Pezeshkian vor den Vereinten Nationen: verhandeln, ohne sich zu unterwerfen

Der iranische Präsident Masoud Pezeshkian (Peseschkian) hat am Mittwoch, dem 23. September 2026, vor der 81. UN-Generalversammlung gesprochen. Seine Rede war vor allem eine Antwort auf US-Präsident Donald Trump, der am Vortag den Krieg gegen Iran verteidigt und der Islamischen Republik mit „Vernichtung“ gedroht hatte.

Ursprünglich habe er eine andere Rede vorbereitet, erklärte Pezeshkian. Nach Trumps Auftritt habe er sich jedoch entschieden, unmittelbar auf dessen Vorwürfe zu reagieren. Dabei zeigte er Bilder des getöteten früheren Revolutionsführers Ali Chamenei sowie von Opfern eines Angriffs auf eine Schule in Minab. „Wir sind keine Terroristen, wir sind Opfer des Terrorismus“, sagte er.

Der iranische Präsident machte die USA und Israel für Angriffe auf Zivilisten und Kinder verantwortlich und betonte, Iran habe den Krieg nicht begonnen und werde sich weder militärischem noch wirtschaftlichem Druck beugen. Zugleich hielt er die Möglichkeit von Verhandlungen offen. Iran habe bewiesen, dass es sich nicht vor einem Krieg fürchte und sich zugleich Gesprächen über Frieden nicht entziehe.

Damit sandte der Präsident zwei Botschaften: Die Islamische Republik sei zur Diplomatie bereit, werde aber keine Verhandlungen unter Drohungen akzeptieren. Äußerer Druck, so Pezeshkian, werde die iranische Gesellschaft nur stärker zusammenschließen. Die Angreifer würden ihre Handlungen bereuen. Während seiner Rede verließ die US-Delegation den Saal.

Einen weiteren Schwerpunkt bildete die militärische Abschreckung. Die Erfahrungen des Krieges hätten gezeigt, erklärte Pezeshkian, dass Staaten ohne ausreichende Verteidigungsfähigkeit Gefahr liefen, ihrer Rechte und ihrer Unabhängigkeit beraubt zu werden.

Auch in der Atomfrage warf er dem Westen doppelte Standards vor: Israel verfüge über Atomwaffen, während sich Inspektionen und internationaler Druck gegen Iran richteten. Einen neuen konkreten Vorschlag zur Lösung des Atomstreits legte er allerdings nicht vor.

Unklar bleibt, in welchem Maße Pezeshkian eine in New York verkündete Gesprächsbereitschaft in praktische Politik umsetzen kann. Grundsatzentscheidungen über Krieg, Atomprogramm und Verhandlungen liegen in Iran nicht allein beim Präsidenten. Der Revolutionsführer, der Nationale Sicherheitsrat, die Führung der Revolutionsgarden und einflussreiche Fraktionen innerhalb des Machtapparats bestimmen den Kurs maßgeblich mit.

Pezeshkian hatte in den vergangenen Wochen mehrfach erklärt, eine Fortsetzung des Krieges liege nicht im Interesse Irans. Zugleich sprach er offen über sinkende Staatseinnahmen, Inflation und die schwierige wirtschaftliche Lage. Für die Belastungen der Bevölkerung äußerte er Bedauern und warb dafür, durch Verhandlungen einen Ausweg zu suchen.

Damit geriet er ins Visier anderer Kräfte im Land, die Verhandlungen als Zeichen der Schwäche oder als Kapitulation betrachten. Berichte deuten auf einen wachsenden Konflikt zwischen pragmatischeren Politikern um Pezeshkian und Parlamentspräsident Mohammad-Bagher Ghalibaf auf der einen und Gegnern einer Verständigung auf der anderen Seite hin.

Pezeshkians Rede war deshalb nicht nur ein außenpolitisches Signal. Sie lässt sich auch als Versuch verstehen, seine Position im Machtkampf innerhalb der Islamischen Republik zu stärken.♦

Foto: KI-generiert