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Indien ersetzt iranisches Öl mit amerikanischem

Indien importiert immer weniger iranisches Rohöl, dagegen steigt der Ölimport aus den USA: 15 Millionen Barrel sollen es in diesem Jahr werden, acht Millionen waren es 2017. Verdrängen die angekündigten US-Sanktionen gegen den Iran iranisches Öl vom Markt und kommen dem Öl-Export der USA zugute? mehr »

Indien deckt seinen Bedarf an Rohöl vor allem aus dem Iran und aus Venezuela. Laut der Organisation der ölexportierenden Ländern (OPEC) belief sich das Gesamtvolumen der iranischen Ölexporte 2017 auf gut 2,1 Millionen Barrel pro Tag. Indien ist dabei nach China der zweitgrößte Abnehmer iranischen Rohöls, das Land importiert 18 Prozent des gesamten iranischen Exports. Die Einfuhr iranischen Öls hatte noch im vergangenen Jahr um 114 Prozent gegenüber 2016 zugenommen.

Doch der Rückzug Amerikas aus dem mühsam ausgehandelten Atomabkommen zeigt langsam Wirkung. Im Juni importierte Indien 16 Prozent weniger iranisches Öl als im Monat davor. US-Präsident Donald Trump hat unmittelbar nach dem Austritt seines Landes aus dem Atomdeal angeordnet, dass die mit dem Deal ausgesetzten Sanktionen nach und nach wieder greifen. Die Handelsbeschränkungen, die das iranische Ölgeschäft betreffen, treten am 4. November wieder in Kraft. Ab diesem Datum müssen sich Firmen praktisch zwischen dem iranischen Markt und dem US-Markt entscheiden.

Leeres Versprechen

Zwar hatte der indische Außenminister Sushma Swaraj seinem iranischen Amtskollegen Mohammad Javad Zarif noch Ende Juni versichert, das Ölgeschäft mit dem Iran werde unter den wiederkehrenden US-Sanktionen nicht leiden, Indien werde sich an die UN-Sanktionen halten und nicht an die von Drittländern. Doch handeln die Regierung in Neu-Delhi und die indischen Raffinerien anders. Ebenfalls im Juni wies das indische Ölministerium die Raffinerien an, sich angesichts des Inkrafttretens der US-Sanktionen am vierten November auf die Verminderung der Öl-Einfuhr aus dem Iran einzustellen.

Auch Indiens Import von Rohöl aus Venezuela ist seit Anfang 2018 um einundzwanzig Prozent eingebrochen – ebenfalls aufgrund von US-Sanktionen. Venezuela befindet sich in einer schweren Krise. Missmanagement und fehlende Investitionen machen sich unter anderem bei der Ölförderung bemerkbar.

Indiens Regierung beschwört enge Zusammenarbeit mit dem Iran, bereitet sich gleichzeitig für mehr Einfuhren des US-amerikanischen Erdöls - Foto (www.irna.ir): Irans Präsident Hassan Rouhani und Indiens Premierminister Narendra Modi

Indiens Regierung beschwört enge Zusammenarbeit mit dem Iran, bereitet sich gleichzeitig für mehr Einfuhren des US-amerikanischen Erdöls – Foto (www.irna.ir): Irans Präsident Hassan Rouhani und Indiens Premierminister Narendra Modi

 

Laut der Internationalen Energieagentur dürfte Indien die Kompensation der Importrückgänge von Öl aus dem Iran und Venezuela schwer fallen. Einige indische Raffinerien jedoch reagierten prompt. Sie sollen sogar technische Vorbereitungen für eine Umstellung auf das Rohöl aus den USA schon getroffen und mit der Einfuhr aus Amerika begonnen haben.

Preisanstieg droht

Die USA wollen Ölimporte aus dem Iran weltweit auf Null reduzieren. Sie haben ihre Verbündeten – darunter Indien und Japan – dazu aufgerufen, den Import vom Erdöl aus dem Iran bis zum 4. November zu stoppen. Unter den „schwersten Sanktionen der Geschichte“ – wie der US-Außenminister Mike Pompeo sagte – und dem daraus resultierten finanziellen Druck soll das islamische Regime in Teheran sein Atom- und Raketenprogramm beilegen und Zugeständnisse in seiner regionalen Außenpolitik machen.

Die durch die US-Sanktionen verursachte Versorgungslücke dürfte zwar auf dem globalen Ölmarkt nicht unbemerkt bleiben, wird jedoch keinen Preisschock auslösen. Russland und die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) haben sich darauf geeinigt, die Fördermenge wenn nötig zu erhöhen. Allein der Erzrivale Irans in der Region, Saudi-Arabien, kann nach eigenen Angaben rund zwei Millionen Barrel mehr Öl am Tag produzieren. Von der täglichen Ölfördermenge des Iran von rund 3,8 Millionen Barrel gehen aktuell etwas über 2,1 Millionen in den Export.

Auch die USA und Libyen können mehr Öl fördern. Ein möglicher hungriger Abnehmer steht auf jeden Fall bereit: Indien. Japan, die Türkei und Südkorea sind neben China weitere wichtigste Importeure iranischen Öls.

Laut der US-amerikanischen „Energy Information Administration“ wurden im Juni täglich 228.000 Fass Rohöl aus den USA nach Indien geschifft. Dies stellt einen neuen Rekord dar gegenüber dem bisherigen von 98.000 Barrel pro Tag im September 2017. Und die USA wollen im laufenden Jahr mehr als 15 Millionen Barrel Öl nach Indien liefern. 2017 waren es insgesamt acht Millionen.

  SEPEHR LORESTANI

Übertragen aus dem Persischen und überarbeitet von IMAN ASLANI

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