Überwachungsprojekt nimmt Iraner:innen im Ausland ins Visier

Ein Projekt mit dem iranischen Namen Elaaj – übersetzt „Behandlung“ oder „Heilung“ – sammelt und veröffentlicht personenbezogene Daten von im Ausland lebenden Iraner:innen. Die gleichnamige Webseite ruft die iranische Bevölkerung zudem auf, Informationen über Auslandsiraner:innen zu melden. Darüber berichteten am 14. September 2026 mehrere iranische Medien, darunter das staatliche Fernsehen und die der Revolutionsgarde nahstehende Nachrichtenagentur Fars. Wer hinter Elaaj steht, auf welcher rechtlichen Grundlage das Projekt arbeitet und wie es an die bereits veröffentlichten sensiblen Daten gelangt ist, wurde bislang nicht bekanntgegeben.

Nach Angaben des Nachrichtenportals IranWire verfügt Elaaj über Profile von rund 1.600 Personen. Etwa 600 von ihnen seien „aufgrund von Meldungen aus der Bevölkerung“ erfasst worden, schreibt Elaaj selbst; die Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen.

Die Profile enthalten teilweise Namen, Fotos, Aufenthaltsorte, Berufe, Social-Media-Konten, Familienstand und Angaben zu Angehörigen sowie nationale Identifikationsnummern. Nutzer:innen werden aufgefordert, fehlende Informationen zu ergänzen.

Nach Recherchen von IranWire reichten die Spuren des Projekts mindestens bis April 2026 zurück. Beiträge eines Kanals namens „Elaaj Group“ seien bereits damals in regierungsnahen Kanälen verbreitet worden. Die Organisator:innen sprächen von der „Identifizierung und Bestrafung“ sogenannter „Verräter:innen“. Die Islamische Republik und ihre Unterstützer:innen im Ausland bezeichnen alle Iraner:innen, die ihre Kriegspolitik nicht befürworten, als „Verräter:innen“. 

Das Vorgehen erinnere an frühere Meldesysteme der Islamischen Republik, über die Bürger:innen dazu aufgerufen worden seien, Demonstrierende und kritische Journalist:innen zu melden oder Frauen wegen angeblicher Verstöße gegen die Kopftuchvorschriften zu denunzieren, schreibt IranWire. Neu ist dabei vor allem die Reichweite: Mit Elaaj wird dieses Modell nun offenbar auf Iraner:innen außerhalb des Landes ausgeweitet.♦

Foto: KI-generiert