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Die iranische Nationalelf stürmt Brasilien

Seitdem sich die iranische Nationalelf im Juni 2013 für die WM qualifiziert hat, befindet sich der Iran im Fußballfieber. Und die Fieberkurve steigt. Am 16. Juni wird die iranische Mannschaft ihr erstes Gruppenspiel in Brasilien absolvieren. Zum vierten Mal nimmt der Iran an dem sportlichen Großereignis teil. Bisher schieden die iranischen Fußballer allerdings immer bereits in der Gruppenphase aus. Dieses Jahr soll aber alles anders werden. mehr »

Bisher hat die iranische Fußballnationalmannschaft nur mit einer Nachricht in den deutschen Medien für Schlagzeilen gesorgt: dem untersagten Trikottausch. Den Fußballern stünden nicht für jedes Spiel neue Trikots zur Verfügung, hatte der Präsident des iranischen Fußballverbandes (FFI) Ali KafaschianAnfang Mai verlauten lassen: Sie sollten mit ihrer Arbeitskleidung sparsam umgehen. Die Spieler hingegen beklagten die schlechte Qualität ihrer Ausstattung. Doch diese Peinlichkeit konnte Ende Mai zu den Akten gelegt werden, nachdem dank besserer Qualitätskontrollen und den Bestimmungen der FIFA nun allen Spielern genügend Trikots in angemessener Qualität zur Verfügung stehen.

Iran, ein Land im Fußballfieber

Dank besserer Qualitätskontrollen und den Bestimmungen der FIFA stehen nun allen Spielern genügend Trikots in angemessener Qualität zur Verfügung!

Dank besserer Qualitätskontrollen und den Bestimmungen der FIFA stehen nun allen Spielern genügend Trikots in angemessener Qualität zur Verfügung!

Sowieso bringen solche Kleinigkeiten die IranerInnen nicht ernsthaft aus der Fassung. Der Sportjournalist Farid Ashrafian berichtet, dass sich der Iran seit der WM-Qualifikation im Juni 2013 im Fußballfreudentaumel befindet. Wie in vielen Ländern seien soziale Probleme und politische Machtkämpfe wie weggeblasen, wenn es um die Teilnahme an einer Fußball-WM geht – zumal 2013 der Wahlsieg des reformorientierten Präsidentschaftskandidaten Hassan Rouhani mit dem Sportereignis zusammenfiel, was die Euphorie verstärkte.

Ein Trainer, sein Team und dessen Stars

Sportjournalist Ashrafian ist voll des Lobs für den portugiesischen Trainer Carlos Queiroz, der das iranische Team 2011 übernommen hat. Im Gespräch mit TfI erklärt Ashrafian, dass Queiroz bei seinem Amtsantritt eine sehr offensiv spielende Mannschaft vorgefunden habe, die sich „am Ballzauber des brasilianischen Fußballs orientierte“. Der international renommierte Trainer habe sofort erkannt, dass es an „taktischer Disziplin auf der defensiven Ebene mangelte und nicht ausreichend Spieler gab, die den Offensivanforderungen auf internationaler Ebene gerecht wurden“, so Ashrafian.

Mit einer konsequenten Mischung aus Disziplin und einer klugen defensiven Taktik habe er der Nationalelf schließlich bei der WM-Qualifikation 2013 zu einem Sieg über die deutlich überlegenen Mannschaften Usbekistans und Südkoreas verholfen. Darüber hinaus verstärkte Carlos Queiroz sein Team mit iranischstämmigen Fußballern aus dem Ausland, wie zum Beispiel dem Berliner Ashkan Dejagah, der derzeit bei Fulham in London spielt, dem Niederländer Reza Ghoochannejhad vom ebenfalls Londoner Club Charlton Athletics und Daniel Davari, der in Braunschweig das Tor hütet. So setzt sich die Mannschaft nun aus nationalen Stars und international erfolgreichen Spielern zusammen.

Übertragung nur fast live

Solche Szenen werden bei der Übertragung der Spiele im iranischen Fernsehen zensiert!

Solche Szenen werden bei der Übertragung der Spiele im iranischen Fernsehen zensiert!

In der Gruppenphase der WM wird der Iran auf Nigeria, Argentinien und Bosnien-Herzegowina treffen. Und natürlich erhoffen sich Spieler und Fans ungeachtet des argentinischen Bollwerks um Mannschaftskapitän Lionel Messi den Einzug ins Achtelfinale. Dabei setzen Trainer Queiroz und sein Team alles auf gute Ergebnisse gegen die „Super Eagles“ aus Nigeria und die „Goldenen Lilien“ aus Bosnien-Herzegowina – und natürlich auf eine ordentliche Portion Fußballglück.

4.000 Fußballbegeisterte wollen nach offiziellen Angaben des iranischen Fußballverbands zur Unterstützung ihres Teams nach Brasilien reisen. Das ist für iranische Verhältnisse ein nahezu unerschwingliches Vergnügen. Für die Fans, die im Iran an den Fernsehbildschirmen die WM verfolgen, wird das staatliche Fernsehen jedes Spiel fast live übertragen. Aber eben nur fast: damit die Zensurbehörde genügend Zeit hat, die Sambabegeisterung und brasilianische Lebensfreude – insbesondere der Damen – aus den übertragenen Bildern zu eliminieren.

YASMIN KHALIFA