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Digitale KunstpräsentationKunstwerke von Behrouz Heshmat

  • "Eines Tages wird man die Geschichte des 20. Jahrhunderts durch das Prisma des Exils neu lesen müssen", so Enzo Traverso am Anfang seines Buches "Das zerstreute Leben". Traverso, der in Frankreich lebende italienische Historiker und Journalist, schrieb das in einem dichten Verhältnis zu seiner eigenen Gegenwart. Diesem Verhältnis für das 21. Jahrhundert etwas abzusprechen, stünde der Wirklichkeit und der Relevanz eines Geschichtsverhältnis durch die Wahrnehmung des Exils fern. Auch heute noch ist das ‚Prisma des Exils‘ von Bedeutung.

    "Eines Tages wird man die Geschichte des 20. Jahrhunderts durch das Prisma des Exils neu lesen müssen", so Enzo Traverso am Anfang seines Buches "Das zerstreute Leben". Traverso, der in Frankreich lebende italienische Historiker und Journalist, schrieb das in einem dichten Verhältnis zu seiner eigenen Gegenwart. Diesem Verhältnis für das 21. Jahrhundert etwas abzusprechen, stünde der Wirklichkeit und der Relevanz eines Geschichtsverhältnis durch die Wahrnehmung des Exils fern. Auch heute noch ist das ‚Prisma des Exils‘ von Bedeutung.

  • Die Erfahrung des Exils könnte man als eine Distanz zum Eigentlichen begreifen - wenn man denn wüsste, was das ist, das Eigentliche. Vielleicht liegt das Eigentliche darin, wie und wo sich die Dinge von selbst verstehen, in einer selbstverständlichen Beziehung zur Wirklichkeit, deren soziale, politische und geschichtliche Bedingungen Fragestellungen übergeht und meint, übergehen zu können, die sich durch besondere Umstände zu entziehen scheinen. Zweifellos ist das Exil eine Erfahrung der Fremde. Simmel spricht hier von der „organischen“ Verbundenheit der Nicht-Fremden, hinsichtlich derer der, „der heute kommt und morgen bleibt“, die „Objektivität des Fremden“ mit sich bringt.

    Die Erfahrung des Exils könnte man als eine Distanz zum Eigentlichen begreifen - wenn man denn wüsste, was das ist, das Eigentliche. Vielleicht liegt das Eigentliche darin, wie und wo sich die Dinge von selbst verstehen, in einer selbstverständlichen Beziehung zur Wirklichkeit, deren soziale, politische und geschichtliche Bedingungen Fragestellungen übergeht und meint, übergehen zu können, die sich durch besondere Umstände zu entziehen scheinen. Zweifellos ist das Exil eine Erfahrung der Fremde. Simmel spricht hier von der „organischen“ Verbundenheit der Nicht-Fremden, hinsichtlich derer der, „der heute kommt und morgen bleibt“, die „Objektivität des Fremden“ mit sich bringt.

  • Behrouz Heshmats Häuser werden von einem Geäst gehalten, das aus einem Stamm wächst, der auf dem Boden steht. Natürlich erinnern sie an Baumhäuser, nur sind sie in einer Form konstruiert, die in ihrer Typisierung eher an die Idee eines Hauses denken lassen. Heshmat versetzt das Haus an einen Ort, der sehr wohl gewachsen erscheint - auch das, was die Häuser trägt, lässt in seiner typisierten Darstellung an wenig anderes als an einen Baum denken.

    Behrouz Heshmats Häuser werden von einem Geäst gehalten, das aus einem Stamm wächst, der auf dem Boden steht. Natürlich erinnern sie an Baumhäuser, nur sind sie in einer Form konstruiert, die in ihrer Typisierung eher an die Idee eines Hauses denken lassen. Heshmat versetzt das Haus an einen Ort, der sehr wohl gewachsen erscheint - auch das, was die Häuser trägt, lässt in seiner typisierten Darstellung an wenig anderes als an einen Baum denken.

  • Beides, Baum und Haus, sind in einer reduzierten Zeichenhaftigkeit gehalten, einer Einfachheit, die zu großer Deutlichkeit und Selbstverständlichkeit führt, als gäbe es wenig, was einem vertrauter ist. Und dennoch besitzen Heshmats Häuser eine Qualität des Instabilen - ein Gefühl des Unsicheren schleicht sich ein, ein Zweifel, ob einem das so Vertraute wirklich so nah sein kann, ob mit dem Versprechen des so Eindeutigen Eindeutiges einhergeht.

    Beides, Baum und Haus, sind in einer reduzierten Zeichenhaftigkeit gehalten, einer Einfachheit, die zu großer Deutlichkeit und Selbstverständlichkeit führt, als gäbe es wenig, was einem vertrauter ist. Und dennoch besitzen Heshmats Häuser eine Qualität des Instabilen - ein Gefühl des Unsicheren schleicht sich ein, ein Zweifel, ob einem das so Vertraute wirklich so nah sein kann, ob mit dem Versprechen des so Eindeutigen Eindeutiges einhergeht.

  • Vielleicht entspricht es ja einem Wunsch, dass, wenn Natur und Zivilisation aufeinander bezogen sind, sie ein ausgewogenes und beglückendes Verhältnis zueinander einnehmen. Heshmat erzeugt hier etwas anderes, etwas, das sich diesem Wünschen entzieht, etwas, das sich immer schon dem Selbstverständlichen entzieht. Die Wurzeln der Bäume sind in seinen Haus-Skulpturen nicht zu sehen, und wir wissen nicht, ob und wie fest sie sind.

    Vielleicht entspricht es ja einem Wunsch, dass, wenn Natur und Zivilisation aufeinander bezogen sind, sie ein ausgewogenes und beglückendes Verhältnis zueinander einnehmen. Heshmat erzeugt hier etwas anderes, etwas, das sich diesem Wünschen entzieht, etwas, das sich immer schon dem Selbstverständlichen entzieht. Die Wurzeln der Bäume sind in seinen Haus-Skulpturen nicht zu sehen, und wir wissen nicht, ob und wie fest sie sind.

  • Das oben sitzende Haus ist auf die Natur gestellt, deren erschreckende Unergründlichkeit präsent bleibt und in der umfassenden Selbstversicherung, die das Haus bereitzustellen meint, darauf verweist, dass das Haus nur eine partikulare Versicherung zu geben vermag. Heshmat sieht diese Partikularität und spricht sie als solche an. Das Haus beherbergt Ausschnitte, Teilaspekte. Es wird zu einem Ort, dem die Menschen ihre Spuren einschreiben, sie sind die Träger dessen, was sich aus diesen Spuren herauslesen lässt. Es sind Sammelstellen für all die Daten und Informationen, deren Fülle gelegentlich darüber hinwegtäuscht, dass das Haus das Ganze sein könnte.

    Das oben sitzende Haus ist auf die Natur gestellt, deren erschreckende Unergründlichkeit präsent bleibt und in der umfassenden Selbstversicherung, die das Haus bereitzustellen meint, darauf verweist, dass das Haus nur eine partikulare Versicherung zu geben vermag. Heshmat sieht diese Partikularität und spricht sie als solche an. Das Haus beherbergt Ausschnitte, Teilaspekte. Es wird zu einem Ort, dem die Menschen ihre Spuren einschreiben, sie sind die Träger dessen, was sich aus diesen Spuren herauslesen lässt. Es sind Sammelstellen für all die Daten und Informationen, deren Fülle gelegentlich darüber hinwegtäuscht, dass das Haus das Ganze sein könnte.

  • Was Heshmat mit seinen Häusern erfunden hat, ist eine Form, die die Perspektive des Exils anschaulich macht. Es ist nicht allein seine persönliche Erfahrung und Geschichte, die hier Ausdruck findet, sie ist deutlich allgemeingültiger. Es sind Bruchstellen des Selbstempfindens, auch Bruchstellen der Verfassung dieser Welt.

    Was Heshmat mit seinen Häusern erfunden hat, ist eine Form, die die Perspektive des Exils anschaulich macht. Es ist nicht allein seine persönliche Erfahrung und Geschichte, die hier Ausdruck findet, sie ist deutlich allgemeingültiger. Es sind Bruchstellen des Selbstempfindens, auch Bruchstellen der Verfassung dieser Welt.

  • Mit seinen Häusern baut er ein Bild, das die Erfahrung des Exils in das Verhältnis setzt, dass selbst engste Verbundenheit zur Heimat nicht außerhalb dieser Erfahrung des Exils zu denken ist, will sie sich nicht über sich selbst hinwegtäuschen.

    Mit seinen Häusern baut er ein Bild, das die Erfahrung des Exils in das Verhältnis setzt, dass selbst engste Verbundenheit zur Heimat nicht außerhalb dieser Erfahrung des Exils zu denken ist, will sie sich nicht über sich selbst hinwegtäuschen.

  • Behrouz Heshmat wurde 1953 in Täbris geboren, dort hat er studiert und arbeitete als Künstler. 1975 kam er nach Österreich und lebt dort im Exil. 1976 studierte er an der Akademie für Angewandte Kunst in Wien und wurde Assistent von Wander Bertoni. Er lebt als freischaffender Künstler in Wien. Auswahl und Text: Christoph Sehl sehl@iranjournal.org

    Behrouz Heshmat wurde 1953 in Täbris geboren, dort hat er studiert und arbeitete als Künstler. 1975 kam er nach Österreich und lebt dort im Exil. 1976 studierte er an der Akademie für Angewandte Kunst in Wien und wurde Assistent von Wander Bertoni. Er lebt als freischaffender Künstler in Wien.

    Auswahl und Text: Christoph Sehl
    sehl@iranjournal.org

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