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Hilfe für ein Kinderleben in Würde

Zahlreiche IranerInnen in der Diaspora unterstützten gemeinnützige Projekte im Iran. Besondere Beliebtheit genießen soziale Einrichtungen. Aktuelles Beispiel: Eine Auktion im bayerischen Markt Peiting zugunsten eines Kinderheims in der zentraliranischen Stadt Kashan, die am 3. November stattfand. Interview mit der Initiatorin Susann Tabatabai-Schweizer. mehr »

Die Auktion im Markt Peiting brachte 13.000 Euro ein. Auf den ersten Blick ein Tropfen auf den heißen Stein, in Anbetracht der hohen Zahl der Straßenkinder im Iran – nach unterschiedlichen Schätzungen zwischen 70.000 und 170.000. Aber auch das Meer besteht aus Tropfen, sagt ein iranisches Sprichwort.

Und das Meer der (zwischen vier und sechs Millionen) IranerInnen, die nach der islamischen Revolution von 1979 ihrer Heimat den Rücken kehren mussten, könnte viel zur Entwicklung des Landes beitragen.

Doch sind die behördlichen Hürden für die Initiierung eines Hilfsprojekts oder bei der Unterstützung eines bereits bestehenden sozialen Projekts im Iran so zahlreich und unübersichtlich, dass viele Versuche in dieser Richtung schon im Keim gestickt werden. Der iranische Staat hat das öffentliche Leben unter strikter Kontrolle und lässt privaten Initiativen kaum Platz. Außerdem hat die bisherige Praxis der Behörden gezeigt, dass für das Regime jede/r im Ausland lebende Iraner/in als eine potenzielle Gefahr für die islamische Ordnung angesehen wird.

Dennoch gelingt es immer wieder iranischstämmigen EuropäerInnen oder AmerikanerInnen, NGOs zu gründen oder zu unterstützen. Eines der Vorzeigebeispiele ist die private Stiftung Negin, die obdachlosen Kindern ein Leben in Würde schenkt. Um ihre Arbeit zu unterstützen, hat Susann Tabatabai-Schweizer die Auktion in Peiting organisiert.

Iran Journal hat mit der in Deutschland lebenden deutsch-iranischen Kunsttherapeutin über ihre Motivation und das Ergebnis der Aktion gesprochen.

Iran Journal: Frau Tabatabai-Schweizer, sind Sie mit dem Ergebnis der Auktion zufrieden?

Susann-Tabatabai-Schweizer

Susann-Tabatabai-Schweizer

Susann Tabatabai-Schweizer: Es war ein überraschender Erfolg: wir haben 18 der 19 Kunstwerke, die uns von iranischen und deutschen Künstlern gespendet wurden, verkaufen können und konnten über 13.000 Euro für die Stiftung zusammenbringen. Ich bin sehr gerührt und begeistert, dass sowohl viele Iraner als auch Deutsche und Schweizer sehr großzügig mitgeboten haben. Ebenso war ich sehr glücklich, dass sich so viele Menschen hier für den Iran interessieren: Ich hatte einen alten Schulfreund, Prof. Dr. Nima von der Universität London, eingeladen, der einen sehr interessanten Vortrag über unsere Heimat gehalten hat. Das hat für großes Interesse und Begeisterung gesorgt.

Was hat Sie veranlasst, diese Aktion durchzuführen?

In den letzten Jahren besuchte ich immer häufiger meine Heimat. 2015 nahm ich eine Gruppe von acht Freunden mit auf eine Kulturreise, für die ich eine iranische Agentur mit der Reiseleitung beauftragt hatte. Gegen Ende der Reise verbrachten wir eine Nacht in einem ganz besonderen Guest House in Kashan: das Khaneje Negin. Es war über und über sehr liebevoll und künstlerisch dekoriert, bemalt und gestaltet und hatte dadurch ein besonderes Flair. Auf meine Nachfrage klärte mich unser Guide auf, dass dieses Hotel an ein besonderes Projekt angeschlossen ist: das Negin-Projekt einer privaten, nicht-staatlichen Stiftung, welches ein iranisches Ehepaar vor einigen Jahren gegründet hat. Obwohl dieses Ehepaar eigentlich in Boston lebt, verbringt es einige Monate im Jahr in Kashan. Sie haben mehrere alte historische Häuser aus der Safawiden-Zeit liebevoll restauriert, um Waisen- und Straßenkindern ein Zuhause zu geben.

Und Bildung!

Ja. Die Kinder werden besonders liebevoll betreut mit Schulbildung und späterer Ausbildung. Jedes Kind wird in seinem besonderen Talent gefördert und so lange betreut, bis es einen guten Platz im Leben findet. Besonders begeistert hat mich auch die Tatsache, dass junge Frauen in ihrem künstlerischen Talent gefördert werden und unter anderem Aufträge von der Stiftungsleitung erhalten; etwa die Bemalung der Innenfassaden des schönen Negin-Hotels.

Sie sind u. a. Fachtherapeutin für Kreative Traumatherapie. Haben Sie den Eindruck, dass die Negin-Kinder auch diesbezüglich betreut werden?
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