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Zeitgenössische Kunst – Werke von Bahar Taheri

  • Bahar Taheri, A Seventeen-Billion-Euro Deal, The Three Graces and Giving and Taking Offense, 2016, Acrylic on paper 32x41 cmDie Arbeiten von Bahar Taheri zeigen, wo politische, soziale und kulturelle Undeutlichkeiten immer auch Undeutlichkeiten in der Handhabung von Bildern sind. Die 1980 in Teheran geborene Künstlerin legt den Bezug ihrer Auseinandersetzung auf zwei Ebenen an: auf der des Wirklichen und der des Vermögens der Bilder, mit diesem Wirklichen umzugehen. Die Wechselbeziehungen, Verbindungen, auch Abstoßungen dieser Bereiche werden von Taheri in ein künstlerisches Verfahren eingeschleust.

    Bahar Taheri, A Seventeen-Billion-Euro Deal, The Three Graces and Giving and Taking Offense, 2016, Acrylic on paper 32x41 cm

    Die Arbeiten von Bahar Taheri zeigen, wo politische, soziale und kulturelle Undeutlichkeiten immer auch Undeutlichkeiten in der Handhabung von Bildern sind. Die 1980 in Teheran geborene Künstlerin legt den Bezug ihrer Auseinandersetzung auf zwei Ebenen an: auf der des Wirklichen und der des Vermögens der Bilder, mit diesem Wirklichen umzugehen. Die Wechselbeziehungen, Verbindungen, auch Abstoßungen dieser Bereiche werden von Taheri in ein künstlerisches Verfahren eingeschleust.

  • Bahar Taheri, A Seventeen-Billion-Euro Deal, The Three Graces and Giving and Taking Offense, 2016, Acrylic on paper, triptych, 96x41 cm Die Serie ‘The Three Graces’ bezieht sich auf einen Besuch des iranischen Präsidenten Rouhani in Italien und die damit verbundenen Verhüllungen römischer und griechischer Skulpturen, die das Nackte zeigen, während eines offiziellen Empfangs. Die Verhüllungen wurden vorgenommen, um den iranischen Delegierten Respekt zu erweisen, die das als solches erkannten.

    A Seventeen-Billion-Euro Deal, The Three Graces and Giving and Taking Offense, 2016, Acrylic on paper, triptych, 96x41 cm

    Die Serie ‘The Three Graces’ bezieht sich auf einen Besuch des iranischen Präsidenten Rouhani in Italien und die damit verbundenen Verhüllungen römischer und griechischer Skulpturen, die das Nackte zeigen, während eines offiziellen Empfangs. Die Verhüllungen wurden vorgenommen, um den iranischen Delegierten Respekt zu erweisen, die das als solches erkannten.

  • Bahar Taheri, A Seventeen-Billion-Euro Deal, The Three Graces and Giving and Taking Offense , 2016, lithography, 28x38 cm Zum Skandal kam es, als in sozialen Medien ein Bild kursierte, das sowohl die iranischen wie auch die italienischen Politiker vor dem unverhüllten Bildnis von Rubens drei Grazien zeigte - eine Montage. Hier wurde erst deutlich, welche Implikationen die Geste der Verhüllungen mit sich bringt. Die Deutlichkeit besteht nicht so sehr in der Möglichkeit des Affronts, sondern im Aufzeigen der Verstümmlung, Verzerrung und Reduktion kultureller Begegnungen.

    Bahar Taheri, A Seventeen-Billion-Euro Deal, The Three Graces and Giving and Taking Offense , 2016, lithography, 28x38 cm

    Zum Skandal kam es, als in sozialen Medien ein Bild kursierte, das sowohl die iranischen wie auch die italienischen Politiker vor dem unverhüllten Bildnis von Rubens drei Grazien zeigte - eine Montage. Hier wurde erst deutlich, welche Implikationen die Geste der Verhüllungen mit sich bringt. Die Deutlichkeit besteht nicht so sehr in der Möglichkeit des Affronts, sondern im Aufzeigen der Verstümmlung, Verzerrung und Reduktion kultureller Begegnungen.

  • Bahar Taheri, A Seventeen-Billion-Euro Deal, The Three Graces and Giving and Taking Offense, 2016, Digital print, 80x100 cm Das ist der Ansatzpunkt für Taheris neues Arbeitsprojekt. Sie dekliniert nun anhand der drei Grazien durch, welche Konsequenzen die Verhüllung auf das Bilddenken hätte. Auf der einen Seite betont sie den Teil des Bildes, der sichtbar geblieben wäre, der sich im Bereich des ‘Respektablen’ befindet, auf der anderen Seite zeigt sie das Verhüllte, das, was dem Sichtbaren entzogen worden wäre.

    Bahar Taheri, A Seventeen-Billion-Euro Deal, The Three Graces and Giving and Taking Offense, 2016, Digital print, 80x100 cm

    Das ist der Ansatzpunkt für Taheris neues Arbeitsprojekt. Sie dekliniert nun anhand der drei Grazien durch, welche Konsequenzen die Verhüllung auf das Bilddenken hätte. Auf der einen Seite betont sie den Teil des Bildes, der sichtbar geblieben wäre, der sich im Bereich des ‘Respektablen’ befindet, auf der anderen Seite zeigt sie das Verhüllte, das, was dem Sichtbaren entzogen worden wäre.

  • Bahar Taheri, A Seventeen-Billion-Euro Deal, The Three Graces and Giving and Taking Offense, 2016, Digital print, 80x80 cm ‘The Three Graces’ schleust Taheri in ein Prozedere von Aufspaltungen ein, in die Gebiete des Sichtbaren und des Unsichtbaren, und speist dieses Prozedere in die unterschiedlichen Bereiche medialer Sichtbarmachung ein, Malerei, digitale Bilder, Videosequenzen, Zeichnungen, Drucke. Dabei entstehen fantastische Bildserien von Reduktionen, Verzerrungen und Verstümmlungen von Frauenkörpern.

    Bahar Taheri, A Seventeen-Billion-Euro Deal, The Three Graces and Giving and Taking Offense, 2016, Digital print, 80x80 cm

    ‘The Three Graces’ schleust Taheri in ein Prozedere von Aufspaltungen ein, in die Gebiete des Sichtbaren und des Unsichtbaren, und speist dieses Prozedere in die unterschiedlichen Bereiche medialer Sichtbarmachung ein, Malerei, digitale Bilder, Videosequenzen, Zeichnungen, Drucke. Dabei entstehen fantastische Bildserien von Reduktionen, Verzerrungen und Verstümmlungen von Frauenkörpern.

  • Bahar Taheri_ A Seventeen-Billion-Euro Deal, The Three Graces and Giving and Taking Offense, 2016, Digital print, 120x120 cm Der Anlass des Staatsbesuchs 2016 in Rom war ein Wirtschaftsabkommen über viele Millionen Euro, nachdem die Sanktionen gegen den Iran im Kontext des Atomdeals beendet worden waren. Dass die Bemühungen auf ökonomischer Ebenen auf einer ästhetischen gravierend unterlaufen werden, ist Ausdruck einer markanten Trennung verschiedener kultureller Blickweisen.

    Bahar Taheri_ A Seventeen-Billion-Euro Deal, The Three Graces and Giving and Taking Offense, 2016, Digital print, 120x120 cm

    Der Anlass des Staatsbesuchs 2016 in Rom war ein Wirtschaftsabkommen über viele Millionen Euro, nachdem die Sanktionen gegen den Iran im Kontext des Atomdeals beendet worden waren. Dass die Bemühungen auf ökonomischer Ebenen auf einer ästhetischen gravierend unterlaufen werden, ist Ausdruck einer markanten Trennung verschiedener kultureller Blickweisen.

  • Bahar Taheri_ A Seventeen-Billion-Euro Deal, The Three Graces and Giving and Taking Offense, 2016, Digital print, 60x65 cm Ein kollektives Bildgedächtnis ist an kulturelle Rahmen gebunden, deren Ausdruck weniger in globaler Einheitlichkeit zu finden ist als mehr in der Streuung diversifizierter Allgemeingültigkeit. Die Verteilung bildlicher Erinnerungen korrespondiert mit dem Diktum politischer Narrative. Die Verunsicherung, die aus dem subjektiven Identitätsbedürfnis entspringt, das dann im Gegensatz zu globaler Verbindlichkeit steht, könnte so den Begriff der Bildlichkeit wieder auf Befragungen nach dem Konkreten bringen.

    Bahar Taheri_ A Seventeen-Billion-Euro Deal, The Three Graces and Giving and Taking Offense, 2016, Digital print, 60x65 cm

    Ein kollektives Bildgedächtnis ist an kulturelle Rahmen gebunden, deren Ausdruck weniger in globaler Einheitlichkeit zu finden ist als mehr in der Streuung diversifizierter Allgemeingültigkeit. Die Verteilung bildlicher Erinnerungen korrespondiert mit dem Diktum politischer Narrative. Die Verunsicherung, die aus dem subjektiven Identitätsbedürfnis entspringt, das dann im Gegensatz zu globaler Verbindlichkeit steht, könnte so den Begriff der Bildlichkeit wieder auf Befragungen nach dem Konkreten bringen.

  • Bahar Taheri, from Return series 1, 2014, Acrylic on paper, 27x17 cm In 'return series' geht es um Vergangenes, geschichtliche Ereignisse. Bahar Taheri wirft in dieser Serie ein Bildprogramm auf, das auf eine komplexe und subtile Analyse unseres politischen Bilddenkens zielt. Zugleich steigt sie durch den Moment der Serialität in eine Reflexion über die Selbstreferenzialität des Bildes ein. Ihr Thema ist dabei die Produktion des Bildes sowohl im Kontext kollektiven Bilderinnerns, also in der Wiederholung spezifischer Narrative und Selbstverständlichkeiten, als auch in der Funktion der Bildwahrnehmung, einem Akt identitätsstiftender Interpretation. Beide Bereiche verschieben sich ineinander und vermischen sich in solch einem Grad, dass sie kaum mehr auseinander zu halten sind - und genau dort setzt Taheris Auseinandersetzung ein. 'Return series' bezieht sich auf ein historisches Ereignis der Vorgeschichte der Islamischen Republik Iran: Ayatollah Ruhollah Khomeini kehrt zurück ('return') aus seinem französischen Exil. Die Rückkehr ist auch die Ankunft, die Entscheidendes zur weiteren Entwicklung der 'Re-volution' beiträgt, die zumindest ihrem Begriffe nach auf ein Gleiches verweist.

    Bahar Taheri, from Return series 1, 2014, Acrylic on paper, 27x17 cm

    In 'return series' geht es um Vergangenes, geschichtliche Ereignisse. Bahar Taheri wirft in dieser Serie ein Bildprogramm auf, das auf eine komplexe und subtile Analyse unseres politischen Bilddenkens zielt. Zugleich steigt sie durch den Moment der Serialität in eine Reflexion über die Selbstreferenzialität des Bildes ein. Ihr Thema ist dabei die Produktion des Bildes sowohl im Kontext kollektiven Bilderinnerns, also in der Wiederholung spezifischer Narrative und Selbstverständlichkeiten, als auch in der Funktion der Bildwahrnehmung, einem Akt identitätsstiftender Interpretation. Beide Bereiche verschieben sich ineinander und vermischen sich in solch einem Grad, dass sie kaum mehr auseinander zu halten sind - und genau dort setzt Taheris Auseinandersetzung ein. 'Return series' bezieht sich auf ein historisches Ereignis der Vorgeschichte der Islamischen Republik Iran: Ayatollah Ruhollah Khomeini kehrt zurück ('return') aus seinem französischen Exil. Die Rückkehr ist auch die Ankunft, die Entscheidendes zur weiteren Entwicklung der 'Re-volution' beiträgt, die zumindest ihrem Begriffe nach auf ein Gleiches verweist.

  • Bahar Taheri, from Return series 2, 2014, Acrylic on paper, 27x20 cm Khomeini steigt aus einem Flugzeug, um am 1. Februar 1979 iranischen Boden zu betreten. Wer auch immer Khomeini auf diesem Flug begleitet hat, er wurde von dem Piloten der Air-France-Maschine die Gangway hinab begleitet. Das Bild hat sich ins kulturelle Gedächtnis eingeschrieben. Von Taheri wird es in 'return series' auf irritierende Weise vervielfältigt, und vielleicht ist es damit nicht einmal das zentrale Bild der Serie, sondern nur ein Bild unter anderen, weil im Bildtopos selbst der 'return' angelegt ist. Einmal zieht sie Fotografien heran, die sich auf das tatsächliche historische Ereignis beziehen, in einem weiteren Schritt greift sie auf Bilder zu, die Ähnlichkeiten aufweisen, bis zu Fotografien, die die amerikanischen Botschaftsangehörigen zeigen, wie sie nach ihrer Geiselhaft in die USA zurückkommen - vom politischen Diktum her gesehen ist es das Foto, das der Revolution 1979 in Iran eine negative Konnotation beimisst.

    Bahar Taheri, from Return series 2, 2014, Acrylic on paper, 27x20 cm

    Khomeini steigt aus einem Flugzeug, um am 1. Februar 1979 iranischen Boden zu betreten. Wer auch immer Khomeini auf diesem Flug begleitet hat, er wurde von dem Piloten der Air-France-Maschine die Gangway hinab begleitet. Das Bild hat sich ins kulturelle Gedächtnis eingeschrieben. Von Taheri wird es in 'return series' auf irritierende Weise vervielfältigt, und vielleicht ist es damit nicht einmal das zentrale Bild der Serie, sondern nur ein Bild unter anderen, weil im Bildtopos selbst der 'return' angelegt ist. Einmal zieht sie Fotografien heran, die sich auf das tatsächliche historische Ereignis beziehen, in einem weiteren Schritt greift sie auf Bilder zu, die Ähnlichkeiten aufweisen, bis zu Fotografien, die die amerikanischen Botschaftsangehörigen zeigen, wie sie nach ihrer Geiselhaft in die USA zurückkommen - vom politischen Diktum her gesehen ist es das Foto, das der Revolution 1979 in Iran eine negative Konnotation beimisst.

  • Bahar Taheri, from Return series 3, 2014, Acrylic on paper, 27x19 cmEs ist in jedem Falle der Moment des Flugzeugs auf der Rollbahn mit angelegter Gangway - die Wiederholung des immer Gleichen. Bei Taheri ist es der Befund des verwechselbaren Phänomens. ‘Muss man die Tatsache, dass die Wiederholung (…) auftaucht, so begreifen, als ob sich die Existenz selbst erneuern und ‘wiederholen’ würde, sobald sie nicht mehr dem Zwang der Gesetze unterliegt?’ (Deleuze, Differenz und Wiederholung, S. 20.) Einmal eingestanden, dass es eben nicht das ist, was das Erwartete ausmacht, der ’Zwang des Gesetzes’, partikularisiert sich die Gewissheit, die Gewissheit eindeutiger Zuordnung. Das Schöne an Taheris Bildern ist die Entführung in andere Möglichkeiten, eine Weite des Wahrscheinlichen, wo das Eindeutige keinen Anspruch auf Einmaligkeit erheben kann, auch wenn dies in den Speichern kollektiver Erinnerung so angelegt ist.

    Bahar Taheri, from Return series 3, 2014, Acrylic on paper, 27x19 cm

    Es ist in jedem Falle der Moment des Flugzeugs auf der Rollbahn mit angelegter Gangway - die Wiederholung des immer Gleichen. Bei Taheri ist es der Befund des verwechselbaren Phänomens. ‘Muss man die Tatsache, dass die Wiederholung (…) auftaucht, so begreifen, als ob sich die Existenz selbst erneuern und ‘wiederholen’ würde, sobald sie nicht mehr dem Zwang der Gesetze unterliegt?’ (Deleuze, Differenz und Wiederholung, S. 20.) Einmal eingestanden, dass es eben nicht das ist, was das Erwartete ausmacht, der ’Zwang des Gesetzes’, partikularisiert sich die Gewissheit, die Gewissheit eindeutiger Zuordnung. Das Schöne an Taheris Bildern ist die Entführung in andere Möglichkeiten, eine Weite des Wahrscheinlichen, wo das Eindeutige keinen Anspruch auf Einmaligkeit erheben kann, auch wenn dies in den Speichern kollektiver Erinnerung so angelegt ist.

  • Bahar Taheri, from Return series 4, 2014, Acrylic on paper, 27x19 cmDer Begriff 'return' weitet sich aus. Wie eine Vielzahl von Bildern auf ähnliche Ereignisse bezogen ist, entzieht sich das Ereignis dem Bild. Es bedarf genauerer Prüfung, eines differenzierteren Blicks, um eine Gewissheit über das Ikonische zu erhalten, zu leicht rutscht ein Bild in einen Bereich ab, der symbolische oder indexikalische Zuordnungen aufzwingt; die Produktion des Bildes verschiebt sich zu einfach in die Reproduktion des Ereignisses - selbst bei Fotografien. Der 'return' zum Bild selbst verläuft dann anhand einer Linie, die historisch, sozial und kulturell geprägt ist und einer entsprechenden Aufschlüsselung bedarf. ‘Return-series’ ist so ein ganz und gar in sich geschlossener Angriff auf das Denken von Bilden, in seinen Ansprüchen, Selbstverständlichkeiten, seiner vermeintlichen Erhabenheit über das Wirkliche. Vielleicht sind sie, die Bilder von Taheri, eine Falle. Aber sie sind eine Falle, in der wir uns selbst verfangen, wenn wir das Bild aus seiner konkreten Lesbarkeit entlassen. Ob hier unterschiedliche Bildprogramme in Kollision geraten, ist erst in einem zweiten Schritt von Bedeutung. Denn die Frage nach der konkreten Konsistenz und ihrer Einschreibung in kulturelle Wissensformen ergibt sich aus den Weisen der Annäherung.

    Bahar Taheri, from Return series 4, 2014, Acrylic on paper, 27x19 cm

    Der Begriff 'return' weitet sich aus. Wie eine Vielzahl von Bildern auf ähnliche Ereignisse bezogen ist, entzieht sich das Ereignis dem Bild. Es bedarf genauerer Prüfung, eines differenzierteren Blicks, um eine Gewissheit über das Ikonische zu erhalten, zu leicht rutscht ein Bild in einen Bereich ab, der symbolische oder indexikalische Zuordnungen aufzwingt; die Produktion des Bildes verschiebt sich zu einfach in die Reproduktion des Ereignisses - selbst bei Fotografien. Der 'return' zum Bild selbst verläuft dann anhand einer Linie, die historisch, sozial und kulturell geprägt ist und einer entsprechenden Aufschlüsselung bedarf. ‘Return-series’ ist so ein ganz und gar in sich geschlossener Angriff auf das Denken von Bilden, in seinen Ansprüchen, Selbstverständlichkeiten, seiner vermeintlichen Erhabenheit über das Wirkliche. Vielleicht sind sie, die Bilder von Taheri, eine Falle. Aber sie sind eine Falle, in der wir uns selbst verfangen, wenn wir das Bild aus seiner konkreten Lesbarkeit entlassen. Ob hier unterschiedliche Bildprogramme in Kollision geraten, ist erst in einem zweiten Schritt von Bedeutung. Denn die Frage nach der konkreten Konsistenz und ihrer Einschreibung in kulturelle Wissensformen ergibt sich aus den Weisen der Annäherung.

  • Bahar Taheri, from Return series 5, 2014, Acrylic on paper, 27x17 cm Die Rückkehr Khomeinis in den Iran war auch eine in das Stellvertretertum des Mahdi, eine Begebenheit, deren spirituelle Aufladung nicht ohne Bedeutung und ohne Einfluss auf die Prägung dieses Bildtopos war. Als Pathosformel hat das Bild eine spezifisch kulturelle Zuordnung, die sich sowohl im 'westlichen Blick' wie auch im 'östlichen' aufbaut, wenn auch mit unterschiedlichen Bewertungskriterien und in differenten Formen. In der Verwirrung, die Taheri stiftet, unterläuft sie die exotische Zugehörigkeit wie auch die Möglichkeit identitätsstiftender Affirmation. Die serielle Multiplikation eines Musters mit der Implikation differenter Narrative, sowohl kulturspezifischer Lesarten als auch im Abrutschen in vielfältige und gegensätzliche Ereignismomente, legt ein sensibles Verhältnis zum Bilderkennen nahe.

    Bahar Taheri, from Return series 5, 2014, Acrylic on paper, 27x17 cm

    Die Rückkehr Khomeinis in den Iran war auch eine in das Stellvertretertum des Mahdi, eine Begebenheit, deren spirituelle Aufladung nicht ohne Bedeutung und ohne Einfluss auf die Prägung dieses Bildtopos war. Als Pathosformel hat das Bild eine spezifisch kulturelle Zuordnung, die sich sowohl im 'westlichen Blick' wie auch im 'östlichen' aufbaut, wenn auch mit unterschiedlichen Bewertungskriterien und in differenten Formen. In der Verwirrung, die Taheri stiftet, unterläuft sie die exotische Zugehörigkeit wie auch die Möglichkeit identitätsstiftender Affirmation. Die serielle Multiplikation eines Musters mit der Implikation differenter Narrative, sowohl kulturspezifischer Lesarten als auch im Abrutschen in vielfältige und gegensätzliche Ereignismomente, legt ein sensibles Verhältnis zum Bilderkennen nahe.

  • Bahar Taheri, from Return series 8, 2016, Acrylic on paper, 27x20 cmTaheris Zugang durch die Malerei ist ein weiteres Element in der Auseinandersetzung mit der Frage der Serialität, insofern sie das Bild aus dem Status der Reproduzierbarkeit der Fotografie herauszieht und in ein Original transformiert. Das historische Bild wird zur Vorlage einer an den Fotorealismus angelehnten Ölmalerei und wird insofern zurückgeführt in die Qualität der Einmaligkeit. Sicher, das ist in mancher Hinsicht ein ironisches Spiel mit der Kunst selbst, in der die Technik der Malerei, im Besonderen mit der Technik der Königsklasse, der Ölmalerei, zumindest eine Garantie des Innovativen suggeriert - das Sujet dieser Bilder verbleibt in der Wiederholung des fotografischen Urbilds, das da in kollektive Erinnerung übergegangen ist. Taheri legt das auch in einer sehr akribischen Art an, so, dass die Bilder qua ihrer Kleinformatigkeit auf einen ersten Blick den Eindruck perfekter fotorealistischer Malerei vermitteln. Bei genauerem Hinsehen wird die Verwirrung der Vorlagen deutlich, wie auch - und das die individuelle Eigenheit des malerischen Verfahrens - die Tatsache von Undeutlichkeiten, von Chiffrenhaftigkeit bis hin dazu, dass geografische Orte, sofern sie in den Vorlagen vorhanden sind, sich in Unschärfen verlieren.

    Bahar Taheri, from Return series 8, 2016, Acrylic on paper, 27x20 cm

    Taheris Zugang durch die Malerei ist ein weiteres Element in der Auseinandersetzung mit der Frage der Serialität, insofern sie das Bild aus dem Status der Reproduzierbarkeit der Fotografie herauszieht und in ein Original transformiert. Das historische Bild wird zur Vorlage einer an den Fotorealismus angelehnten Ölmalerei und wird insofern zurückgeführt in die Qualität der Einmaligkeit. Sicher, das ist in mancher Hinsicht ein ironisches Spiel mit der Kunst selbst, in der die Technik der Malerei, im Besonderen mit der Technik der Königsklasse, der Ölmalerei, zumindest eine Garantie des Innovativen suggeriert - das Sujet dieser Bilder verbleibt in der Wiederholung des fotografischen Urbilds, das da in kollektive Erinnerung übergegangen ist. Taheri legt das auch in einer sehr akribischen Art an, so, dass die Bilder qua ihrer Kleinformatigkeit auf einen ersten Blick den Eindruck perfekter fotorealistischer Malerei vermitteln. Bei genauerem Hinsehen wird die Verwirrung der Vorlagen deutlich, wie auch - und das die individuelle Eigenheit des malerischen Verfahrens - die Tatsache von Undeutlichkeiten, von Chiffrenhaftigkeit bis hin dazu, dass geografische Orte, sofern sie in den Vorlagen vorhanden sind, sich in Unschärfen verlieren.

  • Bahar Taheri, from Return series 7, 2015, Acrylic on paper, 27x20 cmLetztlich sind es keine Fallen, die Taheri in ‘return series’ aufstellt, es sind Brechungen der Reproduzierbarkeit, die sowohl auf der Ebene des Bildes selbst stattfinden wie auch auf der der Wahrnehmung. An beiden Orten ist es die Erinnerung selbst, die Erinnerung des Bildes im Bereich des Erzählten und die Erinnerung des Betrachters, der das Vergangene in der Vermittlung eines Erzählenden aufgreift. Und hier lenkt Taheri den Blick darauf, den Betrachter selbst in die Rolle des Erzählenden zu bringen. Dass das keine pädagogische oder didaktische Angelegenheit ist, liegt insofern auf der Hand, als es die kulturellen und historischen Selbstverständlichkeiten sind, die sich in der Verstrickung ihrer eigenen Widersprüchlichkeiten befinden und in der Reflexion über das Serielle, was das Konkrete im Bild und der Wahrnehmung gleichermaßen ausmacht, zur Auflösung bringen. Biografie Bahar Taheri, 1980 in Teheran geboren, lebt seit 2014 in Montreal / Kanada. Obwohl sie vor allem Malerin ist, arbeitet Taheri auch mit Video, Installationen und Performances. Sie erwarb einen BA (2005) und einen MA in Malerei (2009) an der Teheran-Soore-Kunsthochschule. Taheri präsentierte ihre Arbeiten in Einzel- und Gruppenausstellungen innerhalb und außerhalb des Iran und arbeitete als artist-in-residence in Österreich und Deutschland. In den vergangenen zwölf Jahren konzentrierte sich ihre Arbeit auf Themen wie Gender, Identität, historische, politische und soziale Ereignisse sowie kollektive Erinnerung (www.bahartaheri.com). Auswahl und Text: Christoph Sehl sehl@iranjournal.org

    Bahar Taheri, from Return series 7, 2015, Acrylic on paper, 27x20 cm

    Letztlich sind es keine Fallen, die Taheri in ‘return series’ aufstellt, es sind Brechungen der Reproduzierbarkeit, die sowohl auf der Ebene des Bildes selbst stattfinden wie auch auf der der Wahrnehmung. An beiden Orten ist es die Erinnerung selbst, die Erinnerung des Bildes im Bereich des Erzählten und die Erinnerung des Betrachters, der das Vergangene in der Vermittlung eines Erzählenden aufgreift. Und hier lenkt Taheri den Blick darauf, den Betrachter selbst in die Rolle des Erzählenden zu bringen. Dass das keine pädagogische oder didaktische Angelegenheit ist, liegt insofern auf der Hand, als es die kulturellen und historischen Selbstverständlichkeiten sind, die sich in der Verstrickung ihrer eigenen Widersprüchlichkeiten befinden und in der Reflexion über das Serielle, was das Konkrete im Bild und der Wahrnehmung gleichermaßen ausmacht, zur Auflösung bringen.

    Biografie

    Bahar Taheri, 1980 in Teheran geboren, lebt seit 2014 in Montreal / Kanada. Obwohl sie vor allem Malerin ist, arbeitet Taheri auch mit Video, Installationen und Performances. Sie erwarb einen BA (2005) und einen MA in Malerei (2009) an der Teheran-Soore-Kunsthochschule. Taheri präsentierte ihre Arbeiten in Einzel- und Gruppenausstellungen innerhalb und außerhalb des Iran und arbeitete als artist-in-residence in Österreich und Deutschland. In den vergangenen zwölf Jahren konzentrierte sich ihre Arbeit auf Themen wie Gender, Identität, historische, politische und soziale Ereignisse sowie kollektive Erinnerung (www.bahartaheri.com).

    Auswahl und Text: Christoph Sehl
    sehl@iranjournal.org

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