Irans Arzneimittelkrise: Medikamente werden zum Luxus

Innerhalb eines Jahres haben sich zahlreiche Medikamente im Iran drastisch verteuert. Nun verschärft sich zusätzlich die Versorgungskrise: Rund 800 Arzneimittel sind knapp, darunter auch viele lebenswichtige Präparate. Der iranische Apothekerverband warnt zudem, dass sich die Preise bestimmter Medikamente auf das Dreifache erhöhen könnten.

Wie die iranische Nachrichtenseite Mehr berichtet, stieg der Preis für Paracetamol-Codein zwischen September 2025 und September 2026 von 137.000 auf 650.000 Toman. Gabapentin 300 verteuerte sich von 300.000 auf 960.000 Toman, Clarithromycin von 450.000 auf 1,58 Millionen Toman. Auch Fluoxetin, Ibuprofen, Asvix und Amoxicillin wurden deutlich teurer.

Medikamente und medizinische Güter sind von den US-Sanktionen zwar grundsätzlich ausgenommen, in der Praxis erschweren diese die Versorgung jedoch erheblich. Iranische Banken haben nur eingeschränkten Zugang zum internationalen Finanzsystem, während viele ausländische Banken und Unternehmen Geschäfte mit Iran aus Angst vor Sanktionen meiden. Das erschwert auch den Import von Medikamenten, die eigentlich von den Handelsbeschränkungen ausgenommen sind: Lieferungen können nicht bezahlt, finanziert oder versichert werden. Auch wenn nach Regierungsangaben fast 99 Prozent der Medikamente nach Stückzahl im Iran produziert werden, bleibt die heimische Pharmaindustrie bei Rohstoffen, Spezialausrüstung und wichtigen Komponenten auf Importe angewiesen.

Nach Angaben der iranischen Lebensmittel- und Arzneimittelbehörde werden Rohstoffe und Medikamente wegen kriegsbedingter Transportstörungen inzwischen über alternative Beschaffungswege bezogen. Der Apothekerverband warnt jedoch, diese Wege seien zeitaufwändig und könnten die Kosten weiter erheblich erhöhen.

Für Patienten verschärft sich die Situation durch den unzureichenden Versicherungsschutz. Der Parlamentarier Hossein Ali Haji Deligani berichtet, dass Versicherte Preisunterschiede teilweise selbst tragen müssen. Gleichzeitig häufen sich Berichte über nicht verfügbare Medikamente und abgebrochene Behandlungen.

Damit droht eine doppelte Krise: Medikamente fehlen – oder sie sind zwar erhältlich, aber für viele Patienten nicht mehr bezahlbar. Zugleich wächst der informelle Markt für knappe Präparate, bei dem Herkunft, Lagerung und Sicherheit der Medikamente nicht zuverlässig kontrolliert werden können.♦

Foto: mehrnews.com