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Let’s talk about sex: Online gegen Homophobie

Um die gesellschaftlichen und politischen Tabus rund um das Thema Homosexualität zu brechen, hat die International Gay and Lesbian Human Rights Commission (IGLHRC) mobilfunkfreundliche Webseiten erarbeitet. Ihr Ziel ist es, Lesben, Schwule, Bisexuellen und Transgenders (LGBTs) im Iran mit juristischen Verteidigungsstrategien zu unterstützen, sowie AktivistInnen und JournalistInnen offensive und kreative Taktiken im Umgang mit den Medien anzubieten. mehr »

Auch unter dem moderaten Präsidenten Rouhani hat sich die prekäre Lage LGBTs nicht gebessert. Ungeachtet der fortgesetzten staatlichen Propaganda gegen Homosexuelle hat IGLHRC ein Team aus AnwältInnen, PädagogInnen, MenschenrechtlerInnen, JournalistInnen sowie Mitgliedern und Verbündeten der LGBT-Gemeinde zusammengestellt, das innerhalb von zwei Jahren speziell auf den Iran zugeschnittene Online-Handbücher entwickelt hat. Diese „Werkzeugkästen“ wenden sich hauptsächlich an JuristInnen, AktivistInnen und JournalistInnen bei ihrer täglichen Arbeit für den Umgang mit den Themen Sexualität, Gender und den Rechten der LGBTs im Iran.

„Let´s talk about sex“

In den letzten Jahren haben auch einige Filme auf de Situation der Homosexuellen im Iran hingewiesen Foto: Eine Szene aus dem Film "Sharayet" (pardad.ir)

In den letzten Jahren haben auch einige Filme auf de Situation der Homosexuellen im Iran hingewiesen Foto: Eine Szene aus dem Film „Sharayet“ (pardad.ir)

Während die Regierung versucht, diese Seiten zu blockieren, seien erste Feedbacks der LGBTs im Iran zu den Webseiten rundweg positiv ausgefallen, sagt Hossein Alizadeh, Programmkoordinator der IGLHRC für den Mittleren Osten und Nordafrika. „Das ist ein ewiges Katz- und Mausspiel, das wir seit Jahren mit der iranischen Regierung spielen“, erklärt Alizadeh im Gespräch mit TfI. Während die Regierung danach trachte, das Thema Sexualität grundsätzlich aus den Medien zu verbannen, setze sichdie gemeinnützige Organisation IGLHRC , dieseit 2008 als Beobachter für die UN zugelassen ist, für das Gegenteil ein. Man könne der Homophobie der iranischen Regierung und Bevölkerung nur entgegenwirken, wenn man die Möglichkeit habe, aufzuklären, so Alizadeh.

Nicht nur Aufklärung

Die Handbücher liefern in erster Linie Verteidigungsstrategien für JuristInnen, die homosexuelle Frauen und Männer vor Gericht vertreten. Ebenso finden Menschen, die sich keine Rechtsbeistände leisten können, Taktiken zur Selbstverteidigung. Doch der Hauptschwerpunkt liegt auf der Aufklärung. Dabei geht es zum einen um sichere Wege für AktivistInnen, Menschenrechts-verletzungen im Bereich Homosexualität und Transgender für die UN und andere Organisationen zu dokumentieren und weiterzuleiten.

Auch die lebende Legende Googoosh hat in einem Videoclip (Paradies) für mehr Toleranz gegenüber der Homosexuellen plädiert

Auch die lebende Legende Googoosh hat in einem Videoclip (Paradies) für mehr Toleranz gegenüber der Homosexuellen plädiert

Zum anderen dienen die Handbücher iranischen JournalistInnen im In- und Ausland, eine geeignete Sprache oder Herangehensweise zu entwickeln, um Homosexualität aus der Tabuzone herauszuholen und zu diskutieren.

Deshalb finden sich auch Werbebanner der IGLHRC/Iran etwa auf gooya.com, einer der größten persischsprachigen Internetplattformen von außerhalb des Landes. Für Alizadeh ist es dabei nicht in erster Linie wichtig, möglichst viele Menschen zu gewinnen. Ziel sei vor allem, dass Menschen sich dem Thema „Homosexualität ist Menschenrecht“ öffnen, so der Aktivist.

Kleine Erfolge

Immer wieder fordert die IGLHRC gemeinsam mit anderen Organisationen wie Amnesty International oder der Iranian Queer Organisation die iranische Regierung dazu auf, Todes- und Folterstrafen für Homosexualität abzuschaffen. Oder sie kämpft für die Freilassung von Gefangenen, die wegen ihrer sexuellen Neigungen verhaftet wurden. Bisher hat die islamische Regierung zwar auf solche Appelle nicht reagiert, doch es gebe erste Anzeichen dafür, dass sich etwa bewege, so Alizadeh: „Es hat sich etwas im Klang verändert, wie über Homosexualität gesprochen wird.“ Die Regierung benutze „Worte und Wendungen, die von schwuler Seite etabliert wurden“, so der Aktivist. Das sei zwar nicht der große Durchbruch, aber ein Indikator für eine veränderte Wahrnehmung.

Und auch, wenn es bisher noch nicht so aussieht, als würde in absehbarer Zukunft im Iran der Christopher Street Day (CSD) gefeiert werden, ist Alizadeh optimistisch: „Man soll niemals nie sagen.“ Auch in São Paolo seien zu Beginn des Milleniums weniger als 100 Menschen zum CSD auf die Straße gegangen: „Jetzt findet dort die weltweit größte Gay Pride Parade statt.“

  YASMIN KHALIFA

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