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Der iranische Sport und Präsident Rouhani

Der nationale Sport erlangte im Iran in den vergangenen Jahrzehnten fortwährend an Bedeutung. Die Professionalisierung vieler Sportarten im Land schreitet ebenso voran wie die Instrumentalisierung des Sports durch die Politik. Die Erfolgsbilanz des iranischen Sports in der Regierungszeit von Präsident Rouhani fällt hingegen durchwachsen aus. mehr »

Die Förderung der professionell betriebenen Sportarten neben dem zunehmenden Ausbau des Breitensports im Iran gehören zur Agenda des Regierungsprogramms des iranischen Präsidenten Hassan Rouhani. Die Weiterentwicklung der staatlichen Organe für den Sport von der Organisation für Leibesübungen bis zum Ministerium für Sport und Jugend und die Implementierung eines Sportministers unterstreicht den Fokus des Kabinetts von Rouhani seit dessen Amtsantritt im Frühjahr 2013.

Der sportliche Gesamterfolg der islamischen Republik fällt jedoch in den vergangenen vier Jahren insgesamt bescheiden aus. Legt man den Medaillenspiegel bei den Olympischen Sommerspielen der Bewertung der Leistungsbilanz der iranischen Nationalsportler zugrunde, kann kein gutes Zeugnis ausgestellt werden.

Mit fünf Goldmedaillen, sechs Mal Silber sowie zwei Bronzemedaillen verbuchten die iranischen Sportler bei den Olympischen Sommerspielen 2012 in London die Bestmarke in der Historie des iranischen Nationalsports. Die Devise, die erzielten Erfolge vier Jahre später bei Olympia in Rio zu wiederholen, wurde mit drei Mal Gold, einmal Silber und viermal Bronze jedoch weit verfehlt.

Doch was sind die Gründe für die fehlende Erfolgssicherung im Profisport im Iran? „Das Fehlen von Kontinuität, Fachwissen und Nachhaltigkeit auf der Managementebene der Verbände und der Sportvereine blieb auch unter Rouhani die Achillesferse des iranischen Hochleistungs- und Spitzensports“, sagt dazu Fereidoun Sheybani, ehemaliger Chefredakteur des renommierten iranischen Sportmagazins Keyhan Verzeshi.

Ordnungsbeamte auf den Chefsesseln der Fußballclubs

Zudem ist zunehmend zu beobachten, dass Politiker und hochrangige Beamte aus dem Bereich der nationalen Ordnungskräfte die sportliche Leitung von Sportclubs und Sport-Fachverbänden innehaben. Die Einbindung des Fachwissens ehemaliger Sportprofis nebst ihrer Beauftragung mit Leitungsfunktionen auf der Führungsebene in großen Vereinen und Verbänden bleibt eher eine Ausnahme.

So sitzen etwa überwiegend Ordnungsbeamte auf den Chefsesseln der 16 Fußballclubs in der iranischen Profiliga. Das Fußball-Idol Hassan Roshan, Star der iranischen Nationalmannschaft bei der WM 1978 in Argentinien, nennt die „Priorität der eigenen Kontrolle über die gesellschaftlichen Erscheinungen im Nationalsport“ als Hauptmotiv der nahezu vollständigen Verstaatlichung des Sports im Iran. „Man verzichtet bewusst auf das Know-How der eigenen Fachleute im Sport“, so Roshan. Die Instrumentalisierung des Sports für eigene Zwecke habe Vorrang: „Und uns als ehemaligen Nationalspielern und verdienten Sportlern will der Staat keine Führungspositionen im Management übertragen.“

Trainer der iranischen Fußballnationalmannschaft Carlos Queiroz - Ein Fast-Nationalheld

Trainer der iranischen Fußballnationalmannschaft Carlos Queiroz – im Iran verehrt wie ein Nationalheld

Revolutionsgarden als Sportfunktionäre

Die Berufung von ranghohen Revolutionsgardisten in sensible Führungsfunktionen bei bedeutenden inländischen Clubs und Verbänden ist seit den späten 1990er Jahren zunehmend zu beobachten. Nachdem dem Nationalsport in den ersten beiden Jahrzehnten nach der islamischen Revolution von der Staatsführung keine Priorität beigemessen worden war, kam die Kehrtwende mit der Qualifikation der Fußball-Nationalmannschaft für die WM 1998 in Frankreich.

Dank des unverhofften Erfolgs der Fußballer war das Straßenbild in den meisten iranischen Städten von Freudentänzen, Jubel und spontanen Festen geprägt. Dadurch kam es vermehrt zu öffentlichen Menschenansammlungen und Feierlichkeiten. Darauf war die Staatsführung jedoch nicht vorbereitet. Fortan beschäftigten sich staatliche Organe im Land mit der Frage der „Kontrollierbarkeit“ dieses Phänomens. Seither werden die Posten vieler Verbandspräsidenten und Vereinschefs mit Mitgliedern der Revolutionsgarde und der nationalen Sicherheitskräfte besetzt. Ihre fachliche Eignung spielt dabei eine untergeordnete Rolle.

Mangelnde Kontinuität

Die Besetzung der Führungs- und Funktionsämter der Sportverbände und -vereine leidet jedoch nicht nur an fehlender Kompetenz. Oft ist zu beobachten, dass ausgewählte „regimetreue“ Sportführungskräfte in kurzen Zeitabständen wieder ihre Posten räumen. Bekannte Beispiele sind die populären Fußballvereine Persepolis und Esteghlal in der Hauptstadt, die binnen der letzten acht Jahre mehr als sechs Wechsel an der Spitze ihrer Führungsriege erlebten. Bezeichnend und zugleich kurios ist auch der Wechsel des Präsidenten des nationalen iranischen Handballverbands, Alireza Rahimi, auf den Stuhl des Vorstandsvorsitzenden des renommierten Fußballclubs Sepahan Isfahan – und dessen Rückkehr auf den Chefsessel des Handballverbands nach nur wenigen Jahren.

Die fehlende Kontinuität im iranischen Sportmanagement zählt zu den Hauptmängeln bei der Gewährleistung der Nachhaltigkeit, dem Ausbau der Infrastruktur und zwangsläufig auch des sportlichen Wachstums im internationalen Vergleich. An diesem Gesamtzustand änderte sich auch in der Regierungszeit von Hassan Rouhani nichts.

Ernüchterung und Provokationen

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