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Organhandel: lukratives Geschäft im Iran

Der Handel mit menschlichen Organen zählt im Iran zu den profitabelsten Geschäften. Vor allem Nieren verkaufen sich gut. Auch ausländische Patienten kommen zu Transplantationen in den Iran. Nun sorgt der Tod eines saudi-arabischen Patienten für Aufregung. mehr »

„Männlich, 33 Jahre alt, Blutgruppe A plus, bietet seine Niere an“. „Brauchen Sie eine Leber oder eine Niere, dann rufen Sie die folgende Rufnummer an“: Solche Verkaufsanzeigen für menschliche Organe finden sich im Iran nicht nur an Hauswänden in der Nachbarschaft von Krankenhäusern, sondern werden auch von Zeitungen gedruckt. Denn im Iran gibt es keine besondere Einschränkung für Lebendspenden von Organen, und auch der Handel damit wird offiziell geduldet. Es gibt nur eine Bedingung: Anbieter- und KundInnen müssen iranische Staatsbürger sein. Damit wolle man das Entstehen eines illegalen Marktes für ausländische KundInnen verhindern, ist die offizielle Erklärung des Gesundheitsministeriums. Was aber, wie nun ein Todesfall zeigt, nicht gelang.

Vergangenen Sonntag teilte Mostafa Ghasemi, der Vorsitzende des Vereins „Hilfe für Nierenkranke“, mit, dass in Teheran ein saudi-arabischer Patient nach einer Nierentransplantation gestorben sei. Laut Ghasemi seien aufgrund des Vorfalls bereits mehrere Ärzte verhaftet worden. Immer mehr ausländische PatientInnen lassen sich im Iran Organe transplantieren. Dafür müssten sich die AusländerInnen, die vor allem aus den Golfstaaten, aus Aserbaidschan, Indien und Afghanistan stammten, zunächst gefälschte iranische Identitätspapiere besorgen, so Ghasemi: „Wir haben derartige Fälle bereits mehrmals dem Gesundheitsministerium gemeldet, aber die Verantwortlichen haben dies bis heute ignoriert.“

Schwarzmarkt boomt

Mehrere illegale Nieren-Angebote in der Nähe eines Teheraner Krankenhauses

Mehrere illegale Nieren-Angebote in der Nähe eines Teheraner Krankenhauses

Der Verstorbene hatte für seine Nierentransplantation 300 Millionen Tuman, umgerechnet etwa 80.000 Euro, bezahlt. Rund 85 Prozent der Transplantationen im Iran werden bei Nierenkranken durchgeführt. Es gibt keine Festpreise. Berichten zufolge hängen die Kosten für ein neues Organ  davon ab, wie sich AnbieterInnen und Kundschaft einigen. Dabei kann der Preis für eine neue Niere zwischen 2.000 und 150.000 Euro schwanken.

Normalerweise zahle der Verein „Hilfe für Nierenkranke“ Personen, die eine Niere spenden wollen, neun Millionen Tuman, umgerechnet etwa 2.400 Euro. Aber es gebe viele Dialyse-Patienten, die dringend operiert werden müssten, sagt Vereinsvorsitzender Ghasemi. Sie seien bereit, mehr zu zahlen, und ließen sich dabei vom freien Markt bedienen. Dabei hülfen „die mangelnde Kontrolle des Gesundheitsministerium über die Schwarzmärkte“ sowie „etwa siebzehn Krankenhäuser, die unbeaufsichtigt Nierentransplantationen durchführen“, kritisiert Ghasemi.

Lange Wartelisten

"Suche Niere - Blutgruppe 0 - dringend"

„Suche Niere – Blutgruppe 0 – dringend“

Offiziellen Angaben zufolge leben im Iran etwa 24.000 dialysebedürftige Menschen, die eine Transplantation bräuchten. Täglich sterben sieben bis zehn davon, da sie keinen Spender finden. Im vergangenen Jahr wurden im Iran 2.400 Nierentransplantationen durchgeführt. Nur in 970 Fällen stammte das Organ von hirntoten Personen. Dabei wurde das Organspenden von Hirntoten im Jahr 2000 per Gesetz zur Pflicht. Im Iran gibt es durchschnittlich 8.000 Hirntote pro Jahr, vor allem Opfer von Autounfällen. Aber viele Familien sind trotz des Gesetzes nicht bereit, die Organe ihrer Angehörigen als Spende freizugeben.

Geschäft aus Not

Hohe Schulden, Scheidungskosten, aber auch Geldbedarf für eigene oder familiäre medizinische Behandlungen sind die Hauptursachen für die Bereitschaft vieler Menschen im Iran, ihre Organe anzubieten. Nach einem Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von 2007 waren 27 Prozent der iranischen Organverkäufer arbeitslos, 42 Prozent hatten nur einen Teilzeitjob. 71 Prozent der Organspender waren männlich, 29 Prozent Frauen. Und auch, dass das Geschäft nicht ganz ohne Risiko abläuft, verrät der Bericht: Laut WHO litten 65 Prozent der OrgananbieterInnen nach der Spende an schweren gesundheitlichen Komplikationen.

FOROUGH HOSSEIN POUR