stufe 2.
*OpenAI entwickelt das Programm ChatGPT, eine künstliche Intelligenz, die Texte schreiben kann.
Artikelfoto: KI-generiert
