Blutiger Monat in Iran: Mindestens alle zwei Tage wird eine Frau ermordet

In den ersten 25 Tagen des iranischen Monats Mehr (23. September bis 17. Oktober) seien mindestens 15 Frauen und Mädchen in verschiedenen Städten getötet worden, berichtete das Nachrichtenportal Rokna am 18. Oktober. Täter waren häufig Ehemänner, Brüder oder andere Familienangehörigen.

Diese Zahlen erfassen nur angezeigte und dokumentierte Fälle. Expert:innen gehen davon aus, dass die tatsächliche Zahl deutlich höher liegt. Viele Femizide werden als Unfall oder Suizid registriert, andere werden gar nicht erst angezeigt.

Die jüngsten Fälle verdeutlichen die Brutalität dieser Gewalt. Auf der Insel Qeshm wurde die 28-jährige Maryam Yar-Mohammadi, Mutter zweier Kinder, Anfang Oktober von ihrem Bruder mit Unterstützung ihres Ehemanns getötet. Nach ihrem Tod versammelten sich Angehörige vor dem Krankenhaus, um gegen die Festnahme der beiden Männer zu protestieren. In Isfahan erstach ein Mann seine 40-jährige Ehefrau Mina Soltani; zuvor hatte er einen Sohn aus dem Haus geschickt und den zehnjährigen Sohn eingeschlossen. Die erst 16-jährige Yeganeh Hosseinzai, die bereits als Zehnjährige verlobt worden war, wurde in der Provinz Khorasan Razavi von ihrem Ehemann getötet.

Nach einer Analyse von Radio Farda wurden seit Frühjahr 2026 mindestens 84 Frauen ermordet. In 75 Fällen kannten die Opfer ihre mutmaßlichen Täter, in 45 Fällen waren es aktuelle oder frühere Partner.

Die Gesetzeslage verschärft die Situation: Iran hat bislang kein eigenständiges Gesetz, das Gewalt gegen Frauen umfassend unter Strafe stellt. Artikel 301 des islamischen Strafgesetzbuchs sieht zudem eine Ausnahme von der Vergeltungsstrafe vor, wenn ein Vater oder Großvater väterlicherseits sein Kind tötet. Bei sogenannten Ehrenmorden können außerdem Angehörige als Hinterbliebene über Vergeltung oder Vergebung mitentscheiden – selbst wenn sie dem mutmaßlichen Täter nahestehen. Ein seit Jahren diskutierter Gesetzentwurf zum Schutz von Frauen vor Gewalt ist weiterhin nicht verabschiedet. Menschenrechtsorganisationen kritisieren, dass diese Rechtslage Täter begünstigt und Frauen unzureichend schützt.

Weltweit wurden 2024 laut UN rund 50.000 Frauen und Mädchen von Partnern oder Familienangehörigen ermordet. Dem Bericht der BKA zufolge wurden 2024 in Deutschland 308 Frauen und Mädchen gewaltsam getötet, 191 von ihnen durch Menschen aus dem näheren Umfeld.♦