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Iranische Mütter bitten die Welt um Hilfe

Vier iranische Frauen bitten in einem offenen Brief dringend um internationale Solidarität mit ihren zum Tode verurteilten Söhnen. Internetaktivisten zufolge handelt es sich bei den Männern im Alter von 26 bis 33 Jahren um Angehörige der arabisch-sunnitischen Minderheit aus der südwestiranischen Provinz Khuzestan, die sich dort kulturell engagiert haben. Menschenrechtler kritisieren Verletzungen der Religionsfreiheit im Iran. mehr »

Bereits vor vier Jahren wurden Abdolreza Amirkhonafare, Jasem Moghaddam-Payam, Ghazi Abbasi und Abdolamir Majdami durch Agenten des iranischen Informationsministeriums verhaftet und von einem Revolutionsgericht zum Tode verurteilt. Seit die Todesurteile vom Obersten Gerichtshof des Iran bestätigt wurden, droht ihnen die baldige Hinrichtung. Dem offenen Brief ihrer Mütter zufolge organisierten die Männer vor ihrer Verhaftung öffentliche Lesungen arabischer Literatur in Shadegan, einer Stadt in der südwestiranischen Provinz Khuzestan. Iranische Menschenrechtsaktivisten außerhalb des Iran bestätigen diese Aussage. Laut der Website der „Menschenrechtsaktivisten im Exil“ sind die vier Verurteilten „Kulturaktivisten“. Die Stadt Shadegan gilt als Zentrum der arabischen Dichtung und Literatur im Iran. Die meisten Mitglieder der arabischen Minderheit sind Sunniten.

Sunnitische Aktivisten gefährdet

Oben: Jasem Moghaddam-Payam (li.), Ghazi Abbasi  - unten: Abdolreza Amirkhonafare

Oben: Jasem Moghaddam-Payam (li.), Ghazi Abbasi – unten: Abdolreza Amir-khonafare

Die „Human Rights Activists News Agency“ (HRANA) berichtete Anfang Juni über die Verhaftungen von 20 Sunniten. Ihnen wird Gotteslästerung und „Gefährdung der nationalen Sicherheit“ vorgeworfen. HRANA zufolge sind in der Vollzugsanstalt Rajai in der Stadt Karaj mehrere Dutzend sunnitische Gefangene unter menschenunwürdigen Bedingungen untergebracht. Sie würden unter Folter zu Geständnissen gezwungen, von einigen werde verlangt, sich im Fernsehen zur Planung von Attentaten gegen Politiker zu bekennen.

Nach Informationen persischsprachiger Internetplattformen sitzen derzeit 170 sunnitische Gefangene in iranischen Gefängnissen. Die meisten von ihnen stammen aus Kurdistan, Westaserbaidschan oder den südlichen Provinzen. Bei etwa der Hälfte soll es sich um Studenten handeln. Mehrheitlich ohne Rechtsgrundlage inhaftiert, wissen viele nicht einmal, warum sie verhaftet wurden und wie lange sie in Untersuchungshaft bleiben werden, berichten die Websites.

Obwohl die Religionsfreiheit im iranischen Grundgesetz verankert ist, werde dieses Recht im Iran oft verletzt, kritisieren internationale Menschenrechtsorganisationen. Unterdrückt werden vor allem Angehörige der Baha’i-Religion, Christen, Sunniten und Aleviten. Auch schiitische Kleriker, die von der herrschenden Meinung abweichen, werden verfolgt.

 FP