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Deutsch-iranische BeziehungenNukleare Kooperation – ein krimireifer Deal

Die Deutschen sollten das erste Atomkraftwerk im Iran bauen. Und hatten damit auch bereits begonnen - doch dessen Fertigstellung übernahmen dann die Russen. Geschichte und Hintergründe eines krimireifen Deals. mehr »

Nach dem Sturz des Schahs und der Errichtung der Islamischen Republik legten die neuen Machthaber alle Projekte des alten Regimes zunächst auf Eis. Iran1 und 2 blieben davon nicht verschont. Im Juli 1979 beschloss die revolutionäre Regierung von Mehdi Bazargan, den Bau der AKW in Buschehr zu stoppen.

Nachdem die Forderung der KWU zur Zahlung einer Rate von 450 Millionen DM nicht erfüllt wurde, stellte die KWU ihrerseits ihre Arbeiten ein. Der Iran hatte zu diesem Zeitpunkt bereits 5,5 Milliarden DM der Baukosten entrichtet.

1980 forderte der Iran die KWU dann auf, das Projekt entweder weiterzuführen oder die vom Iran geleisteten Zahlungen zurückzuerstatten. Die KWU war nicht einverstanden, weshalb der Iran vor internationalen Gerichten klagte. Nach juristischen Auseinandersetzungen entschied 1982 die Internationale Handelskammer (ICC) schließlich, dass die KWU die nicht gelieferten Teile der Reaktoren an den Iran liefern müsse. Kompensation für die Nicht-Fertigstellung der AKW erhielt die Islamische Republik jedoch ebenso wenig wie für die bereits bezahlten Brennelemente.

Der Krieg 1980 bis 1988

In den folgenden Jahren unternahm der Iran Anstrengungen, Deutschland und die KWU für die Vollendung der AKW zu gewinnen. Die Baustellen in Buschehr wurden zwischen 1985 und 1988 mehrmals durch die irakische Luftwaffe bombardiert und schwer beschädigt. Bei einem dieser Angriffe wurden einige Arbeiter auf dem AKW-Gelände getötet, unter ihnen der deutsche Ingenieur Jürgen Schäfer – ein Hinweis darauf, dass noch zu dieser Zeit Deutsche in das Projekt involviert waren.

Im Oktober 1985 begutachtete eine Gruppe von KWU-Experten die beschädigte Anlage. Im Oktober 1986 gab es Überlegungen, im Rahmen eines Konsortiums aus Argentinien, Spanien und Deutschland den Bau der Reaktoren zu vollenden. Doch nach Druck aus den USA blieben diese Überlegungen folgenlos.

Internationale Sanktionen wegen des Atomprogramms und Missmanagement haben die Armut im Iran verschärft

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Zwischendurch soll es immer wieder vage Zusagen Deutschlands gegeben haben, nach der Beendigung des Irak-Iran-Krieges das Buschehr-Projekt vollenden zu wollen. Im September 1989 gab es noch einmal einen Vorstoß von Reza Amrollahi, dem damaligen AEOI-Chef, unter der Vermittlung der Internationalen Atomenergie Behörde in Wien (IAEA) die Beziehungen zu Deutschland auf dem Gebiet der nuklearen Zusammenarbeit zu revitalisieren.

Diese Bemühungen blieben jedoch fruchtlos. Im Juni 1991 erteilte der damalige deutsche Wirtschaftsminister Jürgen Möllemann (FDP) offensichtlich unter dem Druck der USA der atomaren Zusammenarbeit mit der Islamischen Republik Iran eine dezidierte Absage. Daraufhin setzte die KWU im August 1992 den Vertrag zum Bau der AKW in Buschehr endgültig außer Kraft.

Waren die Kosten gerechtfertigt?

Im Rahmen eines Projektes zur Oral History des Iran äußerte sich 1982 der erste Nuklear-Cheftechniker des Iran, Akbar Etemad – seit der Revolution im Exil lebend -, zu den damaligen Vorgängen. Er erklärte unter anderem, Maßnahmen gegen eventuelle Korruption getroffen zu haben:

  • Was die im AKW-Projekt involvierten Ausländer anbelangt, habe er den Geschäftspartnern nahegelegt, jegliche zwielichtige Einflussnahme hinsichtlich der Gestaltung der Geschäftsbeziehungen zur AEOI zu unterlassen, ansonsten würden sie vom Geschäft ausgeschlossen.
  • Der damalige iranische Premierminister Amir Abbas Howaida sollte auf Befehl des Schahs über diplomatische Kanäle die betreffenden Länder sowie die Geschäftspartner darüber unterrichten, jegliche abwegige Geschäfte zu unterlassen.

Was war wirklich geschehen?

Etemad berichtete auch, dass er, nachdem er nicht mehr Chef der AEOI war, den ehemaligen Staatssekretär im BMFT, Hans Hilger Haunschild, getroffen habe. Dieser hätte ihm mit Bedauern mitgeteilt, dass durch die Vermittlung des ehemaligen deutschen Botschafters im Iran, Georg von Lilienfeld, der Führung der KWU nahegelegt worden sei, im Interesse eines reibungslosen Fortgangs des Projektes gewisse einflussreiche Persönlichkeiten im Iran „zu bedienen“. Und die KWU habe sich dazu auch verleiten lassen.

Waren Schmiergelder geflossen?
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