Neunter Tag der Proteste in Iran: mindestens 25 Demonstranten getötet

In Iran setzen Demonstrant*innen ihre Proteste am neunten Tag in Folge fort. Die Bewegung fordert den Sturz des Regimes, das sie für die schweren Krisen des Landes, insbesondere die wirtschaftliche Not, verantwortlich macht. Aktuellen Berichten zufolge haben auch am heutigen 5. Januar in der Hauptstadt Teheran sowie in Yasuj weitere Kundgebungen begonnen.

Nach Informationen von Iran Journal sind in den vergangenen acht Tagen mindestens 25 Demonstranten von Sicherheitskräften und der Bereitschaftspolizei getötet worden, darunter zwei Minderjährige. 

Die Proteste haben sich mittlerweile auf 78 Städte ausgeweitet. Bisher wurden knapp tausend Menschen festgenommen, darunter Dutzende Jugendliche unter 18 Jahren.

Inmitten der Unruhen verschärft das Regime seinen Ton. Bereits am 3. Januar hatte der Oberste Führer Ayatollah Ali Khamenei in einer Rede die Behörden dazu aufgefordert, die von ihm als „Unruhestifter“ bezeichneten Demonstrant*innen „in die Schranken zu weisen“. Diese Rhetorik wird von Beobachter*innen als grünes Licht für ein noch härteres Vorgehen der Sicherheitskräfte gewertet.

Eskalation in der Provinz Ilam

Ein Brennpunkt der Proteste war in der vergangenen Nacht die Kleinstadt Malakshahi in der Provinz Ilam, wo Menschen gegen die Tötung von fünf Demonstranten protestierten. Berichte und Videoaufnahmen aus der Provinzhauptstadt sorgten für internationales Entsetzen: Sie zeigen, wie Sicherheitskräfte versuchten, in Krankenhäuser einzudringen, um verletzte Demonstrant*innen direkt in den Behandlungszimmern zu verhaften. Malakshahi liegt im Westen Irans und hat eine Bevölkerung von 12.000 Menschen.

Diese Vorfälle haben eine Welle der Empörung in den sozialen Netzwerken ausgelöst. Der Jurist und Menschenrechtsaktivist Hossein Raeisi bezeichnete das Eindringen der Sicherheitskräfte in medizinische Einrichtungen als klaren Verstoß gegen internationales Recht und stufte das Vorgehen als „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ ein.

Wirtschaftliche Ursache der Proteste

Die aktuelle Protestwelle ist eng mit der prekären wirtschaftlichen Lage des Landes verknüpft. Seit dem 28. Dezember protestieren Menschen in Teheran und anderen Städten erneut gegen die wirtschaftliche Misere. Auslöser der jüngsten Eskalation ist der anhaltende Absturz der iranischen Währung Rial, die am 28. Dezember einen neuen historischen Tiefstand erreicht hat. Diese finanzielle Instabilität hat die Unzufriedenheit in der Bevölkerung massiv verschärft und die Menschen auf die Straße getrieben.

 

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