Mindestens sieben Tote bei anhaltenden Protesten in Iran
Bei den regierungskritischen Protesten in Iran sind nach Angaben der Menschenrechtsorganisation HRANA bislang mindestens sieben Menschen getötet worden. Auslöser der Proteste ist der fortgesetzte starke Verfall der iranischen Währung. Inzwischen haben sich die Demonstrationen, die am 28. Dezember auf dem Teheraner Basar begonnen haben, auf zahlreiche weitere Städte und Regionen des Landes ausgeweitet. Die Forderungen der Demonstrierenden gehen weit über wirtschaftliche Anliegen hinaus und richten sich offen gegen das politische System der Islamischen Republik.
Zu den Getöteten liegen bislang folgende Informationen vor:
Shayan Asadollahi, 28 Jahre, Azna (Provinz Lorestan)
Ein Angehöriger von Shayan Asadollahi bestätigte gegenüber dem Fernsehsender Iran International, dass der 28-Jährige am Abend des 1. Januar bei Protesten in der Stadt Azna in der westiranischen Provinz Lorestan durch Schüsse von Sicherheitskräften getötet wurde. Nach Angaben der Familie war eine Gruppe von Demonstrierenden dabei aus mehreren Militärfahrzeugen der Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) heraus angegriffen worden. Die Demonstrant:innen sollen sich demnach auf dem Heimweg von einer Kundgebung befunden haben. Dabei sei Asadollahi mit scharfer Munition beschossen worden. Recherchen von Iran International zufolge traf ihn ein Geschoss einer Kriegswaffe in den Bauch, was zu seinem Tod führte.
Amirhossein Khodayarifard, 22 Jahre, Kuhdasht (Provinz Lorestan)
Auch der Tod von Amirhossein Khodayarifard wurde von Angehörigen gegenüber Iran International bestätigt. Der 22-Jährige wurde demnach am Mittwochabend, dem 31. Dezember, während der Proteste in Kuhdasht ebenfalls in der Provinz Lorestan durch gezielten Beschuss von Sicherheitskräften getötet.
Nach Recherchen des Senders gehört die Familie Khodayarifard der religiösen Minderheit der Yarsan an und lebt unter schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen. Laut den Berichten versuchten staatliche Stellen nach der Tötung Khodayarifards, die Familie unter Drohungen und mit finanziellen Angeboten dazu zu bewegen, ihren Sohn als Mitglied der Basij-Miliz darzustellen. Auch der Freitagsimam von Kuhdasht soll den Vater aufgesucht haben, um ihn zu diesem Vorgehen zu bewegen. Ein Freund Khodayarifards bestätigte, dass staatliche Stellen versuchten würden, die Familie zu einer Zustimmung zu der offiziellen Darstellung zu zwingen.
Bislang wurde der Leichnam nicht an die Familie übergeben. In veröffentlichten Videos ist zu sehen, wie Khodayarifard schwer verletzt zwischen Demonstrierenden liegt, die versuchen, ihn in einen Krankenwagen zu bringen. Diese Aufnahmen und die Aussagen der Angehörigen belegen, dass er im Kreis der Protestierenden erschossen wurde. Am selben Abend waren in Kuhdasht Parolen gegen die Islamische Republik und Ali Khamenei zu hören. Videoaufnahmen zeigen, dass Sicherheitskräfte direkt auf die protestierende Menge feuerten. Offiziellen Angaben zufolge wurden dabei mindestens 20 Demonstrierende festgenommen.
Die Praxis, getötete Demonstrierende nachträglich als regimenah oder Angehörige der Sicherheitskräfte darzustellen, ist ein bekanntes Muster der iranischen Behörden.
Dariush Ansari Bakhtiarvand, 37 Jahre, Fooladshahr (Provinz Isfahan)
Nach Berichten von Iran International wurde der 37-jährige Dariush Ansari Bakhtiarvand am Mittwochabend, dem 31. Dezember, während nächtlicher Proteste in Fooladshahr in der zentraliranischen Provinz Isfahan durch direkten Beschuss staatlicher Kräfte getötet. Angehörige erklärten, Ansari habe an den Demonstrationen teilgenommen und sei dabei von einer Kugel getroffen worden. Er starb noch vor Erreichen des Krankenhauses. Die Polizei der Provinz Isfahan bestätigte den Tod eines „37-jährigen Bürgers“, nannte jedoch weder Namen noch Umstände. Auch die Menschenrechtsorganisation Hengaw bestätigte, dass Ansari Bakhtiarvand durch einen direkten Schuss von Sicherheitskräften getötet wurde.
Zwei Tote in Lordegan, Tod eines Minderjährigen
Hengaw berichtet auch, dass in der Stadt Lordegan im Westen Irans zwei weitere Protestierende erschossen worden seien. Demnach hätten die Sicherheitskräfte am 1. Januar Ahmad Jalil, 21 Jahre alt, und Sajjad Valamanesh, 28 Jahre alt, mit scharfer Munition ermordet.
In der Kleinstadt Azna soll Hengaw zufolge ein Minderjähriger getötet worden sein. Der 15-jährige Mostafa sei dort am 1. Januar von Sicherheitskräften mit scharfer Munition erschossen worden. Sein Familienname sei noch nicht bekannt, so die Organisation für Menschenrechte.
Die Proteste gegen das iranische Regime dauern in mehreren Regionen des Landes an.
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