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40 Jahre Islamische RepublikFrauensport im Iran

Frauensport spielt beinahe überall in der Welt in der „zweiten Liga“. Im Iran jedoch wurde Frauen nach der Revolution vor 40 Jahren beinahe jeder Sport untersagt. Erst durch Bemühungen liberaler Politiker*innen und Frauenrechtlerinnen wurden schrittweise bestimmte Sparten wieder zugelassen. mehr »

Von Nasrin Bassiri

Mitte Januar gab das iranische Sportministerium bekannt, dass die „Islamische Föderation für Frauensport“ (IFS) ihre Aktivitäten wieder aufnehmen soll. Die IFS war 1990 gegründet und von Faezeh Rafsanjani, der Tochter des verstorbenen iranischen Ex-Präsidenten Hashemi Rafsanjani – einst einer der mächtigsten Männer der Islamischen Republik -, geführt worden.

Die Föderation wurde von Anfang an von den politischen und religiösen Hardlinern angefeindet und zwei Jahrzehnte später durch Streichung der Mittel praktisch lahmgelegt.

Dennoch versuchten die iranischen Sportlerinnen weiter zu trainieren und wo es nur ging an internationalen Wettkämpfen teilzunehmen.

Mehr als Sport

Frauensport ist im Iran bei weitem mehr als ein Ausdruck der Tüchtigkeit der weiblichen Körper. Vielmehr wollen die Frauen in erster Linie ihre Fähigkeiten und ihren Kampfgeist zur Schau stellen und glänzen, wo sie eben können. So versuchen sie, ihren Ruf als das „schwache Geschlecht“ zu kompensieren und der Bevormundung durch Männer entgegenzutreten.

So kann erklärt werden, warum das iranische Frauen-Futsal-Team 2018 bei den Asien-Meisterschaften mit einem 5:2-Sieg im Finale gegen Japan den ersten Platz einnahm, obwohl es keine mit anderen Ländern vergleichbare Unterstützung erfahren hat. Sara Shirbeygi erzielte mit neun Toren dabei die meisten Treffer.

Bereits 2015 waren die iranischen Frauen Asien-Meisterinnen.

Nicht einmal zuschauen

Doch im staatlichen iranischen Fernsehen wurden die Futsal-Meisterinnen nicht gezeigt. Die iranische Bevölkerung konnte sie nur in den verbotenen Satelliten-TV-Programmen bewundern.

Die Spielerinnen haben bereits seit 40 Jahren nicht mehr die Möglichkeit, ein Fußballstadion von innen zu sehen. Frauen dürfen „halbnackten Männer“ nicht beim Spiel zusehen, heißt die offizielle Begründung; wenn das Spiel tobt und die Köpfe hitzig werden, könnten Männer unanständige Sprüche rufen, ein weiterer Vorwand. Der Zutritt zu Fußballstadien ist seit einer Ewigkeit ein Thema der iranischen Frauenbewegung. Seit Oktober 2018 hat der Damm zwar einen Riss, doch ist er nicht gebrochen.

Im Sommer 2015 drohte die US-Föderation vor einem Spiel der US-Fußballmannschaft in Teheran, das amerikanische Team werde nicht antreten, wenn Frauen nicht der Zutritt gewährt werde. Die iranische Sportbehörde gewährte daraufhin fünf Alibi-Frauen – Iranerinnen mit ausländischen Pässen – den Zutritt (1), damit das Spiel stattfinden konnte, während viele Iranerinnen vor verschlossenen Toren protestierten. Ähnliche Situationen wiederholten sich, und jedes Mal wurde wenigen iranischen Frauen mit ausländischer Staatsbürgerschaft der Zugang erlaubt, wenn Druck von ausländischen Teams oder etwa der FIFA kam.

Im Februar 2018 reiste FIFA-Präsident Gianni Infantino nach Teheran, um das Spiel zwischen den rivalisierenden Mannschaften Esteghlal und Persepolis anzusehen. Bei einer Unterredung mit Hassan Rouhani forderte er den Staatspräsidenten auf, das Zutrittsverbot für Frauen aufzuheben. Mit Erfolg: Dieses Mal durften einige ausgewählte Frauen mehr in das riesige, für 100.000 Zuschauer*innen vorgesehene Stadion. Es blieben dennoch stets zahlreiche junge Frauen vor verschlossenen Toren, die vergeblich versuchten, sich durch Proteste Zutritt zu erkämpfen, während die „ausgewählten“ Frauen durch einen separaten Eingang in eine männerfreie Zone gebracht wurden. Infantino berichtete nach seiner Rückkehr in die Schweiz, die iranische Regierung habe ihm versprochen, das Problem bald zu lösen.

Freundschaftsspiel Iran – Rumänien:

„Die Zahl der Zuschauerinnen wird steigen“

Die Teheraner Parlamentsabgeordnete Tayebeh Siawoshi ist zuversichtlich: Fast 40 Jahre sei die Debatte um den Zutritt von Frauen in die Stadien ein absolutes Tabuthema gewesen. „Nun sind wir soweit, dass ausgewählte Frauen der Zutritt zu den Sportstätten erlaubt wird“ sagte sie – weil die FIFA das so will. Laut Siawoshi hat das Sportministerium kein Problem mit Frauen im Stadion. Wenn Justiz und Ordnungskräfte am selben Strang ziehen würden, dürfte das Problem längst gelöst sein.

Die Reaktion auf die Präsenz einer größeren Zahl von Frauen in den Stadien war ein Twitter-Hagel von männlichen und weiblichen User. Die Begeisterung war nicht zu bremsen. Gholamhossein Zamanabadi von der iranischen Fußball-Föderation sagte der Nachrichtenagentur Mehr: „Ich bin zuversichtlich, dass die Zahl der Frauen in den Stadien kontinuierlich wachsen wird.“ Ein unkontrollierter Zugang aller Frauen bräuchte aber „noch ein wenig Geduld. Wir üben unsere ersten Schritte“, so Zamanabadi.

Kurz darauf meldete sich der oberste Staatsanwalt des Iran in derselben Nachrichtenagentur zu Wort. Seine Haltung: Eine Frau begehe eine Sünde, wenn sie in ein Sportstadion gehe und dort „halbnackten Männern“ zusehe. Solle sich das wiederholen, werde er die Teheraner Staatsanwalt anweisen, sich des Problems anzunehmen. Die Äußerung Zamanabadis verschwand von der Seite.

Gesetzliche Hürden für Sportlerinnen
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