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Judo-Weltverband sperrt Iran

Der Judo-Weltverband IJF hat den Iran aus allen internationalen Wettkämpfen sowie von jeglicher Mitbestimmung in der IJF ausgeschlossen. Der Verband begründete seine Entscheidung am Dienstag mit einem Verstoß des Landes gegen den IJF-Ethikcode und die Olympische Charta.

Saeid Mollaei, 2018 Weltmeister im Halbmittelgewicht, hatte in einem vom IJF veröffentlichten Interview ausgesagt, dass er bei der Judo-WM Ende August 2019 in Tokio vom iranischen Verband mit Drohungen gegen ihn und seine Familie gezwungen worden sei, im Halbfinale absichtlich gegen den Belgier Matthias Casse zu unterliegen. Damit sollte Mollaei in der Klasse bis 81 Kilogramm ausscheiden und ein Finale gegen den Israeli Sagi Muki vermieden werden. Mollaei war direkt nach der WM aus Tokio nach Deutschland geflohen.

Auf den sozialen Netzwerken sorgt die Sperre für kontroverse Diskussion. Die meisten User*innen feierten den Ex-Weltmeister Mollaei als Helden. „Er hat mit seiner Aussage das wahre Gesicht des Mullah-Regimes gezeigt und für seinen Mut großes Lob verdient“, lautet ein Kommentar. Eine Userin schreibt: „Politik hat im Sport keinen Platz. Und der iranische Verband hat sich hier definitiv daneben verhalten.“ Es gibt aber auch Kritik an der IJF-Entscheidung. Solche Sanktion träfen nicht das Regime, sondern die Sportler und das einfache Volk, so der Tenor.

Der Präsident des iranischen Judo-Verbands, Arash Miresmaeili, bezeichnete die Entscheidung des IJF als „unfair“. „Ich denke, die Suspendierung des iranischen Judos war ein lange geplantes Szenario, und leider war jetzt einer unserer Athleten involviert“, so Miresmaeili am Dienstag. Der Iran kann gegen den Ausschluss Einspruch vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS erheben.

Mollaei hat inzwischen in Deutschland Asyl beantragt und kann voraussichtlich bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio im Flüchtlingsteam des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) antreten.

(fh)