Erneute Hinrichtung: Irans Justiz setzt Vorgehen gegen Demonstranten fort

Die iranische Justiz hat am Sonntag die Hinrichtung eines weiteren Teilnehmers der Massenproteste vom Jahreswechsel 2025/2026 bekanntgegeben. Shahram Sadeghi wurde demnach am Morgen des 16. August erhängt. Damit setzt sich eine Serie der Vollstreckung von Todesurteilen fort, die sich gezielt gegen Menschen richten, die an den landesweiten Unruhen gegen die galoppierende Inflation und die Wirtschaftskrise in Iran teilgenommen haben.

Nach Berichten staatlicher iranischer Medien soll Sadeghi in der Nacht zum 8. Januar in Karadsch – einer Großstadt unmittelbar westlich von Teheran – mit einem Kleinwagen gezielt auf Einsatzkräfte zugefahren sein und dabei sieben Polizisten verletzt haben.

Informationen über den Ablauf des Gerichtsverfahrens wurden nicht veröffentlicht. Menschenrechtsorganisationen weisen seit Jahren darauf hin, dass politische Gefangene in Iran überwiegend auf Grundlage von unter Folter oder Zwang erpressten Geständnissen verurteilt würden. Der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Volker Türk, hatte erst am 5. August in einer Erklärung des UN-Menschenrechtsbüros (OHCHR) genau davor gewarnt. Er sei darüber informiert, „dass die Todesstrafe weiterhin dazu benutzt wird, um Angst in der Bevölkerung zu verbreiten und Widerstand zu unterdrücken“, so Türk.

Laut derselben Erklärung hat die Islamische Republik seit dem 19. März mindestens 56 Menschen wegen angeblicher Straftaten gegen die „nationale Sicherheit“ hingerichtet, 27 davon im direkten Zusammenhang mit den Protesten vom Jahresanfang. Mehr als 100 weitere Menschen seien derzeit akut von der Hinrichtung bedroht.

Die Protestwelle, in deren Zusammenhang auch Sadeghi verurteilt wurde, hatte Ende Dezember 2025 begonnen. Auslöser war die dramatische Verschlechterung der Lebensbedingungen weiter Teile der iranischen Bevölkerung infolge einer galoppierenden Inflation. Die anschließende Niederschlagung der Proteste durch die Sicherheitskräfte gilt Menschenrechtsorganisationen zufolge als eine der brutalsten seit der Islamischen Revolution von 1979, mit Tausenden Toten und noch mehr Festnahmen.

Amnesty International und weitere Organisationen fordern seit Monaten einen sofortigen Stopp aller Hinrichtungen sowie ein Moratorium mit dem Ziel, die Todesstrafe im Iran vollständig abzuschaffen.♦ (ff)