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Kritische Töne zur Kinderehe

Die Eheschließung zwischen minderjährigen Mädchen und älteren Männer sei Kindesmissbrauch. Das sagte der Berater der iranischen Justiz Ali Kazemi. Das Problem könne aber nicht nur rechtlich gelöst werden. Familien müssten aufgeklärt werden, betonte Kazemi. Außerdem sollte bei Kinderrechtsfragen der Fokus nicht auf Waisen- und Pflegekindern liegen. Auch Kinder, die körperliche und psychische Schäden erlitten hätten, müssten besser geschützt werden, forderte er.

Bei rund 17 Prozent der Eheschließungen im Iran sind die Bräute jünger als 18 Jahre. Zwischen 2012 und 2016 gab es 95.000 Scheidungen von Mädchen unter 19 Jahren. Außerdem gibt es 14.000 minderjährige Witwen.

Zwar hat der Iran 1990 die internationale Kinderrechtskonvention unterschrieben, dabei aber eine Bedingung gestellt: Islamisches Recht geht demnach vor. So dürfen Eltern nach Paragraf 1014 des iranischen Zivilgesetzes, das auf islamischem Recht beruht, ihre Töchter ab dem 13., ihre Söhne ab dem 15. Lebensjahr verheiraten. Eltern von Mädchen unter 13 Jahren können von einem Richter die „Heiratsreife“ ihrer Tochter bestätigen lassen. In den vergangenen zwölf Jahren wurden im Iran mehr als 400.000 Mädchen unter 15 Jahren verheiratet.

Frauen- und KinderrechtlerInnen kämpfen für die Änderung des Gesetzes. Die parlamentarische Kommission für Rechts- und Justizfragen hatte zuletzt den Entwurf zur Erhöhung des Heiratsalters für Mädchen auf 16 und für Jungen auf 18 Jahre abgelehnt.

(fh)