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Kino-Boom erfreut Filmschaffende

Filmfieber in Teheran: Die iranische Hauptstadt war zum 34. Mal Gastgeberin des internationalen Fajr-Filmfestivals war. Grund zum Feiern gibt es unter FilmfreundInnen genug, denn auch im Ausland gewinnen IranerInnen Preise. Kulturnachrichten aus der Islamischen Republik. mehr »

Mohammad-Hossein Mahdavians biographischer Film „Standing in the Dust“ ist beim 34. Internationalen Fajr-Filmfestival in Teheran als bester Film des Jahres mit dem Kristallphönix – auf Persisch „Simorgh Bolourin“ – ausgezeichnet worden. Der Film handelt vom Leben des iranischen Kommandanten Ahmad Motevasselian, der während des libanesischen Bürgerkriegs vermutlich entführt und hingerichtet wurde. Filmregisseur und Drehbuchautor Mahdavian hatte doppelten Grund zur Freude: Er erhielt auch den Spezialpreis der Jury in der Sektion „New Look“, in der Regisseure für ihre Erstlingswerke ausgezeichnet werden.
Großer Gewinner des diesjährigen Fajr-Filmfestivals war jedoch Saeed Roostaeis „Life + 1 Day“, der gleich in sieben Kategorien, darunter „beste Regie“, „bestes Drehbuch“ und „beste Hauptdarstellerin“, den Sieg davontrug. Das Filmdrama setzt sich mit dem schwierigen Alltag einer in ärmlichen Verhältnissen lebenden und mit Drogenproblemen kämpfenden Teheraner Familie auseinander.

Sowohl im Vorfeld als auch zu Beginn des diesjährigen Filmfestivals hatte es heftige Kritik an der Veranstaltung gegeben. Auch in diesem Jahr waren Filme aufgrund ihres „problematischen“ Inhalts nicht zum Wettbewerb zugelassen worden. Für Unmut sorgte bei den Filmschaffenden auch das staatliche iranische Fernsehen, das Teile der Rede der beliebten Schauspielerin Mahnaz Afshar am Eröffnungstag zensierte. Afshar hatte die Hoffnung geäußert, dass die „Willkür der Zensoren“ ein Ende nehme.

Das Internationale Fajr-Filmfestival wurde am 11. Februar 1982 zum Jahrestag der Islamischen Revolution unter Aufsicht des Kulturministeriums ins Leben gerufen. Die Preise des Festivals werden in den Kategorien „Internationaler Film“ und „Nationaler Film“ verliehen. Der internationale Teil des Festivals wurde jedoch im vergangenen Jahr vom nationalen Teil getrennt. Die ausländischen Filmbeiträge werden Ende April in Teheran in einem einwöchigen Extra-Wettbewerb vorgeführt.

Hohe Kinobesucherzahlen

Der Leiter des iranischen Kinoverbands, Hojjatollah Ayyubi, hat sich in einer Rede positiv zur Entwicklung des iranischen Kinos geäußert. Ihm zufolge haben im vergangenen Jahr 12 Millionen IranerInnen Kinos besucht. In diesem Jahr rechnet Ayyubi mit einem nochmaligen Anstieg der Besucherzahlen auf 14 Millionen.
Zuvor hatten sich schon die iranischen FilmregisseurInnen Manijeh Hekmat und Mohammad-Hossein Farahbakhsh am Rande der Fajr-Filmfestspiele erfreut über die „langen Schlangen an den Kinos“ gezeigt. Die neu aufgeflammte Begeisterung für iranische Filme „nach Jahren der Zurückhaltung der Cineasten“ erinnerten Hekmat und Farahbaksh an die „guten, alten Zeiten der iranischen Filmbranche“ Ende der 1980er Jahre.

Der Puppentrickfilm "Stadt der Mäuse" war einer der Kassenschlager des letzten Jahres

Der Puppentrickfilm „Stadt der Mäuse“ war einer der Kassenschlager des letzten Jahres

Ayyubi zufolge hängt der „Kino-Boom“ mit der „hohen Qualität iranischer Produktionen, die weltweit respektiert werden“ zusammen. Obwohl eine einzige Hollywoodproduktion im Schnitt ein höheres Budget aufbrauche als alle jährlich produzierten iranischen Filme zusammen, seien iranische Filme auf über 230 internationalen Filmfestivals mit mehr als 300 Preisen ausgezeichnet worden, so der Leiter des iranischen Kinoverbands.

Ayyubis Verband war unter Ex-Präsident Mahmud Ahmadinedschad als staatlicher Gegenentwurf zum „Haus des Kinos“, in dem sich kritische Filmschaffende organisiert hatten, gegründet worden. Er sollte Filmschaffende fördern, die regimetreue und islamische Wertvorstellungen propagierten. Seit dem Amtsantritt des moderaten Präsidenten Hassan Rouhani fährt der Kinoverband jedoch einen gemäßigteren Kurs.

„Book of the Year-Awards“ in Teheran

In Teheran sind vergangenen Sonntag die 33. „Book of the Year-Awards“ zu Ende gegangen. Unter 23.721 Büchern wurden neun mit dem Hauptpreis ausgezeichnet und 25 weitere lobend hervorgehoben. In Anwesenheit zahlreicher nationaler und internationaler AkademikerInnen und SchriftstellerInnen wurden die Auszeichnungen von Staatspräsident Hassan Rouhani und Kulturminister Ali Jannati vergeben. In einer Rede unterstrich Rouhani die Bedeutung des Lesens. „Obwohl Bücher heutzutage immer mehr durch neue digitale Medien ersetzt werden, bleiben sie doch unverzichtbar für die Gesellschaft“, so der Staatschef.
Die jährlich verliehenen Auszeichnungen werden in den Kategorien „Kunst und Kultur“, „Literatur“, „Sprachen“, „Sozialwissenschaften“, „Angewandte Wissenschaften“ und „Religion“ vergeben. Unter den PreisträgerInnen befand sich dieses Jahr auch ein Deutscher: Der Orientalist Stefan Sperl konnte in der Kategorie „Kunst und Kultur“ der internationalen Sektion mit seinem Werk „The Cosmic Script: Sacred Geometry and the Science of Arabic Penmanship“ den Sieg davontragen. Der bekannteste Preisträger dürfte allerdings der Filmregisseur und Oscar-Preisträger Asghar Farhadi sein, der für sein Buch „Seven Screenplays from Asghar Farhadi“ ausgezeichnet wurde.

Iranische Animation gewinnt US-Preis

Szenenfoto: A Brief Encounter

Szenenfoto: A Brief Encounter

Der iranische Animationsfilm „A Brief Encounter“ der Zeichenkünstlerin Somayeh Yazdanpanah hat bei dem von 12. bis zum 14. Februar stattfindenden renommierten 17. Nevermore-Filmfestival in Durham im US-Bundestaat North Carolina den Preis für den besten animierten Kurzfilm gewonnen. Der 2014 produzierte knapp zweieinhalbminütige Film handelt von einem einsamen Drachen, der in einer Vorstadt seiner Arbeit nachgeht, bis er eines Tages auf dem Heimweg auf ein kleines Mädchen trifft. Laut Yazdanpanah, die in Durham ihren ersten internationalen Preis gewann, geht es in ihrem Kurzfilm um die Themen Liebe und Vergänglichkeit.

Das Nevermore-Filmfestival wurde 1999 initiiert und gehört seitdem zu den bedeutendsten Genre- und Kurzfilmfestivals. Gezeigt werden dort überwiegend Horror-, Mystery-, Science-Fiction- und Actionfilme.

Wie sich die iranischen Filme auf der diesjährigen Berlinale bewähren, wird sich Ende der Woche zeigen.

  JASHAR ERFANIAN

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