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Zwangsverschleierung als Symbol der Gewalt gegen Frauen

Öffentlich über Gewalt gegen Frauen zu sprechen, wird von den Machthabern der Islamischen Republik Iran nicht toleriert. Deshalb sorgen iranische FrauenaktivistInnen außerhalb des Landes per Internet für Sensibilität in diesem wichtigen Diskurs. Eine Bestandsaufnahme von der Frauenrechtlerin und Publizistin Mansoureh Shojaee. mehr »

Im November 1960 wurden in der Dominikanischen Republik die Schwestern Mirabal, bekannt als „die Schmetterlinge“, von Militärs des damaligen Diktators Rafael Trujillo verschleppt und ermordet. Der Grund: Sie hatten sich für Demokratie und Gleichberechtigung eingesetzt. Nach jahrelangem Bemühen von Frauenaktivistinnen wurde zur Erinnerung an die drei Schwestern der 25. November zum internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen erklärt.

Während der reformistischen Regierung unter Mohammad Khatami (1997-2005), als sich der Iran politisch öffnete, bekamen auch iranische Frauenaktivistinnen die Möglichkeit, an dem Gedenktag Veranstaltungen zu organisieren. Je nach politischer Lage und Freiheit veranstalteten iranische Frauenrechtlerinnen auch in den folgenden Jahren Konferenzen und Seminare, öffentliche Demonstrationen oder publizierten Spezialausgaben von Print- oder Onlinemedien zum Thema Gewalt gegen Frauen.

Kleidung als Instrument des Widerstands

Die Zwangsverschleierung war für die iranischen Aktivistinnen immer ein Symbol der Gewalt gegen Frauen. Angesichts der überempfindlichen Reaktion des Regimes in Sachen Kleidervorschriften jedoch ließ man das Thema auf sich beruhen. Viele iranische Frauen leisteten mit ihrer Kleidung im öffentlichen Raum Widerstand gegen die islamischen Kleidervorschriften des Regimes. Eine gezielte und kollektive Initiative gegen das Thema Zwangsverschleierung jedoch haben die Aktivistinnen nicht ins Leben rufen können. Eine öffentliche Debatte war weder zur Zeit von Khatami noch in der Ära seines Nachfolgers Mahmoud Ahmadinedschad möglich.

"Schleier: Freiwillig oder gezwungen?" - selbst die den Ultrakonservativen nahestehende Website afsaran.ir beschäftigte sich mit der brisanten Frage der Zwangsverschleierung

„Schleier: Freiwillig oder gezwungen?“ – selbst die den Ultrakonservativen nahestehende Website afsaran.ir beschäftigte sich mit der brisanten Frage der Zwangsverschleierung

Als viele zivilgesellschaftliche AktivistInnen und Frauenrechtlerinnen in Folge der umstrittenen Präsidentschaftswahlen von 2009 den Iran verlassen mussten, nutzten sie die Möglichkeiten der Online-Medien und sozialen Netzwerke, um den Diskurs auszuweiten. Die Diskussion, die in der realen Welt nicht möglich war, wurde so in unterschiedliche Schichten der Gesellschaft in- und außerhalb des Iran transportiert. Die Diskussionen über Gewalt an Frauen ließen das Thema Zwangsverschleierung nach und nach zum Symbol der Gewalt an Frauen werden.

Die Rolle im Ausland lebender Feministinnen

Der Aufenthalt in demokratischen Ländern beeinflusste die Sicht von Frauenaktivistinnen auf das Thema Gewalt an Frauen und stärkte sie darin, den Diskurs über die obligatorische Verschleierung als Symbol staatlicher Gewalt an iranischen Frauen zu forcieren. Das Thema Zwangsverschleierung  und die gewaltsamen Reaktionen der Sittenwächter auf Verletzungen der im Iran geltenden Kleidervorschriften wurde zu unterschiedlichen Anlässen, etwa zum internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen, in Artikeln, Interviews, Reden oder Facebook-Posts behandelt.

Ab 2012 lebten sich nach 2009 geflüchteten IranerInnen, die vor allem FrauenaktivistInnen und StudentInnen waren, langsam im Ausland ein. Von da an konzentrierten sie sich mehr und mehr auf Aktionen im Iran. Die Bedeutung der sozialen Netzwerke bei der Unterstützung solcher grenzübergreifenden Kampagnen war und ist nicht zu übersehen.

Die offene und hierarchiefreie Atmosphäre von Facebook fand vor allem beim „Feminismus in der Diaspora“ Zuspruch. So konnten Exil-Iranerinnen über das Thema Zwangsverschleierung nicht mehr nur im Geheimen oder indirekt, sondern offen und laut mit einem breiten Publikum sprechen. Damit wurde die Bewegung, die von iranischen Frauen in der realen Welt begonnen worden war, von Iranerinnen im Ausland fortgesetzt werden.

Drei Kampagnen:

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