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Warnung vor „Krebstsunami“ im Iran

Im Iran ist Krebs nach Herzerkrankungen und Autounfällen die dritthäufigste Todesursache. Staatlichen Angaben zufolge sterben jährlich mehr als 40.000 Iraner an Krebs, 80.000 Neuerkrankungen werden registriert. Experten misstrauen diesen Zahlen. mehr »

 

Eine veränderte Lebensweise, fetthaltige und ungesunde Ernährung, Zunahme von Zigarettenkonsum, Stress, psychische Konflikte, aber auch die wirtschaftlichen Probleme und die enorme Luftverschmutzung halten Experten für die Ursachen der Steigerung der Krebsrate im Iran. Mitte des vergangenen Jahrzehnts hatten unabhängige Fachleute vor einer Erhöhung der Krebsgefahr im Iran gewarnt. Und sie warnen immer noch, sollten sich Behörden und Bevölkerung weiter so verhalten wie bisher, bedrohe ein „Krebstsunami“ das Land. „Die Verunreinigung des Grundwassers, die Nutzung von gesundheitsschädigenden Düngemitteln, gestiegener Tabakkonsum, verheerende Umweltverschmutzung, Fast Food – ich kann nur sagen: in Bezug auf die Verbreitung von Krebserkrankungen haben wir im Iran eine schreckliche Dekade vor uns“, sagt Payam Azadeh, einer der renommiertesten Krebsspezialisten des Irans.

Statistiken, die nicht erschrecken sollen

Die iranische Regierung steht seit Jahren im Verdacht, Statistiken in allen Bereichen zu verschönern oder geheim zu halten, um die Unzulänglichkeiten ihrer Politik zu verdecken. Während Experten vor einem „Krebstsunami“ warnen, geben die offiziellen Zahlen keinen Grund zur Beunruhigung: Bei einer Bevölkerungszahl von 75 Millionen Menschen scheinen 40.000 Krebstote und 80.000 Neuerkrankungen im Jahr nicht sehr hoch. In Deutschland mit einer Bevölkerung von knapp 82 Millionen erkranken jährlich 450.000 Menschen an Krebs, 216.000 Menschen sterben daran.

Die umstrittenen Angaben der iranischen Regierung vermitteln auch einige klare Ergebnisse: Derzeit ist Magenkrebs die häufigste Krebsart im Iran. Die Provinz Ardebil im Nordwesten des Landes ist das Zentrum dieser Krankheit. Der Hautkrebs steht an zweiter Stelle.

Geografischer Gürtel der Krankheit

Wegen enormer Luftverschmutzung werden immer häufiger in Teheran und anderen Großstädten ältere Personen, atemweg– und herzerkrankte Menschen aufgerufen, das Haus nicht zu verlassen.

Wegen enormer Luftverschmutzung werden immer häufiger in Teheran und anderen Großstädten ältere Personen, atemweg– und herzerkrankte Menschen aufgerufen, das Haus nicht zu verlassen.

Laut Ergebnissen einer Untersuchung der staatlichen Anstalt für die Förderung geowissenschaftlicher Erkenntnisse (Geological Survey of Iran – GSI) über die Ausbreitung verschiedener Krebsarten im Iran wurden im Norden und Nordwesten des Landes die meisten Fälle von Krebserkrankungen an  Verdauungsapparat und Speiseröhren festgestellt. Farah Rahmani, verantwortlich für medizinische Geologie der GSI, erläuterte in einem Gespräch mit der Presseagentur Mehr: „Die Ergebnisse unserer Untersuchungen zeigen, dass ein Teil des metallurgischen Gürtels des Mittleren Ostens durch den Iran verläuft. Das heißt, dass in manchen Gebieten giftige Elemente wie Blei, Zink, Arsen, Quecksilber, Gold, Silber und Kadmium übermäßig vorhanden sind, die als Verursacher mancher Krankheiten in der Bevölkerung gelten.“ In diesem Zusammenhang nennt Rahmani die Provinz Golestan, die auf dem „krebserregenden Gürtel“ liege: „Dort wird oft Speiseröhrenkrebs beobachtet, daher hat die GSI in Kooperation mit der Weltgesundheitsorganisation WHO ein zweijähriges Projekt zur Untersuchung der Krebshäufigkeit in dieser Region eingeleitet.“

Medikamente werden teurer

Nach Angaben des Gesundheitsportals Salamat News sind die Preise für Antikrebsmedikamente im Iran enorm hoch. Dennoch müssen die Krebskranken in Zukunft mit noch höheren Preisen rechnen. Hosseinali Shahriari, Vorsitzender des Gesundheitsausschusses des Parlaments, warnte sogar vor einer Medikamentenkrise. Ende Januar sagte er im Gespräch mit Salamat News, wenn die Regierung der Pharmaindustrie keine Devisen für die Einfuhr von Medikamenten oder deren Grundstoffe zur Verfügung stelle, müsste die sich die Devisen für deren Einkauf auf dem freien Markt beschaffen. Das würde zu einer deutlichen Verteuerung der Medikamente führen. Wegen der internationalen Sanktionen gegen die iranischen Banken ist der Iran beim Geldtransfer und damit beim Import von Waren mit großen Problemen konfrontiert.

 

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