Der Krieg in drei Akten – Ein Bericht aus Iran

Ein Krieg, erlebt aus nächster Nähe: In drei Stationen – Teheran, Rasht, Isfahan – entfaltet sich ein Alltag zwischen Explosionen, Informationsblackout und wachsender Erschöpfung. Ein Bericht aus Iran.

Teheran: Angst und Erregung

Gegen halb zehn Uhr morgens am 28. Februar saß ich in der Wohnung einer Freundin im Zentrum von Teheran und rauchte die letzte Zigarette, bevor ich zu meiner TOEFL-Prüfung aufbrechen wollte, als ich drei aufeinanderfolgende Explosionen hörte. Ich rief meine Freundin und sagte: „Sie haben zugeschlagen!“ Sie nickte mit einem nervösen Lächeln und erwiderte: „Geh weg vom Fenster. Ab jetzt dürfen wir wenigstens drinnen rauchen.“ Wir riefen Bekannte an. Sie berichteten von Explosionen an verschiedenen Orten in der Stadt. Einige sagten, sie hätten sich in der Nähe des Wohnorts und der Büros des Obersten Führers Ali Khamenei ereignet – doch nichts war bestätigt. Ich sah meiner Freundin ins Gesicht: zugleich aufgeregt und angespannt. Wir teilten dasselbe Gefühl – dass der Krieg, den wir lange befürchtet hatten, begonnen hatte, ohne dass wir wussten, was genau geschehen würde.

Hastig durchsuchten wir die Wohnung, um „das Nötigste“ zusammenzupacken und zur Mutter meiner Freundin zu fahren. Doch was war in einer derart ungewissen Situation überhaupt notwendig? Für wie viele Tage sollten wir packen? Was sind die Dinge, die man im Krieg braucht? In diesem Moment erschütterte eine nähere Explosion das Haus. Kurz darauf brach das ohnehin instabile Internet vollständig zusammen, und auch Telefonate und SMS waren stark gestört. Wir konnten niemanden mehr fragen, wie es ihm ging, und auch selbst kein Lebenszeichen mehr senden. Während wir Lebensmittel, Kleidung, einen Erste-Hilfe-Kasten und ein paar Bücher in unsere Rucksäcke stopften, hörten wir die beunruhigenden Geräusche der Luftabwehr. Aus dem Fenster sah ich einen Mann auf einem Dach stehen, der versuchte, Rauch oder irgendein Zeichen dessen zu erkennen, was gerade geschah.

In der Wohnung der Mutter meiner Freundin setzten wir uns vor den Fernseher – meist vor oppositionelle Satellitensender, deren Signal bereits seit zwei Monaten, seit den Protesten im Januar, immer wieder gestört wurde. Die Nachrichten waren voller Zitate von „informierten Quellen“ und unbestätigter Berichte: von getöteten hochrangigen Funktionären bis hin zu möglichen weiteren Angriffen. Unter den Gerüchten kursierte auch die Nachricht vom Tod Khameneis, doch keine verlässliche Quelle bestätigte sie. Für uns fünf, die wir in dieser Wohnung saßen, vermischte sich die aufgeregte Freude über den möglichen Tod der Herrscher mit der Angst vor dem eskalierenden Krieg.

Draußen hörte man entfernte Geräusche, Kampfflugzeuge waren am Himmel zu sehen, und wir waren noch nicht geübt genug, um diese Geräusche einzuordnen. Manchmal fotografierte ich ihre Kondensstreifen, ohne genau zu wissen, was ich da eigentlich festhielt. Wir erklärten uns gegenseitig, welche dumpfen Geräusche zu den Explosionen gehören würden und welche vom Himmel kommenden Geräusche den Kampfjets oder Abwehrsystemen. Gegen Mitternacht wurde schließlich der Tod Khameneis bestätigt. Meine Freundin, ihre Mutter und ich begannen – mit Tränen in den Augen – zu tanzen. Doch der Tanz währte nur kurz. Die Mutter meiner Freundin, eine ehemalige politische Gefangene, die in den 1980er Jahren in iranischen Gefängnissen gefoltert worden war, sagte mit bitterer Stimme: „Ich wünschte, er wäre nicht so leicht gestorben. Ich hätte ihn gerne vor einem Gericht gesehen.“ Von der Straße drangen Hupen und jubelnde Rufe herauf. Viele glaubten offenbar, dies sei das Ende des Regimes. Wir schliefen schließlich ein – mit der Angst vor einer ungewissen Zukunft, nah und fern – um am nächsten Morgen zu entscheiden, was zu tun sei.

In den folgenden zwei Tagen herrschte in der Stadt eine angespannte Atmosphäre. Geschäfte waren geöffnet, Autos fuhren – auch, wenn viele in Richtung Stadtausgänge unterwegs waren. Schulen, Universitäten und viele Behörden blieben geschlossen. Immer wieder waren Explosionen zu hören, woraufhin sich Wellen von Bewegung durch die Straßen zogen, begleitet von den immer gleichen Fragen: „Was wurde getroffen?“, „Wer wurde getötet?“ In den Straßen waren zahlreiche Kontrollpunkte errichtet worden: bedrohlich wirkende, schwer bewaffnete Männer mit Masken, die ihre Gesichter vollständig verdeckten, kontrollierten Fahrzeuge und hielten einige zur Durchsuchung an. Ich fragte mich, wonach sie suchten. Alkohol? Fotos der Proteste? Nachrichten auf Telegram? Wir senkten den Blick und gingen schnell weiter. In ihren Augen lagen Wut und Misstrauen. Der Krieg hatte mitten in der Phase größter Spannungen zwischen Bevölkerung und Regime begonnen – und diese Männer betrachteten jeden Passanten als potenziellen Feind.

Am Tag nach Kriegsbeginn funktionierten SMS und Inlandstelefonie teilweise wieder. Gleichzeitig verschickte der Staat massenhaft Nachrichten an alle Bürger: „Der Führer der Umma ist als Märtyrer gefallen“, „Irans Antwort wird diesmal noch vernichtender sein“, „Die Staatsanwaltschaft wird hart gegen opportunistische Elemente vorgehen“, „Trump hat die Zerschlagung Irans angekündigt“, „27 US-Militärbasen wurden getroffen“.

Weder die Spekulationen oppositioneller Medien noch die Behauptungen des Regimes konnten uns beruhigen. Wir wussten nicht, was tatsächlich geschah – nur, dass in diesem Krieg jeder unter dem Vorwurf der Spionage für Israel verhaftet werden konnte. Wir sorgten uns um jene, die seit Januar in Haft waren und nun entweder hingerichtet oder bei Angriffen getötet werden könnten. Gleichzeitig hielt mich eine seltsame Erwartung in Teheran fest: Was, wenn das Regime fällt und ich nicht da bin? Was, wenn die Proteste wieder aufflammen und ich bin nicht dabei? Doch meine Gastgeber beschlossen, in den Norden des Landes zu fahren – und ich verließ gezwungenermaßen die Stadt.

Rasht: Schwebezustand und Stille

Am dritten Kriegstag verließen wir die Hauptstadt. Die Strecke nach Rasht, mit dem Auto normalerweise vier bis fünf Stunden, dauerte nun über zwölf Stunden. Die Straßen waren überfüllt. Vom vierten bis zum 34. Tag des Krieges blieb ich in der Stadt nördlich von Teheran am Kaspischen Meer. Die Menschen lebten im Bann von Gerüchten und unbestätigten Nachrichten. Niemand hatte Zugang zum Internet. Ein Freund sollte bald nach Europa reisen, konnte aber ohne Internet nicht einmal E-Mails schreiben. Ein anderer hatte ein internationales Projekt, das komplett stillstand. Wieder eine andere suchte verzweifelt nach Medikamenten für ihre Autoimmunerkrankung.

Nachrichten kamen entweder aus staatlichen Medien, die von „Kontrolle der Lage“, „bevorstehendem Sieg“ und „harter Vergeltung“ sprachen, oder aus Satellitensendern, die den Zusammenbruch des Regimes vorhersagten. Zwischen diesen überzeichneten Gegenerzählungen war kein Raum für ein Narrativ, das der Realität nahekam.

Eines Tages gelang es mir mit Hilfe eines Freundes im Ausland, kurzzeitig ins Internet zu gelangen. Auf Twitter sah ich kaum mehr als drei oder vier Nutzer aus Iran. Ich schämte mich fast, die einzige Person in meinem Umfeld mit Zugang zum globalen Netz zu sein. Als ich durch die Straßen ging, fiel ich als einzige Passantin mit dem Handy in der Hand auf – die Leute schauten mich an. Der Kioskverkäufer, bei dem ich oft Zigaretten kaufe, fragte mich, als er mitbekam, dass ich in Teheran gewesen war: „Stimmt das, was man über Teheran hört?“

Abends fanden regimetreue Kundgebungen statt. Einmal geriet ich zufällig hinein. In einem T-Shirt, ohne Kopftuch, ging ich an den Teilnehmenden vorbei und versuchte, ruhig zu bleiben. Plötzlich sah mir ein Mann, der einen Lautsprecher trug, in die Augen und rief: „Tod den Heuchlern, Tod den Verrätern!“ Die Menge antwortete: „Tod Israel, Tod Amerika!“ Ich entfernte mich schnell.

Auf meinem Handy erschienen wieder staatliche SMS: „Helfen Sie bei der Identifizierung feindlicher Drohnen.“ „Das Büro Netanjahus wurde getroffen.“ „Globale Finanzmärkte im freien Fall.“ „Vermögen von Kollaborateuren wird beschlagnahmt.“

Für viele waren diese Nachrichten die einzige Verbindung zum Krieg. Gleichzeitig verbreiteten sich über informelle Kanäle Berichte über zerstörte Häuser, zivile Opfer und beschädigte Infrastruktur. Die Spannungen zwischen den Menschen nahmen zu, jeder beschuldigte den anderen des Verrats. Die Kluft zwischen dem, was gesagt und dem, was tatsächlich erlebt wurde, wuchs täglich.

Isfahan: Erschöpfung unter rotem Himmel

In den letzten Tagen des Kriegs vor dem Waffenstillstand erreichten Erschöpfung und Lähmung ihren Höhepunkt. Weniger wurde über getötete Funktionäre berichtet, stattdessen mehr über zerstörte Fabriken, Brücken und Infrastruktur. Gleichzeitig häuften sich Meldungen über Hinrichtungen politischer Gefangener und Demonstranten aus dem Januar – oft kurze, unscheinbare Nachrichten, die im Strom der Kriegsberichte untergingen.

Einer der Hingerichteten war ein Mann in meinem Alter, den ich von früher von Partys und Hiking-Gruppen kannte. Seine Mutter, seine Schwestern und sein Bruder waren kurz vor dem Krieg verhaftet worden. Sein Vater erfuhr von der Hinrichtung seines Sohnes über eine Einblendung im Staatsfernsehen: „Ein Element des Feindes wurde hingerichtet.“

Wir, die wir uns sagten, dass die Vergeltung, die man eigentlich am „Feind“ zu üben gedachte, in Wahrheit an uns vollzogen wird, legten unsere Vorsicht ab und fassten den Entschluss, nach Isfahan zu reisen, zu seiner Familie – in eine der gefährlichsten Regionen des Krieges. Die Straßen dorthin waren ungewöhnlich leer; die meisten wollten raus aus der Stadt, nicht dorthin. Denn die Stadt wird wie kaum eine andere bombardiert. Tagsüber wirkte Isfahan fast ruhig. Doch nachts, etwa ab Mitternacht, hörten wir heftige Explosionen, und die Fensterscheiben der Häuser erzitterten. Unsere Freunde berichteten von Todesfällen und Zerstörungen, die ihnen mündlich, von Mensch zu Mensch, zugetragen worden waren. Kaum noch jemand glaubte an die Versprechen eines „Regime Change“ oder an die großspurigen Parolen der Politiker. Alle warteten darauf, dass der Krieg endete, um zu begreifen, um wie viel schlechter ihr Leben im Vergleich zu vorher geworden sein würde.

Ich befand mich in Isfahan, als der Waffenstillstand verkündet wurde. Am nächsten Tag gingen wir mit einer Karaffe Wein und Sandwiches zu einem Picknick und versuchten, nicht an den kommenden Tag zu denken. Als dieser dann kam, kehrte ich nach Rasht zurück. Die Landstraßen und Autobahnen waren diesmal von einem Ende bis zum anderen überfüllt. Die Menschen nutzten den Waffenstillstand, um geschäftlich oder zum Vergnügen zu reisen, oder es waren Kriegsvertriebene, die nach Isfahan und Teheran zurückkehrten.

Doch das Ende der Kämpfe bedeutete nicht das Ende des Schwebezustands und der Repression. Das Internet ist weiterhin abgeschaltet, der Staat stellt derzeit einigen Angestellten und Studierenden rationiert einige Gigabyte zur Verfügung; andere, wie ich, sind gezwungen, gegen hohe Summen ein paar Gigabyte zu kaufen. Gerüchte über eine dauerhafte Fortsetzung dieser Beschränkungen und eine endgültige Abschaltung des globalen Internets für die Menschen in Iran machen die Runde – und versetzen alle in Sorge und Wut. Zugleich sehen wir uns mit Berichten über massenhafte Entlassungen von Angestellten und Arbeitern sowie mit drastischen Preissteigerungen bei Lebensmitteln und Medikamenten konfrontiert und fragen uns unablässig: Werden wir im nächsten Jahr noch Strom haben? Werde ich in ein paar Monaten noch über die Luftgrenzen Irans reisen können? Werden wir jemals wieder Zugang zum Internet haben?

Während ich dies schreibe, erfüllt mich der politische Schwebezustand in Iran mit Sorge. Wir wissen nicht, was wir unter unserem echten Namen noch schreiben können, wie weit Protest noch möglich ist und welchen Preis politisches Handeln – sofern es ohne Internet überhaupt möglich ist – haben wird. Inmitten der Nachrichten über den Waffenstillstand und die Möglichkeiten einer Wiederaufnahme des Krieges oder neuer Verhandlungen erreichen uns täglich Meldungen über Hinrichtungen – während die Familien der Exekutierten nicht einmal Zugang zum Internet haben, um ihre Stimme des Protests und der Suche nach Gerechtigkeit hörbar zu machen.

* Arnavaz heißt in Wirklichkeit anders – ihr Name ist der Redaktion bekannt.

Foto: © Mohammad Jalaee