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„Wir könnten König Abdullah selbst umbringen“

Den Vorwurf der USA, der Iran habe die Ermordung des dortigen saudischen Botschafters geplant, halten viele für unwahr. Dennoch sind die Reaktionen iranischer Regierungsvertreter und Blogger auf die Anschuldigungen sehr gemischt. Manche befürchten eine Militäraktion der USA. mehr »

 

Das iranische Regime und die Auslandsvertretung der iranischen Revolutionsgarde (Sepahe Quds) hätten einen Anschlag auf den saudischen Botschafter geplant – diesen von den USA vor etwa 14 Tagen erhobenen Vorwurf weisen alle staatlichen Institutionen und Regierungsvertreter des Iran scharf zurück. Die Amerikaner versuchten auf diese Weise nur, von der Wirtschaftskrise und den Protesten an der Wall Street abzulenken, hieß es etwa vom iranischen Staatspräsidenten Mahmud Ahmadinejad und dem Chef der Parlamentskommission für nationale Sicherheit Alaeddin Borujerdi. Das religiöse Oberhaupt des Iran, Ayatollah Khamenei, bezeichnete die Anschuldigungen als „unsinnig und gegenstandslos“.

Doch ganz so einig in der Beurteilung des Vorwurfs war man sich im Iran offenbar zunächst nicht: Noch am 17. Oktober, eine Woche nach Bekanntwerden der Vorwürfe, hatte der iranische Außenminister Ali Akbar Salehi verkündet, sein Land halte sich an internationale Verpflichtungen und sei bereit, die Anschuldigung zu untersuchen. Wenige Stunden später sagte Staatspräsident Ahmadinejad in einem Interview mit dem arabischen Fernsehsender „Al Jazeera“ dann, zu einer Untersuchung gebe es keinen Anlass. Die US-Regierung erfinde täglich neue Anschuldigungen gegen das iranische Volk, so der Präsident.

Die dem Militärbefehlshaber der Revolutionsgarden zur Zeit des Iran-Irak-Krieges, Mohsen Rezai, nahestehende Zeitung „Tabnak“ kritisierte diese Haltung. Obwohl die Anschuldigung „unwahr“ sei, müssten die Regierungsverantwortlichen dagegen koordiniert vorgehen, hieß es dort. Ganz anders klang der Kommentar des den Revolutionsgarden nahe stehenden radikalen Geistlichen Mehdi Taeb: Der Iran sei nicht auf einen Anschlag gegen den saudischen Botschafter angewiesen: „Falls notwendig, können wir König Abdollah selbst umbringen.“ Seine Worte wurden kurz danach von den iranischen Presseagenturen zensiert und aus ihren Berichten gestrichen.

Gefährliche Drohungen

Screenshot: Weblog Moamaye mardane raghsan

Screenshot: Weblog Moamaye mardane raghsan

Auch die Nutzer der virtuellen Medien reagierten unterschiedlich und widersprüchlich auf die Vorwürfe gegen den Iran. Einige freut die weitere Isolierung der Islamischen Republik. Andere betrachten die Anschuldigungen als Vorbereitung für die Ausweitung der Sanktionen und der Isolation des Irans – oder gar für einen Militärangriff.

Ali, Blogger auf der Internetseite „Moamaye mardane raghsan“ („Das Rätsel der tanzenden Männer“) schreibt, der Umgang der höchsten Instanzen der USA und Saudi-Arabiens mit den Anschuldigungen weise auf die Relevanz und Ernsthaftigkeit des Themas hin. Die politische Sackgasse, in die sich das iranische Regime nach den Präsidentschaftswahlen von 2009 manövriert habe sowie das zunehmende Missmanagement im Land und die konfrontative Außenpolitik des Iran schafften für die USA eine „einzigartige Gelegenheit, das Projekt der Iranophobie voranzutreiben“.

Amin Mowaheddi kritisiert in seinem Webblog diejenigen, die glauben, solche „dummen Aktionen“ könnten nicht auf einen Staat zurückgehen. Er fragt, ob das Attentat im Berliner Restaurant „Mykonos“, die Explosion im jüdischen Zentrum in Argentinien oder der Anschlag auf den ehemaligen Premierminister Libanons Rafik Hariri etwa vernünftige Taten gewesen seien. Mowaheddi schließt daraus, dass mit diesem „gefährlichen Abenteuer“ die Hindernisse für die USA, die Welt gegen den Iran zu einigen, mehr denn je beseitigt wurden. Nun sei sogar möglich, dass Russland dem Iran den Rücken kehre.

Hassan Yari, Dozent am militärischen Kingston College in Kanada, sagte in einem Interview mit der Website „Khodnevis“ („Der Füllfederhalter“), die Reaktion des Irans auf die Vorwürfe einer „Terror-Verschwörung“ sei eher provokativ als auf nationale Interessen bedacht gewesen. Die Untersuchung der Vorwürfe zuzulassen wäre seiner Ansicht nach die bessere Entscheidung gewesen. Ein möglicher Krieg zwischen den USA und dem Iran würde die territoriale Integrität ebenso wie das Fundament der iranischen Wirtschaft bedrohen, so Yari. Dennoch wären die meisten Länder der Region mit einem solchen Krieg einverstanden.

Mahmood Farjami, Blogger auf der Seite „Baran dar dahane nime baz“ („Regen in den halb geöffneten Mund“), glaubt, dass die USA dem Iran „eine schwere Lektion erteilen wollen, da der Iran allen bisherigen internationalen Sanktionen mit Desinteresse begegnet“ sei. Wahrheit oder Unwahrheit dieser Anschuldigung werde „durch die Geschichte entschieden“, so Farjami. Man solle aber nicht vergessen, dass der außenpolitisch erfolgreiche US-Präsident Barack Obama bisher kein Risiko ohne Erfolg eingegangen sei.

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