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Spektakuläre Kunstaktion für Obdachlose

Iranische KünstlerInnen zeigen sich gesellschaftlich und ökologisch engagiert: Während namhafte Filmstars auf eine ungewöhnliche Weise Geld für Obdachlose sammeln, fordern andere Kunstschaffende die Politik auf, einen Wald zu retten. Zu Wort meldet sich auch eine iranische Sängerin, die erklärt, warum sie nur im Ausland auftritt. Kultur-Nachrichten aus dem Iran. mehr »

Zahlreiche Berühmtheiten der iranischen Filmindustrie haben zum iranischen Neujahrsfest Nouruz angekündigt, sich an einer Charity-Auktion mit dem Namen „Hasht-Sin: Sarpanah“ zu beteiligen. Bei dieser Auktion versteigern die FilmkünstlerInnen ihre für ihr Schaffen erhaltenen Preise, um Geld für den Bau von Unterkünften für obdachlose IranerInnen zu sammeln.

„Ich widme meinen wichtigsten Preis all den Frauen und Männern meiner Heimat, denen es vergönnt ist, ein Dach über dem Kopf zu haben“, zitieren iranische Medien etwa die Filmschauspielerin Fatemeh Motamed-Arya, die ihren Goldenen Phoenix versteigern wird, den sie 2005 beim Internationalen Fajr-Filmfestival für ihre Rolle in dem Film „Gilaneh“ erhielt. Sie wolle „Teil dieses großartigen humanitären Projekts“ sein, so Motamed-Arya.

Man dürfe nie vergessen, dass es Menschen im Iran gebe, die weder ein Dach über dem Kopf noch eine Familie hätten, mit der sie Nouruz feiern könnten, sagt auch der Filmkünstler Parviz Parastoui, der wie seine KollegInnen Motamed-Arya, Reza Kianian, Bahram Radan, Mahnaz Afshar, Bahman Farmanara und Rakhshan Bani-E’etemad seine Auszeichnungen für die Versteigerung stiftete.

Ins Leben gerufen wurde die Charity-Auktion von der Regisseurin Rakhshan Bani-E’etemad, die ursprünglich mit dem Verkauf eines ihrer Preise Geld für obdachlose Frauen sammeln wollte. Die „Hasht-Sin: Sarpanah“- Aktion („Acht S: Schutzdach“) blieb aber nicht auf Frauen beschränkt. Der Name des Wohltätigkeitsprojekts ist eine Anspielung auf die iranische Neujahrstafel Haft-Sin (Sieben S), die aus sieben Lebensmitteln besteht, die mit dem Buchstaben „S“ beginnen, und von IranerInnen zu Nouruz gedeckt wird. „Sarpanah“ (Schutzdach) sei das achte „S“, so die Idee der Initiatorin.

Kulturschaffende wollen Schutz von Wäldern

Rakhshan Banidetemad und ihr Preis - Foto: aftabir.com

Rakhshan Banidetemad hat für sozialkritischen Filme mehrere internationale Preise erhalten

Doch nicht nur das Schicksal Obdachloser beschäftigt dieser Tage die Gedanken der iranischen Kulturschaffenden. 130 Persönlichkeiten aus der Musik- und Filmbranche haben in einem offenen Brief Irans Staatspräsidenten Hassan Rouhani dazu aufgerufen, mehr für den Schutz des Mazichal-Waldes im Nordiran zu unternehmen. „Als Menschen, denen Kultur und Natur des Iran am Herzen liegen, rufen wir Sie dazu auf, sich an unsere Seite zu stellen und den Mazichal-Wald als ‚unberührbar‘ zu erklären. Kämpfen Sie mit uns gegen die Profitgier der Bauunternehmer“, heißt es in dem Schreiben. Die Erhaltung des Mazichal-Wald sei die Erhaltung eines nationalen Schatzes, „der atmet und uns mit seinem Atem Leben schenkt“, so die UnterzeichnerInnen des Briefes.

Der Mazichal-Wald nahe der Stadt Kelardasht in der Provinz Mazandaran gilt als einer der ältesten Wälder der Region. In den vergangenen Jahren sind jedoch viele seiner Bäume dem Bau von Straßen und Villenanlagen zum Opfer gefallen.

Im ganzen Iran verschwanden in den vergangenen zehn Jahren laut dem Leiter der iranischen Wälder-Organisation, Khoda Karam Jalaki, etwa 14.000 Hektar Waldfläche. Nun plane die iranische Wälder-Organisation, in den kommenden zehn Jahren rund fünf Millionen Hektar Waldgebiete aufzuforsten, sagte Jalali der Nachrichtenagentur ISNA. Anfang März hatte sogar Irans geistlicher Führer und De-facto-Staatsoberhaupt Ayatollah Seyyed Ali Khamenei die voranschreitende Vernichtung der iranischen Wälder kritisiert. Selbst für den Bau neuer Theologieschulen dürften zukünftig keine Wälder mehr abgeholzt werden, warnte der Geistliche bei einem Treffen mit Verantwortlichen aus dem Umweltschutzbereich.

Kino-Boom im Gottesstaat

Irans Kinos konnten offiziellen Angaben zufolge im iranischen Kalenderjahr 1393 (21. März 2014 bis 20. März 2015) etwa 19 Millionen US-Dollar einspielen, doppelt so viel wie im Jahr zuvor. „1393 war ein gutes Jahr für die iranischen Kinos. Es wurde viel Geld in die Kassen gespült, obwohl die Ticketpreise nicht angehoben wurden“, sagte Filmproduzent Ali Sartipi der Nachrichtenagentur ISNA. Wesentlich beigetragen zu den guten Zahlen habe Marzieh Boroumands Film „Stadt der Mäuse 2“, den Sartipi produziert hat. Der Kinderfilm spielte rund vier Millionen US-Dollar ein. Doch auch „gute neue Kinoanlagen wie der Teheraner ‚Kurosh Cine-Komplex’“ hätten großen Anteil daran, dass mehr Menschen ins Kino gingen, so Sartipi. Um noch mehr Menschen in die Kinos zu locken, sei es unbedingt notwendig, einen Teil der Einnahmen in technische Aufrüstung der Filmspielhäuser zu investieren. Davon werde die Filmindustrie profitieren, glaubt der Produzent.

Mahsa Vahdat: „Meine Kunst soll für alle da sein“

Mahsa Vahdat wird aus Protest gegen die Diskriminierung der Sängerinnen nicht mehr im Iran auftreten

Mahsa Vahdat wird aus Protest gegen die Diskriminierung der Sängerinnen nicht mehr im Iran auftreten

In einem Gespräch mit der Deutschen Welle hat die iranische Sängerin Mahsa Vahdat über die Einschränkungen geklagt, denen Musikerinnen im Iran unterworfen sind. Lange Zeit habe sie gehofft, dass ihre Auftritte vor rein weiblichem Publikum ein Zwischenschritt in Richtung des Ziels seien, vor gemischtem Publikum aufzutreten, so Vahdat. Als sie erkannt habe, dass die Kulturverantwortlichen in der iranischen Politik die Geschlechtertrennung nicht aufgeben, habe sie den Entschluss gefasst, nicht mehr im Iran aufzutreten. „Ich werde im Iran erst dann wieder singen, wenn es keine Geschlechtertrennung im Konzertsaal mehr gibt. Meine Kunst soll für alle da sein. Wenn ich meinen Idealen treu bleiben möchte, kann ich es nicht vor mir selbst rechtfertigen, nur vor Frauen zu singen“, so die 42-Jährige, die im Ausland für ihr musikalisches Schaffen und ihr Eintreten für musische Freiheiten mehrfach ausgezeichnet wurde. „Iranische Frauen haben sich in den vergangenen Jahren in der Kunst, der Kultur und der Wissenschaft Namen gemacht und Einfluss gewonnen. Das macht den Machthabern Angst.“

Seit der islamischen Revolution 1979 ist Frauen im Iran das Solo-Singen vor gemischtem Publikum verboten. Nach Meinung der Konservativen verführt die weibliche Stimme Männer zur „Amoralität“. Sängerinnen dürfen aus diesem Grund nur im Chor oder in Ensembles gemeinsam mit Männern auftreten.
  JASHAR ERFANIAN