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Kritik an „ideologischer Säuberung“ von Schulbüchern

Der Iran will Werke mehrerer berühmter Dichter und Autoren aus den Schulbüchern entfernen. Kritiker warnen vor einer „ideologischen Säuberung“ des Unterrichtsmaterials. Die Verantwortlichen halten die betroffenen Texte für „nicht konform“ mit dem Wertesystem der Islamischen Republik.

Hossein Ghassempour Moghadam, Leiter der Abteilung für Lehrbücher für persische Literatur bei der Organisation für Bildungsforschung und -planung des iranischen Schulministeriums, weist die Vorwürfe zurück, Inhalte würden „ideologisch und politisch“ sortiert. Er sehe sich und sein Amt jedoch verpflichtet, solche Inhalte in die Lehrbücher aufzunehmen, die „mit den Werten der Revolution“ vereinbar seien. Zudem solle die Veränderung der Reduzierung von Lehrstoffen und der Entlastung der Schüler*innen dienen, sagte Moghadam am Montag in einem Interview mit der Teheraner Tageszeitung Hamshahri.

Zu den Werken, die aus den Schulbüchern verschwinden sollen, gehört unter anderem der erste Roman einer iranischen Schriftstellerin überhaupt: „Savushun“ von Simin Daneshvar. Auch die Kurzgeschichte „Ihre Augen“ des bekannten Schriftstellers Bozorg Alavi wird entfernt. Alavi war Mitbegründer der marxistisch-leninistischen Tudeh-Partei des Iran und unter anderem Assistenzprofessor an der Humboldt-Universität zu Berlin. Auch von Iradsch Mirza findet man in den Schulbüchern keine Spur mehr. Der berühmte Dichter übte in seinen Werken Kritik an den Traditionen und war ein Verfechter der Frauen-Emanzipation.

Die sogenannte „Literatur des Widerstandes“ sowie das Thema „Märtyrertum“ bekommen dagegen in den iranischen Schulbüchern eine immer zentralere Rolle. Der Begriff des Widerstands bezieht sich dabei auf anti-westliche beziehungsweise anti-israelische Aktivitäten des Iran. Die von Teheran unterstützten Milizen in der Region und ihre politischen Verbündeten werden von den iranischen Machthabern als „Achse des Widerstands“ bezeichnet.

Auch der Schulminister meldete sich in der Debatte zu Wort: Die Veränderungen gingen auf eine drei Jahre alten Entscheidung zurück, twitterte Mohsen Hadji Mirzaie am Montag. Er habe verfügt, dass das Thema „fachmännisch, akribisch und sachlich“ unter die Lupe genommen werde.