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Humor, Empathie & Leidenschaft

“Treffen sich zwei Iraner …“ ist nicht der Beginn eines Witzes, sondern der Beginn einer ganzen Tirade an Jokes und Scherzen. Iraner lieben es, sich Witze zu erzählen. Der irano-amerikanische Stand-up-Comedian Max Amini setzt diese Leidenschaft in der Diaspora fort. Weltweit erschüttert er die Zwerchfelle der IranerInnen inner- und außerhalb des Iran. Kurz vor seiner Deutschlandtournee stand der Ausnahme-Comedian dem IRAN JOURNAL für ein Interview zur Verfügung.  mehr »

Iran Journal: Herr Amini*, Sie reisen durch die westliche Welt und bringen Leute zum Lachen. Ein Aspekt des Lachens besteht darin, den Gemeinschaftssinn zu fördern. Ist es Ihre Absicht, die iranische Identität in der Diaspora zu stärken?

Max Amini: Hundert Prozent. Alle KünstlerInnen möchten unterschiedliche Menschen miteinander verbinden und die Liebe in einer Community fördern, und ich bin keine Ausnahme. Ich habe die Möglichkeit, vor großem Publikum aufzutreten, und wenn ich sehe, dass an einem Abend 1.000 Menschen in einem Raum mit mir zusammen sind, miteinander lachen und Spaß haben, ist das für mich die größte Freude. Das gibt mir auch Kraft, meine Arbeit permanent zu perfektionieren.

In einigen Shows in englischer Sprache mischen Sie auf sehr charmante Weise typisch amerikanische Stand-up-Comedy mit ebenso typischen iranischen Verhaltensweisen oder Mustern, mit Situationen umzugehen. Sehen Sie sich selbst als Kulturbotschafter?

Das ist weniger eine Frage als ein Kompliment. Ja, natürlich. Meine ZuschauerInnen bei den englischen Shows kommen aus unterschiedlichen Kulturkreisen, und ich fühle mich verpflichtet, das Renommee der Iraner so gut wie möglich darzustellen. Je erfolgreicher ein Iraner ist und je besser ein Iraner seine Arbeit anbietet, desto mehr trägt er zum Renommee aller IranerInnen in der ganzen Welt bei.

Max Amini: Ich fühle mich verpflichtet, das Renommee der Iraner so gut wie möglich darzustellen!

Max Amini: Ich fühle mich verpflichtet, das Renommee der Iraner so gut wie möglich darzustellen!

Ein weiterer Aspekt von Komödie und Lachen – speziell auch in Ihren Shows – ist eine freundliche Einladung zur Selbstreflexion. Kommt es vor, dass Leute sich beschweren, wenn Sie ihnen einen Spiegel vorhalten?

Das kommt nur sehr selten vor. Alles geht zurück auf die Absicht, die hinter allem steht. Ich bin stolzer Iraner. Ich liebe meine Familie, meine Kultur und die Leute. All das kommt deutlich zum Ausdruck. Deshalb lieben mich die Leute und kommen zu meiner Show. Sie realisieren meine Beweggründe und verstehen das Konzept der Stand-up-Comedy. Mein Publikum spürt, dass das, was ich tue, reinen Herzens geschieht. Es kommt selten vor, dass jemand beleidigt ist. Die wissen, dass es mein Ziel ist, meine Liebe zu den Menschen und meiner Kultur sichtbar zu machen.

Erkennen Sie Unterschiede zwischen dem Publikum in den Vereinigten Staaten und Europa?

Mein Publikum sind Menschen aus dem Iran. Es gibt natürlich kleine Unterschiede zwischen den IranerInnen in Europa und den USA. Aber in meinen Shows gehe ich auf soziale Themen ein, auf Themen, die mit mir persönlich und meiner Kultur zu tun haben. Deshalb erlebe ich keine Unterschiede bei den Reaktionen der ZuschauerInnen.

Iraner sind große Witzeerzähler, trotzdem gibt es im Iran keine Stand-up-Comedy. Haben Sie iranische Komiker als Vorbild?

Derzeit wächst im Iran die Stand-up-Comedy. Es gibt einige Künstler, die gut sind, und es gibt ein Fernsehprogramm Namens “Khandeh-vaneh”, das diese Kunst fördert. Es kommt beim Publikum gut an, und ich bin froh darüber und fördere es auch in meiner persischsprachigen Fernsehshow “Einige Minuten mit Max Amini” bei Voice of Amerika. Wenn ich einen Komiker im Iran nennen sollte, der mir gefällt, muss ich sagen, Arham Sadr. Von ihm habe ich ein Paar Sachen auf Youtube gesehen. Sadrs Stärke war Improvisation. Ich habe von Leuten, die ihn auf der Bühne erlebt haben, gehört, dass er ein wunderbarer Improvisateur gewesen ist. Und meine Shows bestehen auch hauptsächlich aus Improvisationen.

Was bedeutet Ihnen das Heimatland Ihrer Eltern?

Das Heimatland meiner Eltern ist auch mein Heimatland. Es ist mein Erbe und Hintergrund.

Besuchen Sie manchmal Freunde und Familie im Iran?

Ich würde gern meine Familie und Freunde im Iran besuchen. Aber leider kann ich wegen meiner Arbeit und auch anderer Probleme nicht dorthin reisen.

Wann haben Sie zuletzt den Iran besucht und wie haben Sie diese Reise erlebt?

Vor etwa 23 Jahren. Jede Reise in den Iran ist eine tolle Erfahrung. Ich habe dort eine wunderbare, großartige Zeit verbracht. Ich wünschte, ich könnte öfter da sein.

Wie ist Ihre Reputation im Iran?      

Arham Sadr, einer der beliebtesten Komiker des Iran

Arham Sadr, einer der beliebtesten Komiker des Iran

In den Zeiten der sozialen Netzwerke sind die Menschen gut miteinander verbunden. Deshalb weiß ich auch, wie ich bei den Menschen im Iran ankomme. Ich bekomme von meinen Fans im Iran viele Emails und Posts und freue mich darüber, dass sie meine Arbeit mögen und mich unterstützen. Ich freue mich auch, dass Iraner so gut vernetzt sind.

Wie ist das Feedback auf Ihre Videos im Iran?  

Meine Videos sind auf Youtube. Dort kann man anhand der Klickzahlen sehen, dass viele sich die Shows anschauen. Auch die Kommentare und andere Feedbacks sind sehr positiv.

Akzeptieren die IranerInnen im Iran Ihren Humor?

Nach den Rückmeldungen zu urteilen kann ich sagen, dass meinen Humor relativ viele Menschen im Iran mögen.

Haben Sie jemals Reaktionen von iranischen Behörden auf Ihre Arbeit bekommen?      

Gar keine. Meine Themen sind nicht politisch, ich behandele in der Regel soziale Themen.

   Das Interview führte YASMIN KHALIFA

Der iranstämmige Schauspieler und Comedy-Star Max Amini wurde 1981 in Tucson/Arizona geboren. Noch vor Abschluss seines Schauspielstudiums wirkte er in zahlreichen Film- und Fernsehproduktionen mit und startete eine Karriere als Stand-up-Comedian. 2006 avancierte er zum Star der legendären „Laugh Factory“ in Hollywood. In seinem Comedy-Programm kommen seine zum Teil recht exzentrischen Alltagsbeobachtungen über familiäre Bindungen, kulturelle Aspekte und soziale Themen zum Ausdruck. Seine Fähigkeit, auf der Bühne zu improvisieren, hebt ihn unter seinen Kollegen hervor.

Max Amini tourt mit Stand-up-Comedy in persischer Sprache vom 04. bis 14. Mai durch Deutschland. Mehr Infos:

www.maxamini.com , www.facebook.com/MaxAmini