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Erpresst Teheran die Berlinale?

Laut einer persischsprachigen Wochenzeitung soll es in Bezug auf die Auswahl iranischer Beiträge für das internationale Filmfest unter staatlichem Druck seitens des Iran zu einer „Zwangseinigung“ zwischen der iranischen Kino-Organisation „Cinema Government of Iran“ und den Berlinale-VertreterInnen gekommen sein.

Um der im Iran mit einem Ausreiseverbot belegten Dolmetscherin der Berlinale, Noushafarin Dastouri, die Ausreise aus der Islamischen Republik zu ermöglichen, habe die Berlinale zugestimmt, nur solche iranischen Filme in ihr diesjähriges Programm aufzunehmen, die eine staatliche Vorführgenehmigung haben, schreibt Kayhan London. Der einzige iranische Film im bisherigen Berinale-Programm ist der Experimentell-Film „Tamaroz“ von Abd Abest, der in der Sektion Forum gezeigt werden soll. Iranischen Medien zufolge soll der  Spielfilm „Esrafil“ auch im Forum laufen. Beide Filme haben eine offizielle Genehmigung. Laut Mastaneh Mohajer, der Produzentin von „Esrafil“, will die Berlinale den Film zwar zeigen, jedoch hätten sie und die Regisseurin Aida Panahandeh sich noch nicht für die Teilnahme an der Berlinale entschieden, so Mohajer.

Anke Leweke, die Delegierte für das iranische Kino bei der Berlinale, war im November mit ihrer Assistentin und Dolmetscherin Noushafarin Dastouri nach Teheran gereist. Vor der Rückkehr nach Deutschland am 27. November waren beide auf dem Teheraner Flughafen angehalten worden. Ihre Koffer mit 60 iranischen Filmen, darunter auch solche ohne Vorführgenehmigung im Iran, wurden von der Revolutionsgarde beschlagnahmt. Leweke konnte am nächsten Tag ausreisen, ihrer Kollegin wurde der Reisepass abgenommen und die Ausreise verboten. Die Dolmetscherin soll mehrmals verhört worden sein. Die Berlinale hat sich bisher zu dem Vorfall nicht geäußert.

Im Iran müssen FilmproduzentInnen beim Kulturministerium nicht nur eine Drehgenehmigung, sondern auch eine Vorführerlaubnis für ihre Filme beantragen. Die Werke werden dort zuvor kontrolliert und zensiert. 2015 wurde der iranische Regisseur Jafar Panahi, der im Iran zu sechs Jahren Haft und zwanzig Jahren Berufs-, Ausreise- und Interviewverbot verurteilt ist, für seinen „illegal“ gedrehten Film „Taxi“ mit dem Goldenen Bären der Berlinale ausgezeichnet. (fh)